Meeresforschung
Ostsee auf Rekord-Tiefstand – Nordseewasser könnte die Rettung bringen
Veröffentlicht:
von Nadine von ParsevalFür Salzwassereinbrüche aus der Nordsee in die Ostsee sind starke Westwinde unerlässlich.
Bild: Stefan Sauer/dpa
Ein historisch niedriger Wasserstand in der Ostsee schafft günstige Bedingungen für einen seltenen Salzwassereinstrom aus der Nordsee. Was das bedeutet erfahrt ihr hier!
Das Wichtigste in Kürze
Der Ostsee-Pegel erreicht einen historischen Tiefstand.
Ein seltener Salzwassereinstrom aus der Nordsee könnte bevorstehen.
Dies würde Sauerstoff in die Tiefen bringen und das erwärmte Wasser abkühlen.
Die Ostsee erlebt derzeit einen außergewöhnlich niedrigen Wasserstand: Am 5. Februar wurde der Pegel mehr als 67 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel gemessen – der tiefste Wert seit 1886. Dieses historische Tief schafft ideale Bedingungen für einen seltenen Salzwassereintritt aus der Nordsee, der als "Major Baltic Inflow" bekannt ist. Forscher:innen erwarten, dass ein solcher Einstrom nicht nur Sauerstoff in die Tiefen der Ostsee transportieren, sondern auch die stark aufgeheizten Wasserschichten abkühlen könnte.
Potenzieller Segen für die Ostsee?
Die Ostsee leidet seit Jahren unter sauerstoffarmen Zonen und erhöhter Erwärmung. "Wenn der Einstrom jetzt kommt, hätte dies gleich zwei Effekte, die für die tiefen Ostseebecken von Bedeutung sind", so Volker Mohrholz vom Institut für Ostseeforschung. Das Wissensmagazin "Scinexx.de" berichtet: Zum einen transportiert das kalte Nordseewasser besonders viel Sauerstoff in die Tiefen, wodurch der Sauerstoffschwund in den sogenannten Todeszonen reduziert werden könnte. Zum anderen könnte es helfen, die seit rund zwei Jahrzehnten erhöhten Temperaturen im Tiefenwasser zu senken.
Forschende beobachten daher aktuell intensiv die Wasserverhältnisse zwischen Nord- und Ostsee. Ein Forschungsschiff des Instituts sammelt vor Ort Daten, um sowohl die Intensität als auch die potenziellen Auswirkungen eines möglichen Einstroms präzise zu bewerten. Ob und wann der "Major Baltic Inflow" tatsächlich eintritt, hängt jedoch von den kommenden Wetterbedingungen ab. Klar ist: Die Ostsee könnte von diesem natürlichen Phänomen erheblich profitieren.
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Rekord-Tiefstand öffnet Tür für Nordseewasser
Der ungewöhnlich niedrige Pegel ist das Ergebnis starker Ostwinde, die seit Anfang Januar 2026 das Ostseewasser in die Nordsee gedrückt haben. Dadurch fehlen der Ostsee derzeit rund 275 Kubikkilometer Wasser im Vergleich zum langjährigen Mittel. "Die Chancen für einen größeren Einstrom in den kommenden Wochen sind so hoch wie schon lange nicht mehr", erklärt Michael Naumann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung.
Ein solcher Einstrom hängt nicht nur vom Pegel ab, sondern auch von der Windrichtung: Nur anhaltende Westwinde können das salz- und sauerstoffreiche Nordseewasser in die Ostsee treiben. Historische Beispiele zeigen die Bedeutung solcher Ereignisse: 1972 brachte ein "Major Baltic Inflow" rund 2,77 Gigatonnen Salz in die Ostsee. Damals lag der Pegel bei 63,9 Zentimetern unter dem Mittel – heute ist er sogar noch niedriger.
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scinexx.de: "Ostsee-Pegel ist auf historischem Tiefstand"
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