Meteorologe warnt vor Kipppunkt
Experte zu El Niño: "Brandbeschleuniger für Extreme" in Europa
Veröffentlicht:
von Christopher Schmitt:newstime
El Niño bringt Extremwetter
Videoclip • 01:45 Min • Ab 12
Bringt El Niño der Welt folgenschwere Extremwetter? Im :newstime-Interview erklärt ein Meteorologe das Klimaphänomen – und warnt vor einem Kipppunkt.
Das Wichtigste in Kürze
Höchstwahrscheinlich steht ein El‑Niño‑Ereignis vor der Tür – mit Auswirkungen auf das Wetter weltweit.
Meteorologe Georg Haas ordnet im :newstime-Interview das Klimaphänomen ein und beschreibt die Folgen für Deutschland.
Der Experte bezeichnet die Überschreitung eines Kipppunkts als "kreuzgefährlich".
Extremwetter rund um den Globus? Ein neues El‑Niño‑Ereignis steht mit hoher Wahrscheinlichkeit bevor, warnt die Weltwetterorganisation (WMO). Die UN‑Behörde macht deutlich, welche Dimension das Klimaphänomen annehmen könnte: Frühere Episoden hätten weltweit verheerende Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze ausgelöst. Besonders brisant sei laut WMO, dass El Niño die globale Durchschnittstemperatur weiter nach oben treiben könne – möglicherweise über den bisherigen Rekordwert von 2024 hinaus.
Zwar erreichten die extremen Wetterlagen meist rund um den Jahreswechsel ihren Höhepunkt, doch der Einfluss auf die weltweite Jahresmitteltemperatur zeige sich häufig erst im Folgejahr. In diesem Fall könne 2027 besonders ins Gewicht fallen. Medien und Teile der Forschung spekulierten bereits über einen sogenannten Super‑El‑Niño – ein außergewöhnlich starkes Ereignis. Meteorologe Georg Haas von "wetter.com" ordnet gegenüber :newstime das Klimaphänomen und seine Gefahren ein.
Was ist El Niño überhaupt?
"El Niño ist ein völlig natürliches Phänomen", stellt Haas klar. Atmosphäre und Ozean wirkten hierbei wechselseitig aufeinander. Wenn der Pazifische Ozean vor Südamerika ungewöhnlich warm sei, spreche man von El Niño.
Wie stark El Niño ausfalle, hänge vor allem von Windschwankungen über dem Pazifik ab, erklärte Klimaforscher Mojib Latif gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) – ein Faktor, der schwer zu prognostizieren sei.
Ein relativ schwacher El Niño bleibe lokal im Pazifischen Ozean und Umgebung wirksam, erklärt Haas im :newstime-Interview. "Ist er sehr stark, dann wird er global eingreifen und kann durchaus für heftige Wetterextreme sorgen." Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem starken El Niño komme, liege dem Experten zufolge bei einem Drittel.
Auch in den News:
Wie wirkt sich El Niño auf Deutschland aus?
Sollte dieser Fall eintreten, wäre dem "wetter.com"-Experten zufolge ein sehr milder Winter in Deutschland zu erwarten. Der anschließende Sommer könnte dann sehr schwül und warm werden. "Und das birgt hohes Unwetterpotenzial. Ein starker El Niño wäre für uns in Deutschland gerade im Sommer relativ ungünstig", hält Haas fest.
Für Mitteleuropa erwarten viele Fachleute nur begrenzte direkte Auswirkungen im laufenden Jahr. Daniela Domeisen von der ETH Zürich erklärte gegenüber der dpa, Europa liege zu weit vom tropischen Pazifik entfernt, wo El Niño entstehe. Das Wettersignal werde auf dem Weg abgeschwächt und von anderen Einflüssen überlagert. Falls überhaupt, könne es hierzulande etwas kühler und nasser als üblich werden.
Spürbarer könnten indirekte Effekte sein: Laut dem Gießener Klimaforscher Armin Bunde könnten schlechte Ernten im Pazifikraum zu steigenden Preisen für Produkte wie Kaffee, Kakao oder Zucker führen.
Meteorologe: Kipppunkt wäre "kreuzgefährlich"
Georg Haas betont die wissenschaftliche Eindeutigkeit, dass der Klimawandel durch das CO₂ menschengemacht sei. Nun schmelze durch den Klimawandel einiges an Eis in der Antarktis. Der Pazifische Ozean werde dem Experten zufolge leicht abgekühlt und somit die Wahrscheinlichkeit für El Niño tendenziell gesenkt – aber eben nur vorerst.
"Sobald die Eisschmelze mal irgendwann beendet sein wird, wird das ins Gegenteil kippen", warnt er. Dann sei ein "klassischer Kipppunkt" erreicht "und danach wird es kreuzgefährlich mit richtig heftigen El-Niño-Ereignissen in einer ungewöhnlich warmen Erdatmosphäre". Einen solchen Kipppunkt könne man "keiner Generation nach uns zumuten".
Ob der Klimawandel El Niños grundsätzlich verstärke, sei laut WMO wissenschaftlich bislang nicht belegt. Klar sei jedoch, dass El Niño die Folgen der globalen Erwärmung verschärfen könne: Wärmeres Meer und mehr Feuchtigkeit lieferten zusätzliche Energie für Hitzewellen und Starkregen. Ein aktueller WMO‑Bericht sieht eine Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent, dass eines der Jahre zwischen 2026 und 2030 wärmer ausfalle als 2024. Aufgrund von El Niño könne dieser Rekord bereits 2027 fallen.
Wie sollen sich Länder für El Niño wappnen?
Angesichts dieser Aussichten ruft die WMO Regierungen und Hilfsorganisationen zur Vorbereitung auf. Besonders Landwirtschaft, Gesundheitswesen sowie Energie‑ und Wasserversorgung müssten sich wappnen. Frühzeitige Wettervorhersagen und Warnsysteme seien entscheidend, um Menschenleben zu schützen und wirtschaftliche Schäden zu begrenzen, betonte die WMO‑Generalsekretärin Celeste Saulo.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
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