Vulkan-Unruhe

Neapel: Warum die Phlegräischen Felder jetzt Sorgen machen

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Toskana: Gigantische Magmakammer entdeckt

Videoclip • 01:14 Min • Ab 12


Ein starkes Erdbeben hat die Region westlich von Neapel erschüttert. Fachleute sehen derzeit keine unmittelbaren Zeichen für einen Vulkanausbruch – warnen aber vor weiteren Beben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Erdbeben der Stärke 4,7 bei Pozzuoli war das stärkste in der Region seit Beginn der modernen Messungen.

  • Fachleute sehen derzeit keine unmittelbaren Zeichen für einen Ausbruch, warnen aber vor weiteren Erdbeben.

  • Die größte akute Gefahr für die Menschen in den Phlegräischen Feldern sind nach Einschätzung von Expert:innen die Erschütterungen selbst.

Mit einem Erdbeben der Stärke 4,7 ist die Region um Pozzuoli westlich von Neapel am Freitagabend (31. Juli) heftig erschüttert worden. Nach dem vorliegenden Bericht war es dort das stärkste Beben seit Beginn der modernen Messungen vor rund 50 Jahren. Felsbrocken stürzten von Hängen, Häuser und Straßen bekamen Risse, mehr als 20 Menschen wurden verletzt.

Das Beben traf eine Gegend, die seit Jahren unter Spannung steht. Pozzuoli liegt mitten in den Phlegräischen Feldern, einem aktiven Vulkangebiet mit mehreren Kratern. Dort hebt und senkt sich der Boden seit Jahrzehnten immer wieder. Dieses langsame Auf und Ab wird Bradyseismos genannt. Seit den 1950er Jahren gab es davon schon mehrere Phasen, die aktuelle dauert bereits mehr als 20 Jahre an.


Warum die Erde dort immer wieder bebt

Besonders auffällig ist, dass sich der Boden seit einigen Jahren wieder hebt. Nachdem 2022 sogar der Höchststand aus den 1980er Jahren überschritten wurde, nahm auch die Zahl der Erdbeben deutlich zu. Seitdem wurden laut dem Bericht mehr als 50.000 Erdbeben registriert. Die Beben werden nicht nur häufiger, sondern auch stärker.

Als Ursache gilt eine große Magmakammer in rund acht Kilometern Tiefe unter den Phlegräischen Feldern. Von dort steigen Gase wie Wasserdampf, Kohlendioxid und Schwefeldioxid auf. Diese Gase sammeln sich in geringerer Tiefe, erhöhen den Druck im Gestein und können Erdbeben auslösen. Eine Studie von Sebastian Hainzl vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften, erschienen in Nature Communications Earth and Environment, erklärt die Schwärme zusätzlich mit Wechselwirkungen zwischen einzelnen Beben.

Ein Ausbruch ist nicht das größte akute Risiko

Trotz der Unruhe gibt es derzeit keine klaren Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch, wie der Geophysiker Warner Marzocchi von der Universität Neapel Federico II bestätigt. Ein Aufsteigen von Magma müsste sich nach seiner Einschätzung in Seismogrammen und in einer asymmetrischen Wölbung des Bodens zeigen. Beides sei aktuell nicht zu erkennen.

Die größere Gefahr seien im Moment die Erdbeben selbst. Selbst Beben der Stärke 4 bis 5 können in dieser dicht besiedelten Region erhebliche Schäden anrichten, weil sie in geringer Tiefe entstehen. Der Seismologe Aldo Zollo, der selbst nahe Pozzuoli lebt, beschreibt die Belastung für die Menschen so: "Sie können sich nie sicher sein, ob das eigene Haus den Erschütterungen standhält." Eine Studie in Nature Communications empfahl deshalb schon 2023, vor allem Gebäude in Pozzuoli besser gegen Erdbeben zu sichern.

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Gefahr im Alltag

Hinzu kommen weitere Risiken wie austretende Gase. Im Juni musste der S-Bahnverkehr zwischen Pozzuoli und Neapel zeitweise eingestellt werden, weil erhöhte Kohlendioxid-Konzentrationen gemessen wurden. Zollo spricht deshalb von "multiplen Risiken", die gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken könnten.

Wie es weitergeht, ist offen. Marzocchi sagt: "Solange sich der Boden hebt, solange wird es Erdbeben geben." Zugleich habe sich die Hebungsrate zuletzt etwas abgeschwächt, was im besten Fall für eine spätere Beruhigung sprechen könnte. Ganz verschwinden wird die Unsicherheit aber nicht. Denn, so Marzocchi: "Es ist aktiver Vulkan."


Verwendete Quellen:

Süddeutsche Zeitung: "Erdbeben bei Neapel: "Es ist ein aktiver Vulkan""

Nachrichtenagentur dpa

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