"Markus Lanz"
Karl Lauterbach wird deutlich: "Eine halbseidene Partei wie die FDP" brauche es in der Regierung nicht
Veröffentlicht:
von teleschau - Natascha Wittmann:newstime
FDP-Chef Kubicki unter Druck
Videoclip • 01:49 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" teilte Karl Lauterbach gegen die FDP aus und rechnete mit dem Auftreten der Liberalen nach dem Parteitag ab. Der SPD-Politiker warf der FDP unter anderem Unseriösität vor. Eine Aussage, bei der Marie-Agnes Strack-Zimmermann der Kragen platzte.
Das Wichtigste in Kürze
Aus einer Debatte über die FDP-Führung wird bei Markus Lanz ein offener Konflikt.
Karl Lauterbach attackiert die Liberalen als unseriös.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann weist das scharf zurück – und stellt sogar sein Demokratieverständnis infrage.
Der FDP-Parteitag vom vergangenen Wochenende hallt weiter nach. Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte dort überraschend für den Parteivorsitz kandidiert, zog am Ende aber gegen Wolfgang Kubicki den Kürzeren. Kubicki bekam knapp 60 Prozent der Stimmen. Danach teilte er öffentlich gegen seine Parteikollegin aus. In der "Bild"-Zeitung spottete der FDP-Chef: "Marie-Agnes, Du hast nur 40 Prozent - und jetzt weißt Du, wo der Hammer hängt." Strack-Zimmermann ließ sich davon am Dienstagabend bei "Markus Lanz" allerdings wenig anmerken. Aus Brüssel zugeschaltet sagte sie, sie habe Kubicki mit ihrem Schritt durchaus "überrascht". Zugleich betonte sie: "Meine spontane Kandidatur kam natürlich nicht völlig aus der hohlen Hand." Der Grund: Sie habe "von sehr vielen" Parteikollegen gehört, dass sie "eine Wahl haben" wollten. "Das habe ich dann eben (...) übernommen", erklärte die FDP-Politikerin.
Markus Lanz kaufte ihr das "Spontan"-Narrativ nur bedingt ab. Besonders mit Blick auf ihren Auftritt beim Parteitag stichelte er: "Sie sagen, es war spontan. (...) Ich habe diese Rede gehört, die war so geschliffen. Niemals schreibt man so etwas spontan!" Strack-Zimmermann konterte entschieden: "Ich habe das nicht lange vorbereitet, aber ich freue mich, dass Ihnen die Rede gefallen hat." Lanz stellte sofort klar: "Das habe ich damit nicht gesagt." Die Politikerin reagierte trocken: "Ach so, schade." Und legte nach: "Wenn man einen (...) individuellen Kompass hat, dann reichen 24 Stunden, eine solche Rede zu schreiben." Richtig brisant wurde es, als Lanz nachfragte, ob Kubicki vorab eingeweiht war: "Haben Sie Wolfgang Kubicki vorab darüber informiert, dass Sie antreten werden?"
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Strack-Zimmermann: "Was Sie sich gerade hier erlauben, finde ich völlig überflüssig"
Marie-Agnes Strack-Zimmermann blieb bei ihrer Version: "Nein, ich habe außer denen, die ich ins Vertrauen gezogen habe, überhaupt keinen informiert." Lanz zeigte sich fassungslos: "Nichts? Das heißt, Sie kennen sich so lange (...) und Sie reden nicht vorher einen Satz darüber, dass Sie plötzlich mit der Kandidatur um die Ecke kommen?" Ihre knappe Antwort: "Nein! Ich kam um die Ecke." Kubicki sei darüber "nicht wirklich amüsiert" gewesen, schließlich sei er "davon ausgegangen, dass er in einem Rutsch gewählt wird". In der ZDF-Sendung meldete sich plötzlich auch Karl Lauterbach zu Wort und griff die FDP frontal an: "Der Zirkus (...) erinnert mich an das Lügengerede von Christian Lindner, als wir all die Zeit gedacht haben, wir machen weiter in der Koalition."
Für ihn zeige das den Kern des Problems: "Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei. (...) Jetzt sind sie nicht in der Regierung und streiten untereinander, aber genau diesen Zirkus haben wir in der Ampel all die Zeit erlebt." Sein Fazit fiel noch härter aus: "In der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Zeit brauchen wir so eine halbseidene Partei wie die FDP zumindest in der Regierung nicht." Lanz reagierte hörbar überrascht mit einem "Wow", doch Strack-Zimmermann ging sofort dazwischen: "Hören Sie sich eigentlich reden? Was Sie sich gerade hier erlauben, finde ich völlig überflüssig!" Sie setzte nach: "Ich bin sichtlich irritiert darüber, was Sie für ein Demokratieverständnis haben."
Zusammenarbeit mit der AfD ist für Marie-Agnes Strack-Zimmermann "ein No-Go"
Lauterbach versuchte zu bremsen: "Ich hätte mich ja sogar gefreut, wenn Sie gewonnen hätten. Es geht hier nur um den Stil!" Für Strack-Zimmermann war das kein Ausweg: "Ihr Kompass ist inzwischen auch irgendwo verloren gegangen. Ich bedauere das, Herr Lauterbach." Auch die Frage nach der strategischen Richtung der FDP landete bei "Markus Lanz" auf dem Tisch. Der Moderator fragte zugespitzt: "Blinzelt man in Richtung AfD?" Strack-Zimmermann zog eine klare rote Linie: "Wenn Sie anfangen, Entscheidungen aufzusetzen in der Annahme, dass die AfD möglicherweise die Mehrheit herstellen könnte, dann ist das für mich persönlich (...) ein No-Go."
Lanz blieb dennoch dran und wollte wissen: "Haben Sie Sorge, dass die FDP mit Wolfgang Kubicki mit der AfD gemeinsame Sache macht?" Strack-Zimmermann wich aus: "Ich habe kandidiert, damit alle (...) nicht mal mit der AfD kokettieren, sondern dass wir ein liberales Angebot machen." Journalist Robin Alexander blieb dennoch skeptisch: "Ich nehme Kubicki ab, dass er das gar nicht will. Kubicki ist ja kein Rechter. Er will nicht der AfD in den Sattel helfen. Er glaubt aber, dass er eine Rhetorik braucht, die anders ist, als die bisherige Rhetorik." Lauterbach warnte ebenfalls, Kubicki spiele rhetorisch "mit dem Feuer", denn: "Die Brandmauer schützt die Demokratie bei uns."
Verwendete Quellen:
ZDF
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