Wal-Drama

"Schwerstkrank": So schlecht geht es Buckelwal Timmy - Plan für Bergung steht

Aktualisiert:

von Michael Reimers
- Anzeige -
- Anzeige -

Während der gestrandete Meeresriese Timmy vor der Insel Poel noch atmet, haben Expert:innen ein entscheidendes Gutachten vorgestellt. So ist jetzt sein Zustand.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Buckelwal Timmy liegt seit einer Woche vor der Insel Poel und atmet noch – doch es sieht düster aus.

  • Expert:innen haben jetzt ein Gutachten zu seinem Zustand vorgestellt.

  • Fachleute rechnen damit, dass der Wal in der Bucht sterben wird – rund um die Uhr wird er beobachtet und mit Wasser versorgt.

Der seit mehr als einer Woche in der Ostsee vor Wismar festsitzende und kranke Buckelwal Timmy lebt. Die Lage sei unverändert, wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Vormittag auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte.

Laut Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung gehe es dem zwölf Tonnen schweren Meeressäuger schlecht. Er habe zuletzt auf Annäherung per Boot praktisch nicht mehr reagiert, sagte Groß am Dienstag (7. April). Zuvor habe der Wal noch die Schwanzflosse bewegt oder den Kopf angehoben. Backhaus sagte, der Patient sei "schwerstkrank".

Expert:innen zufolge wird er sich nicht aus eigener Kraft befreien können. Der Wasserstand liege aktuell bei 1,40 Meter, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel.

Das Tier liege "in einer Mulde im sehr weichen Sediment von etwa 30 Zentimeter", der Rücken rage rund 40 Zentimeter aus dem Wasser. "Wenn es sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, bräuchte es einen Wasserstand, der um etwa 60 Zentimeter höher ist als heute."

Diese Hoffnung gebe es aber nicht. "Die Prognose gibt das nicht her für die nächsten vier Tage. Da ist eher ein leicht sinkender Wasserstand vorhergesagt", sagte Baschek. "Darüber hinaus ist die Gesamtkonstitution und Kraft schlichtweg nicht da." Die Situation sei für alle unbefriedigend und es sei nicht schön, das Tier dort draußen so zu sehen. "Das ist für uns alle sehr bitter."

- Anzeige -
- Anzeige -

Auch in den News:

Seit mehr als einer Woche liegt der gestrandete Buckelwal im flachen Wasser vor Wismar. Ein Expertenteam war am Dienstagvormittag erneut mit einem Schlauchboot beim Wal, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen, wie ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums am Vormittag sagte. Taucher:innen hätten die Lage und Position des Tieres überprüft.

Schwieriger Sterbeprozess möglich

Die Wissenschaft zeichnet ein düsteres Bild von Timmys letzten Stunden. "Bei einem Großwal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädigt", erklärte Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation. Langfristig führe dies zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen.

Nach Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus steht inzwischen der Plan für eine spätere Bergung des Tieres. "Das Konzept ist fertiggestellt, das ist in der Endabstimmung", sagte der SPD-Politiker am Dienstag (7. April).

Die Bergung muss nach Angaben des Ministers zwei Tage vorbereitet werden und würde dann einen Tag dauern. Backhaus betonte: "Die Würde dieses Tieres werden wir sehr genau beobachten und beachten." Wann die Bergung sein soll, ist bislang nicht bekannt. Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark stünden unter Vertrag für die Bergung.

Dabei sollen Schiffe und Hebezeuge eingesetzt werden. "Man muss ihn ja irgendwie rauskriegen", betonte der Minister. Mit Blick auf die Frage, ob man das Tier erlösen könne, sagte Backhaus: "Die Option ist, das Tier in Ruhe zu lassen."

Währenddessen untersuchen Expert:innen auch die Wasserqualität in der Bucht, um zu prüfen, ob von dem sterbenden Tier Gefahren für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ausgehen. Rund um die Uhr wird Timmy beobachtet und regelmäßig von der Feuerwehr mit Wasser benetzt.

Es war das vierte Mal, dass sich der Wal an der Ostseeküste festsetzte – dreimal zuvor gelang ihm die Befreiung. Doch diesmal scheint die Kraft zu fehlen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken