CSU blamiert sich im Netz
CSU feiert Lockerung des Verbrenner-Aus – doch ihr Insta-Post zeigt ein E-Auto
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
EU überdenkt Verbrenner-Verbot
Videoclip • 02:02 Min • Ab 12
Die CSU verkauft die Lockerung des Verbrenner-Aus als großen Erfolg – und wirbt ausgerechnet mit einem elektrischen Audi. Ein KI-generiertes Bild in einem Instagram-Post sorgt nun für Spott und Diskussionen über die Klima- und Industriepolitik der Union.
Das Wichtigste in Kürze
Die CSU feiert die Lockerung des Verbrenner-Aus als Erfolg, wirbt aber in einem Instagram-Post ausgerechnet mit einem E-Auto.
Die EU-Kommission will das strikte Verbrenner-Aus ab 2035 aufweichen und erlaubt Ausnahmen mit bis zu 90 Prozent CO2-Einsparung.
CSU-Chef Markus Söder warnt: "Wir dürfen China nicht einfach den wichtigen Markt schenken" und sieht im Kompromiss einen Schutz für Arbeitsplätze und Zulieferbetriebe.
Die Bundestagsfraktion der CSU wollte am Sonntag (19. April) auf Instagram einen politischen Sieg präsentieren. Anlass war die von der Bundesregierung beschlossene Abschwächung des ursprünglich geplanten Verbrenner-Aus. In einem Karussell-Post zeigte die CSU eine Collage: ein blaues Auto vor EU-Sternen, versehen mit dem Slogan: "Wir setzen auf das Aus vom Verbrenner-Aus!" Außerdem heißt es in dem Post: "Die Abkehr vom ideologischen Verbrenner-Aus ist ein Erfolg der CSU." Nach Angaben in der Bildbeschreibung wurde die Grafik mit Hilfe Künstlicher Intelligenz erstellt.
Das Problem: Das abgebildete Auto passt nicht zur Botschaft. Zwar erinnert der Wagen an ein Modell eines deutschen Herstellers, doch er ist kein Verbrenner. Vielmehr handelt es sich offenbar um einen Audi e-tron GT – ein reines Elektroauto. Darauf weist unter anderem eine deutlich sichtbare Ladeklappe am vorderen linken Kotflügel hin. In den Kommentarspalten auf Instagram sorgte dieser Widerspruch für Häme und Kritik am Social-Media-Auftritt der Partei.
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Spott im Netz über KI-Motiv
User:innen machten sich darüber lustig, dass ausgerechnet ein E-Auto für den vermeintlichen Sieg des Verbrennungsmotors werben soll. Die CSU wollte mit dem Post zeigen, dass sie sich in den Verhandlungen zur EU-Autopolitik durchgesetzt habe. Stattdessen steht nun ihr Umgang mit Digitaltools und Symbolpolitik im Fokus. Dass das Motiv laut Quellenangaben mit Künstlicher Intelligenz generiert wurde, wirft zudem Fragen dazu auf, wie sorgfältig die Inhalte geprüft werden, bevor sie veröffentlicht werden.
Ein weiteres Detail: Die CSU spricht in dem Post von der "Abkehr vom ideologischen Verbrenner-Aus". Kritiker:innen verweisen nun darauf, dass sie gleichzeitig ein Fahrzeug zeigt, das genau jene Antriebsform symbolisiert, die in einer klimafreundlichen Zukunft ausgebaut werden soll. Die Diskrepanz zwischen Botschaft und Bild wird damit zum Sinnbild für die aufgeheizte Debatte rund um die Zukunft des Autos in Deutschland und Europa.
Auch in den News:
Hintergrund: Lockerung des EU-Verbrenner-Aus
Inhaltlich geht es um eine Neuausrichtung der EU-Klimapolitik im Verkehrssektor. Nach monatelangen Diskussionen hatten sich CDU/CSU und SPD auf eine gemeinsame Linie für die Verhandlungen auf EU-Ebene geeinigt. Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, das ursprünglich geplante, strikte Verbrenner-Aus ab 2035 aufzuweichen. Demnach sollen in der EU auch nach 2035 weiter Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotor möglich sein.
Kern der Änderung: Es soll Ausnahmen geben, bei denen die Hersteller nicht mehr auf eine vollständige Umstellung auf emissionsfreie Antriebe verpflichtet sind. Stattdessen reicht es, wenn nur noch bis zu 90 Prozent CO2 im Vergleich zum Basisjahr 2021 eingespart werden. Kritiker:innen sehen darin eine Bremse für den Klimaschutz, Befürworter:innen sprechen von einem realistischeren Weg, der Arbeitsplätze in der Autoindustrie schützt.
Söder warnt, den Markt an China zu verlieren
Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte sich zuvor immer wieder klar gegen ein starres Verbrenner-Aus ausgesprochen. Kurz nach Bekanntwerden der Einigung erklärte Söder: "Wir dürfen China nicht einfach den wichtigen Markt schenken." Das zitierte Statement wurde von mehreren Medien wiedergegeben. Nach seiner Darstellung sichert das beschlossene Auto-Paket Arbeitsplätze und stützt auch die Zulieferbranche der Automobilindustrie.
Mit Blick auf die starke Rolle chinesischer Hersteller im E-Auto-Bereich warnt Söder vor einem Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen, falls Verbrenner zu schnell vom Markt verschwinden. Gleichzeitig betonen Klima-Expert:innen und Umweltverbände, dass ohne einen raschen Umstieg auf emissionsfreie Antriebe die Klimaziele im Verkehr kaum erreichbar sind. Die Diskussion über den richtigen Weg – technologisch, wirtschaftlich und sozial – dürfte daher weitergehen. Der missglückte Instagram-Post der CSU liefert den Gegner:innen nun zusätzliches Material für Kritik.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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