Ex-CSU-Chef

Horst Seehofer rechnet mit Kanzler Merz ab: "Massiver Glaubwürdigkeitsverlust"

Aktualisiert:

von Emre Bölükbasi

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Seehofer kritisiert Merz scharf

Videoclip • 01:22 Min • Ab 12


Der ehemalige CSU-Chef Seehofer schlägt Bundeskanzler Merz verbal ins Gesicht. Und das ausgerechnet, während die CDU in Berlin nach dem Weg aus dem tiefsten Loch ihrer Geschichte sucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Während einer Führungsklausur gerät Bundeskanzler Friedrich Merz massiv unter Druck.

  • Der ehemalige CSU-Chef Horst Seehofer wirft ihm gebrochene Versprechen vor.

  • Während die CDU in Umfragen auf historische Tiefstwerte fällt, fordert Seehofer mehr Handlungsstärke statt neuer Kommissionen.

Die CDU hat sich zur Führungsklausur versammelt, um Antworten auf eine historische Parteinotlage zu finden. Doch bevor das Treffen auch nur richtig begonnen hatte, kam ein Schlag vom Ex-CSU-Chef Horst Seehofer: Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe "durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten", sagte er in einem Interview mit der "Bild am Sonntag".

Das Sofortprogramm von CDU und CSU hatte an prominentester Stelle eine Stromsteuersenkung für alle Bürger:innen in Aussicht gestellt – passiert sei bis heute nichts. Das, so Seehofer, habe Merz den Ruf gekostet.

Harte Worte zur Arbeitsmoral-Debatte

Noch schärfer fällt Seehofers Urteil zu den Aussagen des Kanzlers über die Arbeitsmoral der Deutschen aus. Merz hatte die Arbeitsmentalität in Deutschland öffentlich kritisiert: Die Menschen arbeiteten zu wenig und fehlten zu häufig krankheitsbedingt. Für Seehofer eine Aussage, die an der Lebensrealität vieler Menschen vorbeigehe – und sie obendrein tief verletze.

Als Beispiel nannte er ausdrücklich Krankenschwestern, die ohnehin schon Nacht- und Wochenenddienste schieben, sowie Arbeitnehmer:innen bei Audi, die nicht zu wenig, sondern gerne mehr arbeiten würden – denen aber stattdessen Aufhebungsverträge angeboten werden.

CDU im freien Fall – und die Klausur als Beginn, nicht als Lösung

Der Kontext dieser Attacke ist verheerend für die Regierungspartei: Die CDU ist seit der Bundestagswahl 2025 von 28,5 Prozent auf unter 20 Prozent abgesackt. Drei Landtagswahlen gingen schmerzhaft verloren – in Sachsen-Anhalt büßte die Partei fast 20 Prozentpunkte ein, in Mecklenburg-Vorpommern flog sie erstmals überhaupt aus einem Landtag. Hinzu kommt, dass nur zehn Prozent mit der Arbeit von Merz zufrieden sind – ein historischer Tiefstwert.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann machte beim Auftakt der Klausur klar, dass schnelle Wundermittel nicht zu erwarten seien. Die Veranstaltung sei der Beginn eines Prozesses, kein Allheilmittel.

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Seehofer fordert: Weniger Kommissionen, mehr Haltung

Neben aller Kritik formulierte Seehofer auch eine klare Forderung: Die Bundesregierung brauche deutlich mehr Tempo und weniger Selbstbeschäftigung. Wer in der Spitzenpolitik mitspielen wolle, müsse zu strittigen Themen selbst eine Position beziehen – und diese in der Koalition dann auch durchsetzen, statt neue Kommissionen einzuberufen.

CSU-Chef Markus Söder, der Merz trotz allem den Rücken stärkt, bezeichnete den enormen Vertrauensverlust des Kanzlers unterdessen als "sehr ungerecht" – und warnte vor den Folgen politischer Instabilität im Bund: Ein erneutes Scheitern einer demokratischen Regierung in kurzer Zeit wäre ein massiver Schaden für die Demokratie insgesamt.



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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