Kein neuer Tankrabatt

Vorwurf Abzocke: So teilt sich der Spritpreis auf – wie viel geht an die Mineralölkonzerne?

Aktualisiert:

von Christopher Schmitt

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Ministerin Reiche gegen neuen Tankrabatt

Videoclip • 01:57 Min • Ab 12


Wirtschaftsministerin Reiche sieht keine Chance auf eine erneute Spritpreisbremse – doch die Preise steigen. Staat und Mineralölkonzerne: Wer verdient wie viel an einem Liter Benzin?

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Auslaufen der Spritpreisbremse steigen die Benzinpreise wieder deutlich an – doch wer verdient wie viel an einem Liter?

  • Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO₂-Kosten machen über die Hälfte aus, doch der Verdacht, dass die Mineralölkonzerne hohe Gewinne abschöpfen, bleibt bestehen.

  • Laut einer ADAC-Sprecherin sind die Margen der Konzerne unklar, ein Branchenvertreter sieht die Verantwortung beim Staat.

Seitdem zu Juli-Beginn die Spritpreisbremse ausgelaufen ist, schießen die Preise an den Tankstellen wieder durch die Decke. Aber wer verdient denn nun wirklich an den hohen Benzinpreisen? Was geht an den Staat und was stecken sich Mineralölkonzerne in die Tasche?

So verteilt sich ein Benzinpreis von 2,15 Euro

Wenn ein Liter Super E10 2,15 Euro kostet, geht mehr als die Hälfte an den Staat:

  • 65,5 Cent für die Energiesteuer

  • 34,3 Cent für die Mehrwertsteuer

  • 15,7 Cent für die CO₂-Kosten

Was bleibt, ist ein knapper Euro, im Beispiel 99,5 Cent für anfallende Kosten – Rohöl, Transport und Tankstellen – sowie den kalkulierten Gewinn der Wirtschaft. Unklar ist, wie hoch die Kosten genau ausfallen. Deswegen steht die Branche immer unter Verdacht, unverhältnismäßige Gewinne abzuschöpfen.

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Wer hat Schuld an den hohen Preisen?

Als Grund für die hohen Preise gilt der nach wie vor anhaltende Iran-Krieg. ADAC-Sprecherin Katharina Lucà will dies im Gespräch mit :newstime nicht zählen lassen: "Den sehen wir hier aber nicht ausschlaggebend für die hohen Preise." Dies bedeutet, dass "hier irgendwo Gewinne" bei den Mineralölkonzernen gemacht würden. "Wo genau diese Margen hier anfallen, entzieht sich unserer Kenntnis."

Für die Mineralölkonzerne trägt hingegen der Staat die Schuld. Die hohen Preise lägen "vor allem daran, dass wir in Deutschland vergleichsweise höhere Steuern haben, einen CO₂-Preis, den wir in vielen anderen Ländern nicht haben, und auch noch andere regulierungsbedingte Kosten", sagt Christian Küchen vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie e. V.

Laut Küchen würden sich die Tankstellenpreise an den globalen Produktpreisen für Benzin und Diesel orientieren, nicht am Rohölpreis. Auch in anderen Ländern würden sie steigen, nur nicht aufs gleiche Niveau. In Deutschland würden sich die Benzinpreise parallel zum Weltmarkt entwickeln. Das liege neben den Folgen des Iran-Kriegs auch daran, dass russische Raffinerien im Ukraine-Krieg getroffen würden.

Reiche sieht keinen Spielraum für Spritpreisbremse

Von Seiten der Bundesregierung dürfen Autofahrer:innen jedoch nicht auf Entlastungen hoffen. Trotz der gestiegenen Spritpreise sieht Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) keinen finanziellen Spielraum. "Wir haben mit der Spritpreisbremse ein sehr, sehr teures Instrument eingesetzt. Das hat uns viele Milliarden Euro gekostet", so Reiche am Mittwoch (22. Juli) im "RTL/ntv Frühstart.

Im Bundeshaushalt stünden diese Mittel nicht zur Verfügung. Laut Reiche sei die Versorgungslage allerdings gesichert. Man könne über Maßnahmen sprechen, falls die Preise weiter deutlich ansteigen würden. Diese seien aktuell aber nicht geplant.

Einig scheint man sich bei Schwarz-Rot jedoch nicht zu sein. Zuvor hatte Tim Klüssendorf, der SPD-Generalsekretär, einen Spritpreisdeckel gefordert. Reiche erklärte, dies würde den Staat erneut Milliarden kosten. Ohnehin würde der Weltmarkt nicht auf den Deckel reagieren.

Demnach sind viele Autofahrer:innen weiter gezwungen, nach vergleichsweise günstigen Spritpreisen Ausschau zu halten. Der ADAC hat kürzlich ermittelt, wie viel teurer das Tanken an Autobahnen ist.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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