"Markus Lanz"

Harald Martenstein stellt bei Lanz Brandmauer zur AfD infrage - da wird Publizist von Lucke deutlich

Veröffentlicht:

von teleschau - Natascha Wittmann

:newstime

So will die AfD die Brandmauer einreißen

Videoclip • 01:51 Min • Ab 12


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"Apokalypse" bei "Markus Lanz"? Nicht ganz, auch wenn Juli Zeh die Stimmung in Deutschland an einem Tiefpunkt verortete. Die Rolle der AfD dabei wurde dabei kontrovers diskutiert: Als Harald Martenstein eine "faire Chance" für die Partei forderte, wurde Publizist Albrecht von Lucke deutlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Autorin Juli Zeh konstatiert bei "Markus Lanz" einen absoluten Tiefpunkt der gesellschaftlichen Stimmung in Deutschland.

  • Harald Martenstein stellt die Brandmauer infrage und fordert, der AfD eine "faire Chance" zu geben, Fehler zu machen.

  • Publizist Albrecht von Lucke widerspricht vehement und warnt eindringlich vor einer Normalisierung der Partei.

Bei "Markus Lanz" ging es am Donnerstagabend um ein Thema, das politisch immer mehr unter Spannung steht: Die Stimmung im Land kippt, die Zufriedenheit mit der Bundesregierung sinkt. Und damit rückt auch die Frage wieder in den Fokus, wie lange die Brandmauer zur AfD noch hält. Lanz wollte von seinen Gästen wissen, wie sie die Lage einschätzen. Autorin und Verfassungsrichterin Juli Zeh fasste ihre Wahrnehmung in zwei Worten zusammen: "Alles scheiße." Lanz hakte nach: "Alles scheiße?" Zeh bekräftigte das und erklärte: "Stimmungsmäßig dachte ich irgendwie, wir wären an einem Tiefpunkt, aber dann stellt man fest, es gibt immer noch ein paar Etagen runter."

Auf die Nachfrage, woran sie das festmache, verwies Zeh auf ihren Alltag: "Eigentlich so an dem, was ich höre auf den Straßen, an den Zäunen und zum Teil auch in den Zügen und in den Städten." Als Lanz hörbar überrascht reagierte, bremste Zeh: "Ich will jetzt nicht die Apokalypse ausrufen." Lanz konterte ironisch: "Wollen wir gleich Rotwein bestellen, oder?"

Publizist Albrecht von Lucke versuchte derweil, den Blick zu weiten - weg von der reinen Gefühlslage und hin zum Vergleich mit früheren Zeiten. Er mahnte, "dass wir uns immer dem historischen Vergleich unterziehen sollten". Dabei warnte er: "Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir eine Stimmung nicht mit zwei Worten zusammenfassen, bei der die Lage natürlich historisch betrachtet um vieles besser ist als all das, was wir in der Geschichte je gekannt haben."


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Albrecht von Lucke verdeutlicht: "Diese AfD hat eine völlig unverträgliche Position"

Ja, Deutschland habe "natürlich ungeheure Herausforderungen", sagte von Lucke, aber: "Wir müssen uns mal bewusst machen, auf welchem Niveau wir erstmal sind." Juli Zeh hielt dagegen: "Aber die Stimmung ist in Demokratien halt ein Faktor." Von Lucke konterte: "Die machen wir zum Teil!" Zeh blieb bei ihrer Kritik und sagte energisch: "Aber nicht nur. Es gibt Gründe für diese Stimmung und die sind auch substantiell. Und ein Problem der Lage ist, glaube ich, dass genau darauf zu wenig gehört wird." Schriftsteller Harald Martenstein griff den Frust aus einer anderen Richtung auf. Er sprach von einem verbreiteten "Gefühl, dass man mit Wahlen eigentlich nichts mehr ändern kann". Genau das sei aber "der Kern des Demokratie-Versprechens".

Später wurde es beim Thema AfD dann richtig hitzig. Martenstein stellte die Brandmauer grundsätzlich infrage und meinte, sie werde "keinen Bestand haben". Von Lucke reagierte entsetzt: "Diese AfD hat (...) eine völlig unverträgliche Position!" Gleichzeitig beklagte er "gegenwärtig große Anstrengungen", "eine Koalition der AfD gemeinsam mit der CDU in die Wege zu leiten". Lanz fragte sofort: "Von wem?" Von Lucke schoss zurück: "Beispielsweise auch von Medien, für die Herr Martenstein schreibt!" Er warnte weiter: "Wenn man es nicht deutlich macht, warum die CDU mit dieser Partei nicht regieren kann, (...) dann hat man ein gewaltiges Problem!"

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Harald Martenstein über die AfD: "Die faire Chance, Fehler zu machen, sollte man ihr einräumen"

Martenstein hielt dagegen: "Alle Parteien dieses Landes haben in den letzten Jahren ihre Wählerschaft an dem einen oder anderen Punkt enttäuscht. Nur eine Partei nicht - nur die AfD nicht. Sie hatte nämlich niemals die Chance dazu." Deshalb forderte er: "Die faire Chance, Fehler zu machen, sollte man ihr einräumen." Gleichzeitig betonte der Schriftsteller mit ernster Miene: "Ich finde nicht, dass es Koalitionen geben sollte, aber ich finde, man sollte die AfD als das behandeln, was sie ist - nämlich eine normale Partei, nicht die neue NSDAP."

Lanz widersprach: "Das ist jetzt nicht einfach nur eine normale Partei." Martenstein blieb jedoch bei seiner These: "Was eine normale Partei ist, muss ja die Bevölkerung entscheiden!" Juli Zeh blickte zum Schluss auf die politische Praxis und sagte voraus: "Wir werden bald pragmatisch vor dem Problem stehen, wie man überhaupt handlungsfähig sein kann als Regierung mit solchen Wahlergebnissen dieser Partei." Harald Martenstein nannte daraufhin konkrete Lösungen: "Was muss passieren? (...) Die Probleme, die die Leute abturnen, müssen angefasst werden." Er ergänzte: "Was jetzt dringend notwendig wäre, wäre zum Beispiel, die Energiekosten zu senken."

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