Nach Landtagswahlen
Grüne laden CDU zu Sondierungen ein – Neustart für Regierung in BaWü?
Veröffentlicht:
von Jacqueline Bittl:newstime
Grüne gewinnen Wahl in Baden-Württemberg (9. März)
Videoclip • 53 Sek • Ab 12
Nach der knappen Landtagswahl in Baden-Württemberg kommt Bewegung in die Regierungsfrage: Die Grünen laden die CDU zu Sondierungsgesprächen ein.
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg zeichnet sich eine erneute Annäherung zwischen Schwarz-Grün ab: Die Grünen haben die Christdemokraten offiziell zu einem Sondierungsgespräch eingeladen. Ziel ist es, mögliche Koalitionsverhandlungen vorzubereiten und damit den Weg für eine neue Landesregierung zu ebnen. Zeitpunkt und Ort des Treffens soll die CDU festlegen.
Grünen-Politiker Cem Özdemir betonte: "Grüne und CDU stehen für die Kontinuität einer stabilen und verlässlichen Regierung." Und weiter: "Genau darum wird es auch in den nächsten Wochen gehen: eine stabile und verlässliche Regierung zu bilden, auf die sich die Menschen die nächsten fünf Jahre verlassen können."
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Özdemir ist sich seiner Verantwortung bewusst
Inhaltlich sieht Özdemir große Aufgaben auf das Land zukommen. Baden-Württemberg stehe laut ihm vor wirtschaftlichen Umbrüchen, geopolitischen Herausforderungen und der Frage, wie zukünftiger Wohlstand gesichert werden könne. Gleichzeitig gehe es darum, Umwelt und Ressourcen zu schützen. "Wir wissen um unsere Verantwortung" und in diesem Sinne möchte er auch die Sondierungsgespräche mit der CDU führen, so Özdemir.
Bereits seit 2016 regieren Grüne und CDU gemeinsam in Stuttgart. Bei der Landtagswahl am 8. März wurden die Grünen mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft, dicht gefolgt von der Unionspartei mit 29,7 Prozent. Trotz dieses Vorsprungs verfügen beide Parteien im neuen Landtag über jeweils 56 Mandate – eine seltene Pattsituation, die andere Koalitionsmodelle praktisch ausschließt. Eine Zusammenarbeit mit der AfD wurde von allen Parteien ausgeschlossen.
Sondierungsgespräche gelten als erster Test, ob genügend politische Schnittmengen für ein gemeinsames Regierungsprojekt bestehen. Erst wenn diese Gespräche erfolgreich verlaufen, beginnen formelle Koalitionsverhandlungen. Derzeit gilt eine Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition als die einzig realistische Option für eine stabile Landesregierung in Baden-Württemberg.
FAQ: Regierungsbildung in Baden-Württemberg
Wann und wo das erste offizielle Sondierungsgespräch abgehalten wird, ist bislang unklar. Die Grünen erklären, dass die CDU über Zeitpunkt und Ort entscheiden soll. Aus CDU-Kreisen heißt es, dass zunächst noch interne Gremiensitzungen innerhalb der Partei geplant sind.
In Sondierungsgesprächen prüfen Parteien, ob ausreichend gemeinsame Positionen vorhanden sind, um eine Regierungskoalition zu bilden. Wenn mehrere Koalitionsmöglichkeiten bestehen, wird dabei auch ausgelotet, bei welchen Partnern die größten inhaltlichen Überschneidungen liegen, was im Südwesten aktuell jedoch nicht gegeben ist.
Wenn die Sondierungen erfolgreich verlaufen, schließen sich Koalitionsverhandlungen an. In diesen beraten in der Regel Fachpolitiker:innen der Parteien in kleineren Runden darüber, welche konkreten Maßnahmen in den jeweiligen Bereichen geplant sind. Am Ende steht ein Koalitionsvertrag, der detailliert festlegt, welche Vorhaben in den kommenden fünf Jahren gemeinsam umgesetzt werden sollen. Solche Verhandlungen können sich über mehrere Wochen oder sogar Monate erstrecken.
Zwischen Grünen und CDU ist nach der Wahl eine ungewöhnliche Pattsituation entstanden. Bei der Landtagswahl am 8. März wurden die Grünen mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft, unmittelbar vor der CDU mit 29,7 Prozent. Im neuen Landtag kommen jedoch beide Parteien jeweils auf 56 Sitze. Da es für beide Seiten keine realistische Alternative zu einer Zusammenarbeit gibt, dürfte letztlich erneut eine grün-schwarze Koalition gebildet werden. Eine Kooperation mit der AfD wird von den übrigen im Landtag vertretenen Parteien ausgeschlossen, andere Mehrheitskonstellationen bestehen nicht.
Expert:innen erwarten, dass die Gespräche zwischen Grünen und CDU eher schwierig werden könnten – auch weil beide nahezu gleich stark sind und keine Alternativen haben. Özdemir sprach bereits am Wahlabend von einer "Partnerschaft auf Augenhöhe", CDU-Chef Hagel betonte zuletzt, es werde keine "beliebige Verlängerung von Grün-Schwarz" geben.
Inhaltlich liegen die Parteien in vielen Punkten jedoch nah beieinander: Beide wollen die Wirtschaft stärken, Bürokratie abbauen und etwa das letzte Kitajahr verpflichtend und kostenfrei machen.
Belastend wirkt weiterhin der Vorwurf der CDU, die Grünen hätten eine "Schmutzkampagne" geführt. Eine Grünen-Bundestagsabgeordnete hatte im Wahlkampf ein Video von 2018 verbreitet, in dem Hagel über eine Schülerin und ihre "rehbraunen Augen" spricht. Er nannte dies später "Mist", doch das Video ging viral und schadete ihm. Während die CDU von einer orchestrierten Kampagne spricht, erklärt Özdemir, er habe von dem Beitrag nichts gewusst.
Die Grünen haben ein siebenköpfiges Verhandlungsteam aufgestellt, das die Gespräche mit der CDU maßgeblich führen soll. Zur Kernrunde gehören neben Cem Özdemir und den Landesvorsitzenden Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller auch Fraktionschef Andreas Schwarz, Finanzminister Danyal Bayaz, Umweltministerin Thekla Walker sowie Innenexperte Oliver Hildenbrand. Bei der CDU sind bislang keine Verhandler:innen benannt worden.
Mit Blick auf die Verfassung stehen die Parteien nicht unter unmittelbarem Zeitdruck. Diese sieht vor, dass die neue Regierung innerhalb von drei Monaten nach der ersten Sitzung des neu gewählten Landtags gebildet und bestätigt wird. Aktuell ist diese Sitzung für den 12. Mai geplant, sodass bis Anfang August Zeit bleibt.
Während Sondierungen und Koalitionsverhandlungen andauern, ist Baden-Württemberg nicht ohne Führung. Laut Verfassung bleibt die bisherige Landesregierung geschäftsführend im Amt. Größere Entscheidungen vermeiden Ministerpräsident und Fachminister in dieser Phase jedoch üblicherweise und überlassen sie nach Möglichkeit ihren Nachfolger:innen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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