Große Bereitschaft bei Beamten

Gelsenkirchener Sparkassen-Raub: 230 Ermittler sollen die Täter finden – Reul: "Das Ding klären wir auf"

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von Jana Wejkum

Herbert Reul, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, in einer Sondersitzung des Innenausschusses über mögliche Insider-Hilfe.

Bild: Henning Kaiser/dpa


Die Bankräuber:innen sind mit einer Millionenbeute noch immer auf der Flucht. Mehr als 200 Beamt:innen ermitteln – und der NRW-Innenminister äußert einen Verdacht.

Auf die 230 Ermittler:innen der nordrhein-westfälischen Polizei kommt eine Menge Arbeit zu. In der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) mit dem passenden Namen "Bohrer" werten die Beamt:innen beim Polizeipräsidium Gelsenkirchen Millionen Spuren aus.

Nach dem spektakulären Einbruch in der Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer müssen rund 10.000 Stunden Videomaterial ausgewertet werden. Hinzu kommen schätzungsweise 500.000 Gegenstände, die sich zum Tatzeitpunkt auf dem Boden des Archivraums und des Tresorraums der Filiale befunden hätten.

"Auf jedem dieser Gegenstände könnten relevante Spuren sein", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) bei einer Sondersitzung des Innenausschusses. Was von den acht Terabyte Datenmaterial "wirklich brauchbar" sei, wisse man bislang nicht.

Trotzdem gibt Reul sich am Dienstagmorgen (13. Januar) optimistisch: "Das Ding klären wir auf." Es gebe eine "riesige Bereitschaft" unter den Beamt:innen, sich an dem Fall zu beteiligen.

Reul spekuliert über "Insider"

Darüber, wie es den Täter:innen gelang, ungestört fast alle Kundenschließfächer der Gelsenkirchener Sparkasse auszurauben, herrscht noch Unverständnis. Wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) berichtet, äußerte Reul während der Sondersitzung einen konkreten Verdacht: "Woher wussten die Täter überhaupt von der genauen Lage des Tresorraums? Gab es vielleicht einen Insider, der geholfen hat?" Dabei müsse es sich nicht um Mitarbeiter:innen der Bank gehandelt haben, so Reul.

Bereits am Wochenende sprach der Innenminister in einem WAZ-Interview über Auffälligkeiten beim Einbruch in die Filiale. "Wie geht das?", fragte Reul. "Sie nutzten dann eine nicht alarmgesicherte, augenscheinlich manipulierte Tür, um in einen Archivraum der Sparkasse zu gelangen. Sie setzten dort einen Kernbohrer genau an der richtigen Wand zum Tresorraum an und ließen von 3256 Schließfächern viele ungeöffnet, von denen die meisten nicht belegt sind." Das könne, so Reul weiter, auch "alles Zufall sein".

Die Polizei durchsuchte am 6. Januar die Räumlichkeiten der Filiale nach Datenträgern und Kundendaten. Mitarbeiter:innen stehen derzeit nicht unter Verdacht. Ein Sprecher der Bank wies gegenüber dem WDR Kritik zurück. Die Sicherheitsmaßnahmen würden den aktuellen Standards entsprechen.

Schaden im Millionenbereich

Zwischen dem 27. und 29. Dezember 2025 raubten bislang unbekannte Täter:innen den Tresorraum der Gelsenkirchener Bank aus. Über ein Parkhaus verschafften sie sich Zutritt und bohrten mit einem Kernbohrer ein großes Loch in die Wand. Obwohl ein erster Feueralarm am Morgen des 27. Dezember bereits Polizei und Feuerwehr auf den Plan gerufen hatte, blieb der Einbruch zwei Tage lang bis zu einem weiteren Alarm unbemerkt.

Wie hoch die Beute ist, wird weiter ermittelt. Eine erste Schätzung seitens der Polizei ging von einem mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler:innen aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

WAZ: "Reul fragt nach Sparkassen-Coup: 'Gab es einen Insider, der geholfen hat?'"

WDR: "Einbruch in Tresorraum: Sparkasse Gelsenkirchen weist Kritik zurück"

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