Im Indischen Ozean

Diego Garcia: Warum Trump sich mit Starmer um eine Insel so klein wie Norderney zofft

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

Donald Trump und Briten-Premier Keir Starmer sind sich bezüglich des Chagos-Archipels uneins.

Bild: via REUTERS


Diego Garcia im Indischen Ozean bleibt ein Zankapfel zwischen Großbritannien, Mauritius und Donald Trump. Die strategisch wichtige Inselgruppe sorgt für diplomatische Spannungen und politische Kehrtwenden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Diego Garcia bleibt trotz der Rückgabe der Inselgruppe Chagos-Archipel unter britischer Kontrolle.

  • Donald Trump kritisiert die dies scharf und warnt vor geopolitischen Risiken.

  • Die Insel ist eine der wichtigsten militärischen Basen der USA im Indischen Ozean.

Seit Jahren schwelt der Konflikt um den Chagos-Archipel im Indischen Ozean. Die Inselgruppe gehört völkerrechtlich zu Mauritius, wird jedoch von Großbritannien als Überseegebiet verwaltet. Im Zentrum des Streits steht die Hauptinsel Diego Garcia, die von den USA und Großbritannien als strategisch bedeutsame Militärbasis genutzt wird. Nun sorgt auch Donald Trump mit seiner Kritik an der Rückgabe der Inselgruppe für neue Spannungen.

Im Mai letzten Jahres hatte die britische Regierung um Premierminister Keir Starmer entschieden, die Chagos-Inseln an Mauritius zurückzugeben. Eine Ausnahme bleibt jedoch bestehen: Diego Garcia soll weiterhin unter britischer Kontrolle bleiben und für mindestens 99 Jahre gepachtet werden. Dafür zahlt Großbritannien eine jährliche Summe von 115 Millionen Euro. Die USA begrüßten diesen Deal zunächst, da die Insel für ihre militärischen Operationen unverzichtbar ist. Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Vereinbarung damals als "monumentale Errungenschaft".

Doch Donald Trump nahm jüngst eine überraschende Kehrtwende vor. Er kritisierte die Rückgabe der Inselgruppe scharf und bezeichnete sie als "Akt großer Dummheit". Auf Truth Social warnte er, dass China und Russland den Schritt als Zeichen von Schwäche interpretieren könnten. Zudem betonte Trump erneut seine Forderung nach der Übernahme Grönlands durch die USA – aus strategischen Gründen.

Diego Garcia hat große militärische Bedeutung für die USA

Diego Garcia wird häufig als "unsinkbarer Flugzeugträger" bezeichnet. Die Lage der Insel mitten im Indischen Ozean macht sie zu einem strategisch unverzichtbaren Außenposten für die USA. Von hier aus können Südasien, Ostafrika und der Nahe Osten gleichermaßen überwacht werden. Seit 1971 ist die Insel eine der wichtigsten und geheimsten US-Basen im Ausland. Sie spielte eine zentrale Rolle in den Golfkriegen und bei den Operationen nach den Anschlägen vom 11. September. Auch Berichte über geheime CIA-Gefängnisse und Folter auf Diego Garcia sorgen regelmäßig für Schlagzeilen.

Die neue Vereinbarung zwischen Großbritannien und Mauritius sieht vor, dass Diego Garcia weiterhin für militärische Zwecke genutzt wird. Die USA behalten sich jedoch das Recht vor, den Stützpunkt zu sichern, sollten künftige Vereinbarungen den Status der Einrichtungen gefährden.

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Völkerrechtliche Entscheidung und koloniale Vergangenheit

Die Rückgabe des Chagos-Archipels an Mauritius geht auf ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs zurück. Bereits 2019 entschied Den Haag, dass Großbritannien die Inseln "so schnell wie möglich" zurückgeben müsse, da die Entkolonialisierung von Mauritius nicht rechtmäßig abgeschlossen wurde. London ignorierte das Urteil zunächst und argumentierte, dass es sich nur um eine beratende Stellungnahme handle. Erst mit dem Regierungswechsel von den Tories zu Labour änderte sich die britische Haltung.

Die Nachfahren der Bewohner:innen des Chagos-Archipels wurden jedoch bei der Entscheidung übergangen. Vor der Errichtung des Militärstützpunkts wurden sie umgesiedelt und leben heute vorwiegend auf Mauritius, den Seychellen und in Großbritannien. Ein Referendum oder ähnliche Maßnahmen gab es nicht, was bei vielen Betroffenen auf Kritik stößt.


Verwendete Quellen:

Post von Donald Trump auf Truth Social

Nachrichtenagentur dpa

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