Pilotprojekt gestartet
Mit ungewöhnlicher Maßnahme: Sylt sagt "Hitler-Rose" den Kampf an
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von Max Strumberger:newstime
Die verrücktesten Strandregeln an Urlaubsorten
Videoclip • 01:20 Min • Ab 12
Wer derzeit auf Sylt unterwegs ist, entdeckt ungewöhnliche Landschaften: Große sandfarbene Textilbahnen liegen über fünf Hektar Dünen. Das steckt hinter der Maßnahme.
Das Wichtigste in Kürze
Die Kartoffelrose wurde einst zum Küstenschutz eingeführt, nun wird sie selbst zum Problem.
Sie breitet sich an Nord- und Ostsee weiter aus, mit problematischen Folgen.
Sylt greift deshalb zu ungewöhnlichen Maßnahmen.
Auf Sylt sorgen derzeit riesige sandfarbene Bahnen für Verwunderung. Sie liegen an Straßen, Parkplätzen und in Strandnähe und bedecken ganze Dünenzüge. Hinter der ungewöhnlichen Maßnahme steckt die rasante Ausbreitung der Kartoffelrose, wissenschaftlich Rosa rugosa. Die aus Ostasien stammende Pflanze – umgangssprachlich auch "Hitler-Rose" genannt – ist an der deutschen Nord- und Ostseeküste längst weit verbreitet – und dringt zunehmend in besonders geschützte Dünen- und Heidelandschaften vor.
Dabei wurde die Rose ursprünglich bewusst nach Europa gebracht. Seit dem 19. Jahrhundert sollte sie mit ihren robusten, frostharten Eigenschaften zur Befestigung der Dünen beitragen. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass sich der Effekt ins Gegenteil verkehrt: Die Kartoffelrose bildet dichte Bestände, überwuchert die natürliche Vegetation und verdrängt unter anderem Strandhafer und Strandroggen. Diese Gräser stabilisieren den Sand mit ihren weit verzweigten Wurzeln und wachsen bei neuen Sandverwehungen weiter. Unter den dichten Rosensträuchern bleibt der Boden dagegen lockerer – Sandabbrüche und Erosion können die Folge sein.
Problem-Schmetterlinge nisten in "Hitler-Rosen"
Die Ausbreitung hat zudem Auswirkungen auf die Tierwelt. In den Beständen der Kartoffelrose findet der Goldafter geeignete Bedingungen für seine Nester. Die Population dieses heimischen Schmetterlings ist nach Angaben des Kreises Nordfriesland bereits im Zusammenhang mit dem Klimawandel gestiegen. Problematisch sind vor allem seine Raupen: Ihre Brennhaare können starken Juckreiz, Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen; auch Atemwegsbeschwerden sind möglich. Der umgangssprachliche Name "Hitler-Rose" verweist auf die NS-Zeit, als Kartoffelrosen zur Tarnung von Bunkeranlagen an der Küste gepflanzt wurden.
Nun soll die Pflanze auf Sylt mit einem aufwendigen Pilotprojekt zurückgedrängt werden. Auf einer Fläche von rund fünf Hektar wurden die Rosen zunächst oberirdisch entfernt. Anschließend verlegte eine Fachfirma ein lichtundurchlässiges Geotextil. Die sandfarbenen Bahnen sollen zwei bis drei Jahre liegen bleiben und den Pflanzen das Sonnenlicht entziehen. Dadurch wird die Fotosynthese unterbrochen; die Rose soll allmählich absterben und nicht aus verbliebenen Wurzelresten neu austreiben.
Mehr zu dem Thema:
Pilotprojekt kostet 400.000 Euro
Die Maßnahme kostet rund 400.000 Euro und wird erstmals unter den anspruchsvolleren Bedingungen der Nordsee erprobt. An der Ostsee wurde die Methode bereits erfolgreich eingesetzt. Ergänzend wird geprüft, ob auf angrenzenden Flächen Strandhafer oder Strandroggen gepflanzt werden können. Ziel ist es, die natürliche Dünen- und Heidelandschaft wiederherzustellen und langfristig zu sichern. Ob die Kartoffelrose tatsächlich dauerhaft zurückgedrängt werden kann, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.
Verwendete Quellen:
"Bild": Nordseeinsel verlegt jetzt überall beigefarben Teppich
t-online: Sylt kämpft gegen "Hitler-Rose"
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