Getötetes Staatsoberhaupt

Machtdemonstration in Teheran: Trauerfeierlichkeiten für Chamenei

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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Chamenei: Führer und Unterdrücker

Videoclip • 01:39 Min • Ab 12


Für die iranische Staatsführung geht es um mehr als öffentliche Trauer: Rund vier Monate nach seiner Tötung soll Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei beerdigt werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Iran haben die Trauerfeierlichkeiten für den getöteten obersten Führer Chamenei begonnen.

  • Die Behörden rechnen allein in Teheran in den kommenden Tagen mit mehreren Millionen Trauernden.

  • Chamenei war zu Beginn des aktuellen Iran-Kriegs bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz getötet worden.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen haben im Iran die öffentlichen Trauerfeiern für den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei begonnen. Er war vor mehr als vier Monaten getötet worden. Aufnahmen im Staatsfernsehen zeigten Särge des Religionsführers und mehrerer seiner Familienmitglieder aufgebahrt in der Großmoschee Mosalla hinter Vitrinen.

Der Leichnam bleibt zunächst drei Tage in Teheran. Anschließend sind Trauerzeremonien in der Pilgerstadt Ghom, dem Zentrum der schiitischen Geistlichkeit im Iran sowie dem Nachbarland Irak geplant. Am Donnerstag soll er im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.

Irans Führung will politische Geschlossenheit demonstrieren

Für Chameneis Anhänger und die iranische Führung ist die Staatstrauer zugleich Abschied und Demonstration politischer Geschlossenheit. Banner, die an den "Märtyrer" Chamenei erinnern, prägen an diesen Tagen das Stadtbild der Millionenmetropole Teheran. Für die Staatsspitze bietet die Großveranstaltung die Gelegenheit, Einheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die militärisch weit überlegenen USA und Israel überstanden zu haben.

Chamenei war am 28. Februar im Alter von 86 Jahren bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in der iranischen Hauptstadt getötet worden. Anschließend führten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Die Zukunft über ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das den Konflikt dauerhaft lösen soll, ist weiter ungewiss.

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Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bei Trauerfeiern

Die Behörden stellen sich auf einen Massenandrang von mehreren Millionen Anhänger:innen ein. Aus Sicherheitsgründen will der Iran von Montag (6. Juli) an seinen Luftraum für mehrere Tage sperren. Zehntausende Polizisten und Soldaten sind im Einsatz.

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad strömten Tausende Anhänger:innen zum Veranstaltungsort. "Ich bin gekommen, um mich von unserem Führer zu verabschieden", sagte eine 33-Jährige. "Wir fordern Blutrache, und wir wollen Vergeltung", sagte sie.

Regierungskritiker und viele Menschen im Iran, die Anfang des Jahres noch gegen den autoritären Kurs der Führung sowie die massive Wirtschaftskrise auf die Straße gegangen waren, betrachten die Feierlichkeiten jedoch mit Gleichgültigkeit und Ablehnung. Tausende Demonstranten waren Mitte Januar bei Protesten getötet worden. "Warum sollte ich teilnehmen?", fragte etwa Amir (30). Chamenei habe nur an seinen Machterhalt gedacht, sagte er.

Generäle zeigen sich seit Kriegsbeginn erstmals wieder öffentlich

Mit Blick auf den Krieg der USA und Israels warnten Irans Streitkräfte am Freitag vor einer neuen militärischen Eskalation rund um die Staatstrauer. "Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden. Einer Antwort, die für immer in ihrer Geschichte der Schande verzeichnet bleiben wird", hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden, die iranische Medien verbreiteten.

Die Warnung dürfte auch mit Befürchtungen zusammenhängen, dass hochrangige Vertreter aus Politik und Militär Ziel von Anschlägen werden könnten. Für die Staatsspitze gilt die Teilnahme an den Trauerfeiern als Pflichttermin. Mehrere Generäle zeigten sich bei den Zeremonien erstmals seit Beginn des Kriegs gegen den Iran wieder öffentlich, darunter der neue Kommandeur der mächtigen Revolutionsgarden, Ahmad Wahidi, und der Kommandeur der Luftstreitkräfte, Madschid Mussawi.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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