Landgericht Verden
Ex-RAF-Terroristin Klette irritiert: Darum hielt sie Raubüberfälle für notwendig
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Neue Anklage gegen RAF-Terroristin Klette (27. März)
Videoclip • 32 Sek • Ab 12
Die Ex-RAF-Terroristin Klette zeigt im Gerichtsprozess wegen Raubes Mitgefühl mit den Geschädigten. Doch während sie das Leid anerkennt, relativiert sie die Traumata ihrer Opfer.
Das Wichtigste in Kürze
Daniela Klette hat vor Gericht ihr Plädoyer gehalten.
Sie äußerte Mitgefühl mit den Opfern, äußerte aber auch Kritik am System.
Die ihr vorgeworfenen Raubüberfälle verteidigte sie als notwendig für das Leben im Untergrund.
Es sind Sätze, die aufhorchen lassen: Die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette, angeklagt wegen schweren Raubes, hat sich in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Verden erstmals direkt an die Opfer der ihr vorgeworfenen Taten gewandt. Das Leid der Betroffenen tue ihr "wirklich sehr leid", erklärte die 67-Jährige.
Doch was zunächst wie ein Eingeständnis klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ambivalente Gemengelage aus Bedauern, Rechtfertigung und Anklage. Die frühere Terroristin räumte ein, nicht gewusst zu haben, dass Geldboten und Kassenpersonal keine ausreichende psychologische Betreuung durch ihre Arbeitgeber:innen erhielten.
Die Raubüberfälle, an denen sie zwischen 1999 und 2016 beteiligt gewesen sein soll, begründete sie mit existenzieller Notwendigkeit. Nur so hätten sie und Gleichgesinnte im Untergrund überleben können.
Opfer oder Täterin?
Besonders brisant: Klette inszeniert sich selbst als Opfer des Systems. Nur in der Illegalität habe sie weiterleben können, argumentierte sie vor Gericht. Mehr noch: Sie stellte indirekt infrage, ob die vor Gericht geschilderten psychischen Folgen für die Opfer tatsächlich ausschließlich auf die Überfälle zurückzuführen seien. Es gebe immer mehr traumatisierte Menschen in der Gesellschaft – verursacht durch Armut, Kriege, Unterdrückung und Rassismus.
Diese Relativierung stieß bei Opferanwält:innen auf scharfe Kritik. Einer von ihnen warf Klette vor, weder Reue noch Einsicht oder Mitgefühl zu zeigen. Sein Mandant, ein ehemaliger Geldtransporterfahrer, der bei einem Überfall 2015 in Stuhr Todesangst erlebte, sei bis heute traumatisiert und nicht mehr arbeitsfähig. "Es geht ihm beschissen", sagte der Anwalt deutlich.
Auch in den News:
Schüsse, Panzerfäuste und lebenslange Angst
Die Anklage wirft Klette vor, gemeinsam mit ihren flüchtigen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub maskiert und schwer bewaffnet Geldtransporter sowie Supermärkte überfallen zu haben. Mehr als zwei Millionen Euro soll das Trio dabei erbeutet haben. Die Opfer berichten von Schüssen, Bedrohungen mit Panzerfäusten und Maschinenpistolen – und von Traumata, die bis heute andauern.
Die Staatsanwaltschaft fordert für Klette eine Gesamtstrafe von 15 Jahren Gefängnis wegen versuchten Mordes, schweren bandenmäßigen Raubes und Verstößen gegen Waffengesetze. Ein Opferanwalt verlangte allein für den Überfall in Stuhr elf Jahre Haft. Das Gericht wird in den kommenden Wochen über das Strafmaß entscheiden – und damit auch darüber, wie es Klettes Worte zwischen Bedauern und Selbstinszenierung bewertet.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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