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Flucht aus Brasilien: Wahlverlierer Flávio Bolsonaro in den USA gelandet

Aktualisiert:

von Emre Bölükbasi

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Lula bleibt Präsident Brasiliens (26. Oktober)

Videoclip • 34 Sek • Ab 12


Erst am Wochenende verlor er eine historische Präsidentschaftswahl – und ist jetzt schon in Florida. Flávio Bolsonaro hat Brasilien auf einem abenteuerlichen Umweg hinter sich gelassen.

Zwei Tage nach seiner knappen Niederlage bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl ist Flávio Bolsonaro aus seinem Heimatland geflohen – trotz eines gerichtlich angeordneten Ausreiseverbots. Der 45-jährige Senator, ältester Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, landete nach einer mehrstufigen Reise am Mittwoch (28. Oktober) auf dem Flughafen von Miami.

Fernsehkameras hielten fest, wie er gemeinsam mit seiner Frau Fernanda und den Töchtern Carolina und Luiza aus einem Privatjet stieg.

Nach seiner Wahlniederlage in Brasilien ist der rechte Politiker Bolsonaro in die USA geflohen.

Bild: Marta Lavandier/AP/dpa


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Ein Weg über drei Länder

Bolsonaros Route war alles andere als geradlinig: Zunächst überquerte er auf dem Landweg die brasilianisch-argentinische Grenze nahe den berühmten Iguazú-Wasserfällen in der Provinz Misiones – im Gepäck noch gültige Reisedokumente, wie argentinische Behörden mitteilten.

Von Argentinien aus stieg er in einen Privatjet, der die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil ansteuerte. Flugdaten zeigten schließlich den Weiterflug von Ecuador in Richtung Florida.

Der Haken daran: Brasiliens Oberstes Gericht hatte Bolsonaro einen Tag nach der Wahl aufgefordert, sämtliche Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben und das Land nicht zu verlassen. Richter Alexandre de Moraes ließ die Dokumente für ungültig erklären. Bolsonaro kam der Aufforderung nicht nach – und war bald über den Atlantik hinaus.

Geldwäsche-Vorwürfe als Auslöser

Hinter dem Ausreiseverbot stecken Ermittlungen der brasilianischen Bundespolizei: Der Verdacht lautet auf Geldwäsche, unter anderem im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten. Die Ermittler:innen haben nach eigenen Angaben eine Verbindung zwischen Bolsonaro und einem Bankkonto der Firma des mitbeschuldigten Anwalts Willer Tomaz festgestellt. Bolsonaro weist alle Vorwürfe zurück.

Zusätzlich wird in einem weiteren Verfahren untersucht, ob der Film "Dark Horse" – eine geplante Biografie über seinen Vater Jair – mit fragwürdigen Mitteln finanziert wurde. Rund 61 Millionen Real, umgerechnet etwa zehn Millionen Euro, sollen dabei geflossen sein.

Dass er als Senator noch bis Ende Januar 2027 Immunität vor einer Verhaftung genießt, machte ihn bislang unantastbar. Mit der Ausreise hat er diese Schutzwand nun offenbar freiwillig hinter sich gelassen.

Trump öffnet die Tür

Washington empfing den Flüchtigen mit offenen Armen: Das US-Außenministerium hatte Bolsonaro und seiner Familie bereits vor seiner Ankunft Visa zugesichert. Präsident Donald Trump meldete sich in der Nacht zum Mittwoch öffentlich zu Wort und befürwortete die Einreise ausdrücklich. Gleichzeitig stellte er die Rechtmäßigkeit der brasilianischen Präsidentschaftswahl in Frage – ohne dafür Belege zu liefern.

Trumps Engagement für die Bolsonaro-Familie hat eine Vorgeschichte: Er hatte sich bereits lautstark hinter Jair Bolsonaro gestellt, der wegen eines versuchten Staatsstreichs nach seiner gescheiterten Wiederwahl verurteilt wurde und derzeit im Hausarrest sitzt.


Lula: Eine Frage der Schuld

Brasiliens wiedergewählter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der die Stichwahl mit 51,8 zu 48,2 Prozent gewann, reagierte mit scharfen Worten. Bei einer Feier zu seinem 81. Geburtstag im Präsidentenpalast fragte er in die Runde: "Ich frage mich, welche Schuld ein Bürger auf dem Gewissen hat, der gerade die Wahl verloren hat und aus seinem Land flieht." Und er fügte hinzu: "Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten."

Wohin steuert Brasilien?

Offen bleibt die Frage, wer in Brasilien die Oppositionsführerschaft übernimmt. Bolsonaros Liberale Partei hat den Wahlsieg Lulas bereits anerkannt – Flávio Bolsonaro selbst tat dies nie ausdrücklich. Er hatte noch angekündigt, Lulas Wahlkampfführung juristisch überprüfen zu lassen, um dessen Vereidigung womöglich zu verhindern. Nun sitzt er in Miami – und Brasilien schaut auf eine politische Leerstelle.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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