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Schockbild im Wahlkampf: Netanjahu zeigt Atompilz über Tel Aviv

Aktualisiert:

von Emre Bölükbasi

:newstime

Netanjahu braucht rechte Partner (25. Oktober)

Videoclip • 02:17 Min • Ab 12


Kann Angst eine Wahl drehen? Zwei Tage vor der richtungsweisenden Israel-Wahl postet Netanjahu ein Bild mit einem Atompilz über Tel Aviv. Die Opposition reagiert mit klaren Worten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Netanjahu setzt im Wahlkampf auf ein Schockbild.

  • Es zeigt einen Atompilz über Tel Aviv.

  • Ob das reicht, um seine fehlende Mehrheit in den Umfragen zu drehen, bleibt offen.

Zwei Tage vor der Parlamentswahl am Dienstag (27. Oktober) hat Benjamin Netanjahu eine Grenze überschritten, die selbst für den kampferprobten Wahlkämpfer neu ist: Der 77-jährige Likud-Chef postete auf sozialen Medien ein Bild, das eine Atompilzexplosion direkt über der Skyline Tel Avivs darstellt.

Die Botschaft dahinter ist eindeutig – und sie richtet sich an Israels Wähler:innen, die über die Zusammensetzung der Knesset entscheiden. Netanjahu zitierte dazu den IT-Unternehmer Yuval Bloomberg, der den Iran als "reale und konkrete existenzielle Bedrohung" beschreibt. Gelinge es Teheran, sich mit Atomwaffen zu bewaffnen, werde buchstäblich nichts anderes mehr zählen.

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Atombombe schlägt Innenpolitik – zumindest laut Netanjahu

In seinem Posting stellte Netanjahu die Atomgefahr explizit über alle innenpolitischen Debatten: Diskussionen über Katar, den Status der ultraorthodoxen Bevölkerung oder die Wehrpflicht bezeichnete er als Nebenschauplätze. Zwei Atombomben auf das Herzstück des Landes – und niemand interessiere sich mehr dafür, erklärte er.

Wer bei der Wahl einem Kandidaten seine Stimme gebe, dem die nötige Entschlossenheit fehle, der riskiere das Leben seiner Familie und seiner Liebsten, schrieb Netanjahu. Er sprach sogar von der Gefahr eines "zweiten Holocaust". Zugleich bekräftigte er seine Einschätzung, Israel habe unter US-Präsident Donald Trump noch zwei Jahre Zeit, der iranischen Bedrohung wirksam zu begegnen.

Auch in den News:

Rivale Eisenkot kontert: Angst als politisches Werkzeug

Netanjahus schärfster Herausforderer, Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot von der Mitte-Partei Jaschar, ließ sich nicht einschüchtern. Er bezeichnete den Regierungschef offen als "hysterisch" und warf ihm vor, mit denselben alten Mitteln zu operieren: Lügen und Angstmache.

Dass Netanjahu nun mit Bildern massiver Zerstörung Wähler:innen unter Druck setze, sei besonders dreist – nachdem er die eigentlichen Kriegsziele gegen den Iran verfehlt habe. Nach der Wahl werde man ihn ablösen, erklärte Eisenkot.

Netanjahus Wahlkampf auf Social Media sorgt für Empörung

Netanjahus Atompilz-Post ist nur einer von vielen umstrittenen Beiträgen in seinen Social-Media-Accounts. Im Juli hatte der Ministerpräsident ein KI-generiertes Video verbreitet, das seinen Kontrahenten Eisenkot zeigen soll. Darin ist zu sehen, wie der Oppositionelle mit offenen Armen vermeintlich auf einen jungen Israeli zuläuft, aber im letzten Moment einen älteren arabischen Politiker umarmt.

Israelischen Berichten zufolge soll der junge Mann Gal Eisenkot zeigen, den im Gaza-Krieg getöteten Sohn Eisenkots. Die Botschaft des Posts: Der Ex-Militärchef stehe den Araber:innen nahe und enttäusche dafür Israelis wie seinen verstorbenen Sohn.

Das Video sorgte in Israel für eine Welle der Empörung. Laut "The Times of Israel" sagte eine Quelle aus dem Umfeld Netanjahus, der Ministerpräsident selbst habe das Video gar nicht erst gesehen – obwohl es auf seinem eigenen X-Kanal gepostet wurde.

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Laut aktuellen Umfragen steckt Netanjahus rechtsreligiöses Lager in ernsthaften Schwierigkeiten. Mit rund 50 prognostizierten Knesset-Sitzen liegt es deutlich unter der Mehrheitsschwelle von 61 der 120 Mandate. Das Oppositionslager kommt auf 52 bis 56 Sitze, und die arabischen Parteien könnten mit bis zu 16 weiteren Mandaten zum entscheidenden Zünglein an der Waage werden.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

The Times of Israel: "Official: Netanyahu has not seen controversial AI campaign video of Eisenkot"

X: Benjamin Netanjahu

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