Hitze und Gesundheit
Warum sich der Körper nur begrenzt an Hitze gewöhnt
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Deutschland steuert auf 40 Grad zu
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Hitzewellen dauern länger und werden gefährlicher. Eine DWD-Expertin erklärt, warum sich der Mensch zwar etwas anpasst – aber nur bis zu einer klaren Grenze.
Das Wichtigste in Kürze
Laut DWD kann sich der menschliche Körper etwas an Sommerhitze anpassen, aber lang anhaltende Hitzewellen werden trotzdem mit jedem Tag belastender.
Besonders gefährlich sind heiße Nächte ohne Erholung: Dann sinkt die Schlafqualität, und der Körper verkraftet die Hitze am nächsten Tag schlechter.
Mit der Dauer einer Hitzewelle steigt auch das Sterberisiko, vor allem für ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen.
Viele Menschen sagen, man gewöhne sich im Sommer irgendwann an die Hitze. Ganz falsch ist das nicht – aber es stimmt eben nur teilweise. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kann sich der menschliche Körper im Laufe eines Sommers zwar etwas an hohe Temperaturen anpassen. Doch diese Anpassung hat klare Grenzen.
Die Medizin-Meteorologin Kathrin Graw erklärt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Innerhalb einer Hitzewelle wird es für den Menschen von Tag zu Tag, je länger die Hitzewelle andauert, eher belastender". Besonders problematisch sei es, wenn auch die Nächte warm bleiben und damit die Erholung fehle. Schlechter Schlaf mache es dem Körper schwerer, die Hitze am nächsten Tag zu verkraften.
Mit der Dauer steigt auch das Risiko
Wie gefährlich lang anhaltende Hitze ist, zeigt auch eine DWD-Studie. "Je länger die Hitze anhält, desto mehr Menschen sterben", betont Graw laut dpa. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt die hitzebedingte Übersterblichkeit an den ersten Tagen einer Hitzewelle bei 8,5 Prozent. Am elften und zwölften Tag steigt sie laut DWD auf bis zu 18 Prozent.
Das zeigt: Der Körper kann Hitze nicht einfach unbegrenzt ausgleichen. Irgendwann geraten Kreislauf, Schlaf und allgemeine Belastbarkeit an ihre Grenzen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen. Für sie kann anhaltende Hitze schnell zu einer ernsten Gesundheitsgefahr werden.
Ein gewisser Gewöhnungseffekt ist da
Trotzdem gibt es einen gewissen Anpassungseffekt. Laut DWD lernt der Körper im Verlauf eines Sommers, mit höheren Temperaturen etwas besser umzugehen. Das berücksichtigt auch der Wetterdienst bei seinen Warnungen. Der Schwellenwert für Hitzewarnungen kann am Anfang des Sommers niedriger liegen als später, wenn sich viele Menschen bereits etwas an die Wärme gewöhnt haben.
Üblicherweise beginnt die erste Warnstufe bei einer gefühlten Temperatur von rund 32 Grad. Am Beginn des Sommers oder nach einer kühleren Phase kann die Warnschwelle aber auch darunter liegen. Später kann sie auf bis zu 34 Grad gefühlter Temperatur ansteigen. Das bedeutet aber nicht, dass Hitze dann ungefährlich wäre – nur, dass der Körper etwas besser vorbereitet ist.
Klimawandel verschärft das Problem
Langfristig sieht der DWD die Anpassungsfähigkeit des Menschen jedoch begrenzt. Im Süden Deutschlands, wo Menschen schon länger häufiger mit großer Hitze leben, ist die hitzebedingte Sterblichkeit laut Graw etwas niedriger als im Norden und in der Mitte des Landes. Das deutet auf eine gewisse Gewöhnung hin.
Doch auch diese hat Grenzen. "Die langfristige Anpassung an höhere Temperaturen wird aber auch nicht unbegrenzt möglich sein", warnt Graw laut dpa. Vor allem dann nicht, wenn sich das Klima sehr schnell verändert. Genau das ist nach Ansicht der Expertin durch den Klimawandel der Fall: Der Temperaturanstieg habe sich zuletzt sogar noch beschleunigt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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