Militärtechnik im Ukraine-Krieg
"E‑Bike für Arme und Beine": Wie Exoskelette die ukrainische Front verändern könnten
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
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Videoclip • 01:50 Min • Ab 12
Ukrainische Artillerist:innen erproben erstmals Exoskelette im Gefecht. Die Systeme sollen Lasten um bis zu 30 Prozent verringern und Soldat:innen schneller und länger marschieren lassen.
Das Wichtigste in Kürze
Das 7. Luftsturmkorps der Ukraine testet Exoskelette an der Front bei Pokrowsk, Artillerist:innen nutzen sie zum Tragen und Laden schwerer Granaten.
Die Systeme sollen die Beinmuskulatur um etwa 30 Prozent entlasten, sind klappbar, wiegen rund zwei Kilo und können per KI‑gestützter Software in verschiedenen Modi arbeiten.
Auch die USA entwickeln Exoskelette, der ukrainische Feldtest gilt als einer der ersten Einsätze solcher Systeme direkt im Gefecht.
Im Osten der Ukraine, an der Front bei Pokrowsk, läuft ein ungewöhnlicher Feldversuch: Soldat:innen der 147. Artilleriebrigade des 7. Luftsturmkorps testen Exoskelette direkt im Einsatz. Ein vom Korps veröffentlichtes Video zeigt, wie zwei Artillerist:innen mit der Hilfe der neuen Technik Granaten auf eine französische Haubitze vom Typ CAESAR laden.
Die Konstruktionen erinnern an eine Art "E‑Bike für Arme und Beine". Das Gestell wird an Taille und Beinen befestigt, verläuft über den Rücken bis zu den Knien. Zwei Antriebe an der Hüfte wirken wie Gelenke und unterstützen die Bewegung. Laut Angaben der Einheit verringert das Exoskelett die Belastung der Beinmuskulatur um rund 30 Prozent.
Exoskelette: Bis zu 19 km/h, passt in einen Koffer
Nach Informationen von "Business Insider" sollen Soldat:innen mit dem System bis zu 19 Kilometer pro Stunde laufen und rund 17 Kilometer am Stück zurücklegen können – Werte, die ohne Unterstützung selbst ohne schwere Ausrüstung kaum zu erreichen wären.
Das Exoskelett selbst wiegt demnach etwa zwei Kilogramm und lässt sich zusammengeklappt in einem kleinen Koffer transportieren. "Jeden Tag ertragen Artilleristen schwere körperliche Belastungen. Sie tragen 15 bis 30 Granaten am Tag, jede wiegt 50 Kilo", sagte der stellvertretende Korpskommandeur Oberst Vitalii Serdiuk laut dem veröffentlichten Begleittext.
Künstliche Intelligenz steuert die Unterstützung
Die Systeme sollen nicht nur mechanische Verstärker sein, sondern arbeiten mit Software-Unterstützung. Laut Untertiteln im Video sind die Exoskelette mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, die in Echtzeit auf das Gewicht und die Bewegungen der Nutzer:innen reagiert.
Die Software bietet demnach bis zu zehn Betriebsmodi – etwa für Gehen, Laufen oder schweres Tragen – und passt die Unterstützung automatisch an, um Beine und Wirbelsäule zu entlasten. Gesteuert wird das System laut ukrainischen Medienberichten per App. Noch handelt es sich um Versuchsmuster, die zunächst in Artillerie- und Logistikeinheiten getestet werden sollen.
Entlastung für Munitions-Teams
Wie wichtig jede Entlastung ist, zeigen die Zahlen: Artillerie-Einheiten bewegen täglich enorme Munitionsmengen. Das Portal Defense Express berichtet, dass ein Geschütz-Team je nach Einsatzlage 15 bis 30 Granaten pro Tag schultert – bis zu 1,2 Tonnen Stahl und Sprengstoff.
Auf den Aufnahmen ist eine CAESAR-Haubitze mit teilautomatischem Ladesystem zu sehen. Besonders hilfreich wäre die Technik laut Defense Express dort, wo komplett von Hand geladen werden muss, etwa bei der ukrainischen Bohdana-Haubitze. Soldaten zitieren in ukrainischen Medien "weniger Müdigkeit", sie könnten schneller arbeiten und länger im Einsatz bleiben.
Auch in den News:
Auch die USA experimentieren
Exoskelette für Streitkräfte sind kein reines Ukraine-Projekt. Die US‑Armee testet etwa das System SABER, einen weichen Rückenträger, der Beine und Wirbelsäule entlasten soll. Der Rüstungskonzern Lockheed Martin hat mit ONYX ein Unterkörper‑Exoskelett mit Knie‑Aktuatoren entwickelt, das um die Beine geschnallt wird – bislang ist es aber nicht Standardausrüstung.
Die US‑Firma Palladyne AI (früher Sarcos Robotics) entwickelt mit "Guardian XO" ein weiteres System, das laut Fachportal Interesting Engineering bis zu 90 Kilogramm heben helfen soll, "ohne Anstrengung oder Belastung" für den Träger. Nach Angaben des Portals flossen rund 175 Millionen US‑Dollar in Entwicklung und Tests.
Die Exoskelette der ukrainischen Armee sind kleiner und leichter – eher Assistenzgeräte als Ganzkörperanzug. Der Praxistest an der Front soll zeigen, ob sich die Technik im Alltag des Krieges durchsetzt. Gelingt das, könnten die "motorisierten Gestelle" zum festen Bestandteil moderner Armeen werden.
Verwendete Quellen:
Business Insider: "Ukrainian troops say they're combat-testing exoskeletons that can fit in a briefcase and help them run 12 mph"
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