Talk bei "Maischberger"

"Wie kann man da noch Kreuzfahrten anbieten?" - Reiseveranstalter lassen Laschet sprachlos zurück

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

Krieg in Nahost: Das müssen Reisende wissen

Videoclip • 01:52 Min • Ab 12


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Bei "Maischberger" verteidigt Armin Laschet Außenminister Johann Wadephul nach dessen Reisewarnungs-Irrtum und geht scharf auf Reiseveranstalter los.

Das Wichtigste in Kürze

  • Armin Laschet verteidigt Außenminister Wadephul nach dessen Reisewarnungs-Irrtum, kritisiert aber scharf Reiseveranstalter, die trotz militärischer Eskalation Kreuzfahrten in die Golfregion anbieten.

  • Nahost-Expertin Natalie Amiri hält den US‑Angriff auf den Iran für völkerrechtswidrig, sieht eine iranische "Abnutzungsstrategie" und berichtet von wachsender Angst im Land nach Raketen- und Drohnenangriffen.

  • Unternehmer Carsten Maschmeyer warnt bei "Maischberger" vor Trumps "Weltambitionen", höheren Energiepreisen und fordert Entlastungen für Unternehmen sowie einen Energiecheck für ärmere Haushalte.

Schon zu Beginn der ARD-Sendung am Mittwochabend (4. März) macht Sandra Maischberger klar, dass es kein gemütlicher Abend wird. Sie fragt Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, ob ihm der Fehler von Außenminister Johann Wadephul nicht passiert wäre. Laschet zögert kurz und antwortet: "Doch. Das kann jedem passieren."

Damit spielt er auf Wadephuls Auftritt im ZDF-"heute journal" an. Der Minister hatte dort von einer bereits bestehenden Reisewarnung des Auswärtigen Amts für die Golfregion gesprochen – obwohl es zu diesem Zeitpunkt nur Sicherheitshinweise, aber keine formelle Reisewarnung gab. Später bezeichnete Wadephul seine Aussage als "Irrtum" und entschuldigte sich.


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Laschet verteidigt Wadephul – und kritisiert die Branche

Laschet stellt in der Talkshow klar: "Warnungen gab es, aber keine formelle." Er erklärt den Unterschied: Es gebe "einmal die prinzipielle Warnung, in bestimmte Regionen zu reisen", die auf den Internetseiten des Auswärtigen Amts stehe, und dann die formelle Reisewarnung, die rechtlich deutlich weitreichender sei. Diese sei erst am 28. Februar ausgesprochen worden.

Gleichzeitig spart Laschet nicht mit Kritik an der Tourismusbranche. Angesichts des massiven militärischen Aufmarschs in der Region – US-Flugzeugträger, Drohungen zwischen Israel und Iran – sei das Risiko erkennbar gewesen. "Wie ein Reiseveranstalter dann noch auf die Idee kommen kann, eine Kreuzfahrt mit 3500 Menschen in ein solches Gebiet zu machen, das muss man sich fragen", sagt er. Für ihn ist klar: Wenn "irgendwo ein deutscher Staatsbürger warum auch immer in Not ist", müsse die Bundesregierung alles tun, um zu helfen – trotzdem trügen auch Veranstalter Verantwortung.

Wer wird zuerst gerettet?

Laschet beschreibt, wie schwierig die Evakuierung in der Golfregion ist. Unter den Betroffenen seien Tourist:innen, Influencer:innen, Menschen mit Daueraufenthalt und Reisende, die nur zum Umsteigen dort waren und jetzt festhängen. Aus seiner Sicht braucht es eine "Prioritätenliste". Besonders schutzbedürftige Gruppen – "vulnerable Personen, Frauen, Schwangere" – würden derzeit zum Beispiel über den Landweg nach Oman gebracht, von dort aus sollten erste Flugzeuge starten.

Der CDU-Politiker verweist indirekt auf die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Dort wird vor nicht notwendigen Reisen in mehrere Grenzregionen gewarnt, und die Luftangriffe in der Region haben zu Luftraumsperrungen und Flugausfällen geführt.

Auch in den News:

Amiri: Angriff war absehbar – und wohl völkerrechtswidrig

Nahost-Expertin Natalie Amiri, langjährige ARD-Korrespondentin in Teheran, sieht die Lage noch drastischer. Auf die Frage, ob sie privat in die Region gereist wäre, antwortet sie: "Ich hab’s ja getan." Beruflich sei sie gerade im Libanon gewesen. Für sie sei "ziemlich klar" gewesen, "dass es diesen Angriff geben wird". Die Verhandlungen bezeichnet sie als "Scheinverhandlungen", die von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen seien.

Den Urlauber:innen in Dubai will sie dennoch keinen Vorwurf machen: "Sie konnten nicht damit rechnen, dass Drohnen jetzt plötzlich in Luxushotels fliegen." Völkerrechtlich bewertet Amiri den US-Angriff kritisch. Obwohl die USA sich auf ihr Recht zur Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN‑Charta berufen, sagt sie: "Wenn es ums Völkerrecht geht, würde ich sagen: Es ist ein völkerrechtswidriger Angriff gewesen."

Laschet contra Klingbeil – Streit ums Völkerrecht

Laschet hält wenig von einer reinen Rechtsdebatte. Er habe selbst Völkerrecht studiert, sagt er und teilt gegen SPD‑Chef Lars Klingbeil aus: "Ich wusste nicht, dass er sich bisher so viel mit Völkerrecht beschäftigt." Für Laschet liegt das Problem tiefer: "Der Iran ist in allem, was er seit 40 Jahren macht, völkerrechtswidrig."

Er verweist auf die Unterstützung von Milizen wie Hisbollah und Huthi, die Unterdrückung der Bevölkerung und das iranische Atomprogramm. Ihn ärgert, dass oft erst bei militärischen Reaktionen des Westens intensiv über Völkerrecht diskutiert werde, während die Verstöße des Regimes in Teheran weniger Aufmerksamkeit erhielten.

"Abnutzungsstrategie" und Angst im Iran

Amiri analysiert die iranische Taktik als "Abnutzungsstrategie". Angriffe auf US‑Basen in Nachbarstaaten sollten politischen Druck erzeugen, mögliche amerikanische Opfer könnten die Stimmung in den USA gegen Präsident Donald Trump drehen. Gleichzeitig gehe es um die Frage, wer länger durchhalte – beim Nachschub an Raketen, Drohnen und Munition.

Sie schildert auch die Stimmung im Iran. Nach Berichten über den möglichen Tod von Revolutionsführer Ali Chamenei habe es zunächst "Wellen der Freude" gegeben, viele Menschen hofften, dass endlich das Regime und nicht die Bevölkerung getroffen werde. Doch mit zunehmenden Bombardierungen wachse die Angst. Besonders gefährlich sei, dass regimetreue Milizen bereits mit Waffen ausgestattet seien: "Denn das Volk ist ja der Feind", sagt Amiri.

Maschmeyer warnt vor Trump – und höheren Preisen

In der zweiten Hälfte der Sendung richtet sich der Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Krise und auf eine mögliche dritte Präsidentschaft Trumps. Unternehmer Carsten Maschmeyer bescheinigt Trump "Weltambitionen" und eine knallharte "America first"-Strategie. Er rechnet mit mehr wirtschaftlichem Druck auf Europa und enger Zusammenarbeit Trumps mit großen Tech‑Konzernen.

Für Verbraucher:innen in Deutschland sieht Maschmeyer vor allem steigende Kosten: "Wir werden höhere Benzinpreise bekommen", sagt er. Energie- und Transportkosten würden klettern, Unternehmen bräuchten Entlastungen. Er bringt einen "Energiecheck" für Haushalte mit geringem Einkommen ins Spiel. Auf die Frage nach Optimismus antwortet er knapp: "Nein." Deutschland stehe vor einem "schweren Erbe", Bürokratie und Verwaltung müssten dringend reformiert werden. Maischberger versucht zum Schluss dennoch einen versöhnlichen Ton – und kommentiert, Deutschland sei immerhin "ein bisschen gerettet".


Verwendete Quellen:

ARD: "maischberger am 04.03.2026"

Berliner Morgenpost: "Reiseveranstalter machen Laschet fassungslos – "Das muss man sich fragen"

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