Naher Osten

Zuckerfest und Norus im Krieg: Festtage werden zur Zerreißprobe

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

Mitten im Krieg feiern Muslim:innen den Ramadan, während im Iran Norus zelebriert wird. (Symbolbild)

Bild: REUTERS


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Während Muslim:innen das Ende des Ramadan begehen und Iraner:innen ins neue Jahr starten, werfen Explosionen und Luftangriffe dunkle Schatten über die heiligsten Tage des Jahres.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eid al-Fitr und das persische Neujahrsfest fallen zusammen – doch in vielen Ländern der Region ist die Freude vom Krieg überlagert.

  • Während Familien eigentlich feiern wollten, prägen Luftangriffe, Angst und Trauer den Alltag.

  • Zwischen Tradition, Hoffnung und Trauma wird selbst das Fest zur Zerreißprobe.

Die Luft riecht nach frisch gebackenem Gebäck, Kinder sollten in neuen Kleidern durch die Straßen laufen, Familien zusammenkommen – doch stattdessen heulen Sirenen, donnern Kampfjets über Dächer, und in der Ferne grollen Explosionen.

Am Freitag (20. März) fallen zwei der bedeutendsten Feste der Nahost-Region zusammen: Muslim:innen weltweit feiern Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens nach dem heiligen Ramadan, während im Iran zeitgleich Norus beginnt, das persische Neujahrsfest zum Frühlingsanfang. Doch die Freude ist vielerorts einer beklemmenden Realität gewichen – der Realität des Iran-Kriegs.

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Feiern im Schatten fallender Bomben

In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Ägypten und Syrien wurde der Freitag zum Eid al-Fitr erklärt. Im Iran selbst fällt das Fest auf den morgigen Samstag (21. März). Doch während andernorts Geschenke verteilt und Süßigkeiten an Kinder verschenkt werden, herrscht in weiten Teilen der Region eine Atmosphäre der Angst.

Im Libanon verzichten Familien aus Respekt vor den Opfern des Konflikts zwischen der proiranischen Hisbollah und Israel auf jegliche Festlichkeiten. "Meine Familie und ich feiern heute nicht", sagt Hassan, der aus dem Südlibanon fliehen musste, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die 25-jährige Libanesin Nadine bringt es auf den Punkt: "Wir sind mitten im Krieg, und das Gefühl von Eid ist nicht mehr wie zuvor."

Teheran im Ausnahmezustand

Noch drastischer ist die Lage im Iran selbst. Eigentlich sollte der März die schönste Zeit des Jahres sein – wenn die Städte ergrünen und der Frühling Einzug hält. Stattdessen prägen Trümmerhaufen das Stadtbild, und mit Einbruch der Dunkelheit versinken Irans Großstädte in Finsternis, während Kampfjets über die Dächer donnern.

Noch am frühen Morgen des Neujahrsfests griffen Kampfflugzeuge Ziele in Teheran an – Explosionen erschütterten die Nähe der Universität, Militäranlagen in den Vororten Partschin und Karadsch sowie weitere Städte wie Isfahan, in deren Nähe sich die Natans-Atomanlage befindet. Die Hoffnung vieler Iraner:innen, dass Israel und die USA ihre Luftangriffe über Neujahr aussetzen würden, erfüllte sich nicht.

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Zwischen Tradition und Trauer

Der 24-jährige Student Amir aus Teheran versucht, mit seiner Familie an einem sicheren Ort zu bleiben. "Selbst wenn es keinen Krieg gäbe, trauern wir dieses Jahr auch um die Toten der Proteste", sagt er mit Blick auf die brutale Niederschlagung der Massenproteste. Die 28-jährige Malerin Hanieh hat dennoch versucht, den traditionellen "Haft Sin"-Tisch mit sieben symbolträchtigen Dingen zu schmücken – doch ihre Gedanken sind bei den Opfern. "Mein Land wird zerstört, Gebäude, Museen und Energieinfrastruktur. Das macht mich alles traurig", sagt sie gegenüber der dpa..

Freunden wünscht sie kein frohes neues Jahr mehr: "Ich sage ihnen: Ich wünsche dir ein sicheres Jahr und hoffe, dass wir uns wiedersehen können."

Gespaltene Stimmung am Golf

In den Golfstaaten, die ebenfalls immer wieder unter Beschuss stehen, zeigt sich ein ambivalentes Bild. Mohammed Jassim aus Bahrain erklärt: "Eid fühlt sich in diesem Jahr bedeutungsvoller an" – Familien hielten in diesen Zeiten stärker an Traditionen fest.

In Dubai herrscht geteilte Stimmung. "Die Leute haben sich an die Explosionen gewöhnt", berichtet ein Anwohner, während ein anderer von genereller Anspannung spricht. Dennoch: Wer feiern will, findet Möglichkeiten – ein Zeichen des Durchhaltewillens in unsicheren Zeiten.

1,9 Milliarden Muslime weltweit

Zum Eid al-Fitr, dem Abschluss des Ramadan, während dem gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten, bekommen vor allem Kinder Geschenke und Süßigkeiten. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge rund 1,9 Milliarden Muslim:innen, die meisten davon in Indonesien, Indien, Pakistan und Bangladesch.

Doch in diesem Jahr überlagert der Krieg die Freude – und macht deutlich, wie fragil Momente des Friedens in einer Region geworden sind, in der Feste zu Zerreißproben zwischen Hoffnung und Verzweiflung werden.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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