Hitzige Diskussion

Für "Dick & Doof": Hubert Aiwanger sieht bei "Hart aber fair" ESC in Identitätskrise

Aktualisiert:

von Doris Neubauer

:newstime

ESC: Sarah Engels bezaubert in roter Robe

Videoclip • 01:17 Min • Ab 12


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Direkt nach der 70-Jahre-ESC-Doku im Ersten ging es bei "Hart aber fair" um den größten Musikwettbewerb der Welt. Dabei sorgte der stellvertretende bayerische Ministerpräsident mit seiner Kritik am ESC für starke Gegenreaktionen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei "Hart aber fair" wurde am Montagabend hitzig über den Musikwettbewerb ESC diskutiert.

  • Besonders Bayerns Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger polarisierte mit seinen Aussagen.

  • Auch beim Boykott des ESC durch mehrere Staaten wegen der Teilnahme Israels fand die Runde keine einheitliche Linie.

"Klamauk" beim ESC im Vordergrund?

Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist für "Hart aber fair" unter die Musikkritiker gegangen: "Weniger Feuer im Hintergrund und mehr Singen", riet der stellvertretende bayrische Ministerpräsident, nachdem er einen Probeauftritt von Sarah Engels' diesjährigem ESC-Beitrag "Fire" gesehen hatte. Dass er beim Video mitgewippt hatte, leugnete er aber nicht: "Das ist kein Klamauk", meinte er in der Talkshow zum Thema "Mehr als Musik - wie politisch ist der ESC?" zum deutschen Song für Wien und fügte hinzu: "Mit dem kann ich gut leben."

Anders als mit Auftritten der österreichischen Kunstfigur Conchita Wurst, die 2014 den ESC in Kopenhagen gewonnen hatte - oder dem deutschen Interpreten Guildo Horn, der 1998 im schrillen Outfit die Bühne gerockt hatte. "Der Klamauk wird in den Vordergrund gerückt", ortete er die Tendenz beim ESC, zur Unterhaltungskomödie à la "Dick & Doof" zu werden. Damit mache man viel kaputt, denn der "Normalbürger" könne damit wenig anfangen, meinte Aiwanger. "Man müsste sich auf die Wurzeln besinnen", empfahl er unter anderem, wieder mehr in der Landessprache zu singen. Grundsätzlich arte die Veranstaltung seiner Meinung nach in einen Haltungswettbewerb aus, statt sich auf die Musik zu konzentrieren.

"Der bayerische Schlager ist auch nicht immer todernst", ätze Journalist Ronen Steinke von der "Süddeutschen Zeitung". Die Aussage zum Normalbürger hatte bei ihm sichtlich einen Nerv getroffen: "Was normal ist und was nicht, die Kategorie ist in Ihrem Kopf", schimpfte er. Dass Menschen, die anders seien und aus der Reihe tanzen, bei so einer Veranstaltung gezeigt werden, sei eine "tolle Symbolik." Hier von Komödie und Klamauk zu sprechen, "ist verächtlich gegenüber anderen", so Steinke.

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Aiwanger sorgt für Lacher: "Ich bin der Toleranteste aller Zeiten"

Die Diskussion ist absurd", mischte sich die europäische FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein, die während des ESC 2011 in Düsseldorf erste Bürgermeisterin war. "Wenn 160 Millionen Menschen zuschauen, weil es sie fasziniert und Singen völkerverbindend ist, ist das eine Frage der Demokratie. (...) Demokratie bedeutet immer Toleranz." Zudem sei nicht alles schrill und schräg, meinte sie in Richtung Aiwanger und warf ihm Intoleranz vor.

Das ließ der sich nicht gefallen: "Ich bin der Toleranteste aller Zeiten", meinte er mit ernster Miene - und sorgte damit beim Publikum und den Gästen der Runde für den Lacher des Abends. "Sie betreiben Intoleranz mir gegenüber", ging er zum Gegenangriff über. "Tief durchatmen", meinte Strack-Zimmermann kühl - und brachte ihn damit erst recht in Rage.

"Sie beide sollten tief durchatmen", versuchte Klamroth, die Debatte wieder an sich zu reißen. Doch Worte allein reichten da nicht aus. Der Moderator musste buchstäblich zwischen die beiden Politiker gehen, um das Streitgespräch zu beenden.


Für Diskussionen sorgte an diesem Abend auch der ESC-Boykott von fünf Ländern aus Protest gegen die Teilnahme Israels. "Die politische Debatte ist nicht aus dem ESC herauszuholen", meinte Journalistin Maria Popov und wusste, dass auch hierzulande ESC-Fans aus der queeren Community zu einem Boykott aufrufen. Gründe dafür seien das vehemente Leid von Menschen im Gaza-Streifen, die eingeschränkte Pressefreiheit in Israel und der Vorwurf, dass sich die Regierung einmischen würde, so Popovs Vorwürfe.

"Die Grausamkeit von Israels Kriegsführung dreht mir mindestens den Magen um, aber sie ist zu trennen von der Zivilgesellschaft und den Künstlern", sprach sich Steinke für eine Differenzierung aus. Strack-Zimmermann pflichtete bei: Es gehe nicht um den "Fanclub von Herrn Netanjahu, sondern um Sängerinnen und Sänger", meinte sie. Beide sahen einen großen Unterschied zu Russland, das bereits 2022 vom ESC ausgeschlossen wurde. Anders als in Israel sei "der russische Rundfunksender der verlängerte Arm Putins, hier sitzt das russische Regime am Tisch", wollte Steinke den ESC nicht als Arena für Politiker, sondern für die Kunst verstanden wissen.

Hier liege laut der dreifachen Grand-Prix-Teilnehmerin Katja Ebstein die Chance und wichtige Aufgabe des ESC: "Wir retten nicht die Demokratie mit der Musik", betonte sie, "aber wenn wir miteinander singen, schießen wir nicht aufeinander."

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