Kunst-Debatte in Hessen

Frankfurt: Zoff um zwei Millionen Euro teures Kunst-Netz

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Videoclip • 58 Sek • Ab 12


Über der Frankfurter Konstablerwache schwebt ein neues Kunstwerk für zwei Millionen Euro. Während die Stadt das bunte Netz feiert, hagelt es im Netz heftige Kritik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Über der Frankfurter Konstablerwache hängt ein neues, zwei Millionen Euro teures Kunstwerk in Form eines bunten Netzes.

  • In den sozialen Medien kritisieren viele Bürger:innen die Installation als Geldverschwendung und fordern sinnvollere Investitionen.

  • Die Stadt verteidigt das Projekt als Symbol für Vielfalt und betont, dass dafür keine anderen Kulturgelder gestrichen wurden.

Für die einen ist es ein Symbol der Hoffnung, für andere reine Geldverschwendung. Seit über der Konstablerwache auf der Frankfurter Zeil eine Wolke aus bunten Netzen schwebt, hat die hessische Metropole ein neues Streitthema. Das transparente Gebilde mit dem Titel "A Sky Full of Hope" stammt von der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman.

In sieben Metern Höhe schwebt das 200 Quadratmeter große, rot-blaue Netz über dem Platz. Drei Jahre lang soll das rund zwei Millionen Euro teure Kunstwerk dort hängen. Am Dienstag (11. August) wird es offiziell im Beisein von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) vorgestellt, bevor bei Einbruch der Dunkelheit ein "Grand Opening" mit einer eigens kuratierten Licht- und Sound-Show folgt.

«A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt» heißt das Werk von Künstlerin Janet Echelman.

Bild: Andreas Arnold/dpa


Kritik an Geldverschwendung

Seit das Netz hängt, regen sich in den sozialen Medien viele Frankfurter:innen auf. Häufig fallen Vokabeln wie "sinnlos", "hässlich" oder "lächerlich". Einige befürchten, dass sich bald tote Vögel oder Müll darin verfangen. Der Hauptvorwurf lautet jedoch Geldverschwendung. Viele Bürger:innen finden, die Stadt hätte das Geld besser in Sonnensegel, Bäume, Schulsanierungen oder klimatisierte Altenheime investieren sollen.

Das Kulturdezernat wehrt sich gegen diese Vorwürfe und stellt zur Finanzierung klar: "Es ist wichtig zu wissen, dass das Geld nicht aus dem laufenden Kultur-Etat stammt." Es sei also nicht an anderer Stelle gekürzt worden. 1,2 Millionen Euro stammen aus Überträgen der "Initiative Innenstadt", die sonst aus organisatorischen Gründen verfallen wären. Der Rest wird aus dem Nachtragshaushalt 2025 finanziert.

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Symbol für die Demokratie

In der Lesart der Auftraggeber:innen steht das farbenfrohe Kunstwerk "für Offenheit, Vielfalt und internationale Verbundenheit". Anlass ist der Titel "World Design Capital 2026 Frankfurt und Rhein-Main". Das Netz soll als Sinnbild für eine demokratische Gesellschaft dienen, in der jeder Knoten zählt und zur Stabilität des Ganzen beiträgt.

Dass Kunst im öffentlichen Raum polarisiert, hat in Hessen Tradition. In Kassel gab es bei der documenta immer wieder heftigen Streit, etwa um den 600.000 Euro teuren Obelisken von Olu Oguibe. Auch in Wiesbaden sorgten Kunstwerke für Aufsehen: 2022 kritisierte der Steuerzahlerbund eine 350.000 Euro teure "Pixelröhre", und 2018 musste eine goldene Statue des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus Furcht vor Ausschreitungen abgebaut werden.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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