Gesundheitsmythen
Sind Wasserfilter aus hygienischen Gründen nötig? Die Verbraucherzentrale klärt auf
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Das bringen Wasserfilter wirklich
Videoclip • 01:10 Min • Ab 12
Was ist dran an den Behauptungen der Hersteller von Wasserfiltern, Leitungswasser sei ungefiltert nicht gesund genug oder sogar schädlich? Die Verbraucherzentrale bezieht Stellung zu den Vorwürfen.
Das Wichtigste in Kürze
Die Verbraucherzentrale analysiert, ob Wasserfilter aus hygienischer Sicht notwendig sind.
Hersteller von Wasserfiltern behaupten teilweise, dass die Qualität von Leitungswasser zu schlecht sei.
Die Verbraucherschützer:innen teilen diese Bedenken nicht.
Weniger Kalk, weiches Wasser, besserer Tee- und Kaffeegeschmack: Das sind die klassischen Anwendungsgebiete für Wasserfilter. Wenn Hersteller für ihre Produkte jedoch argumentieren, Leitungswasser sei mit Schadstoffen belastet und müsse deshalb gefiltert werden, ist dies nach Einschätzung der Verbraucherzentrale völlig übertrieben.
Wie der unabhängige und mit öffentlichen Geldern finanzierte Verein zum Schutz von Verbraucher:innen mitteilte, ist das Wasser aus der Leitung gut überwacht, weshalb aus hygienischen Gründen keine Wasserfilter nötig seien. Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz ist demnach prinzipiell schadstoffarm. Auch Kleinkinder und Kranke benötigten kein gefiltertes Wasser.
Wasserfilter können sogar zu Keimschleudern werden
Da es sich bei Trinkwasser um ein verderbliches Lebensmittel handelt, das schnell verkeimt, wenn es zu lange im Behälter steht oder mit alten Filtern in Kontakt kommt, stellt ein unsachgemäß betriebener Wasserfilter sogar eine gewisse Gesundheitsgefahr dar, heißt es weiter. Einzig sinnvoll und laut DIN 1988 vorgeschrieben sind dem Bericht zufolge die mechanischen Partikelfilter, die sich im Haus direkt hinter der Wasserzähler-Anlage befinden.
Die Verbraucherzentrale rät dazu, auf jeden Fall die Bedienungsanleitung des Wasserfilters zu befolgen, die Filterkartusche regelmäßig zu wechseln und den Filter von Zeit zu Zeit zu reinigen. Nur in diesem Fall sei eine einwandfreie Wasserqualität gewährleistet. Damit bereits gefiltertes Wasser nicht verkeimt, sollte es im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Auch in den News:
Hygiene-Argumente pro Wasserfilter im Faktencheck
Die Verbraucherzentrale entkräftet einige der häufigsten Werbe-Argumente von Wasserfilter-Herstellern:
"Unser Leitungswasser ist nicht so gut, wie immer behauptet wird."
Das Leitungswasser in Deutschland unterliegt der Verbraucherzentrale zufolge regelmäßigen strengen Kontrollen und ist von sehr guter Qualität. Auch die derzeitigen Grenzwerte seien völlig ausreichend.
"Leitungswasser kann krank machende Keime wie Legionellen enthalten."
Das ist nach Ansicht der Verbraucherschützer:innen sehr unwahrscheinlich, da die Qualität gut überwacht wird. Falls Trinkwasser tatsächlich mal krankmachende Keime enthalte, liege ein Hygieneproblem im Rohrleitungsnetz vor, das nicht mit einem Filter behoben werden sollte.
"Trinkwasser kann Medikamente enthalten."
Das stimme zwar, jedoch sei die Menge so gering, dass für den Menschen nach Stand der Wissenschaft daraus keine konkrete Gesundheitsgefahr resultiere. Die moderne Analytik mache es möglich, geringste Spuren nachzuweisen. Diese lägen jedoch ein Tausendfaches unterhalb der Mengen, die im menschlichen Körper eine Wirkung entfalten könnten.
"Trinkwasser kann Nitrat enthalten."
Grenzwertüberschreitungen von Nitrat im Trinkwasser sind nach Einschätzung der Verbraucherzentrale zufolge sehr selten. Die meisten Wasserversorger unterschreiten dem Bericht zufolge den Nitratgrenzwert deutlich.
"Trinkwasserfilter helfen, den Körper zu entschlacken."
Da es keine "Schlacken" gebe, sei auch keine derartige Hilfe möglich.
"Trinkwasserfilter können Blei herausfiltern, das in vielen Leitungen enthalten ist."
Trinkwasserfilter sollten nicht dazu verwendet werden, um Blei herauszufiltern, warnt die Verbraucherzentrale. Häuser, die nach 1973 gebaut wurden, besitzen keine Bleirohre. Wer vermutet, im älteren Haus noch Bleileitungen zu haben, sollte sein Leitungswasser untersuchen lassen.
"Wenn man ungefiltertes Wasser trinkt, drohen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs."
Leitungswasser in Deutschland kann der Verbraucherzentrale zufolge nicht für solche Erkrankungen verantwortlich sein, da es von sehr guter Qualität ist.
"Durch 'Harmonisierung', 'Vitalisierung', 'Levitation', 'Energetisierung' oder 'Transformation' kann das Wasser in einen natürlichen oder ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden."
Hierbei handelt es sich nach Beurteilung der Verbraucherschützer:innen um pseudowissenschaftliche Aussagen, die wissenschaftlich nicht belegt werden können.
Verwendete Quellen:
verbraucherzentrale.de: "Wasserfilter: Sind sie aus hygienischer Sicht notwendig?"
test.de: "Wasserfilter im Test: Überflüssig bis schädlich"
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