Kein Ende der Kommerz-Spirale

Protest gegen Infantinos Investorenplan: Für Fanforscher ist die UEFA "der Wolf im Schafspelz"

Aktualisiert:

von Benedict Hottner / Christopher Schmitt

:newstime

Widerstand gegen Infantino-Pläne wächst

Videoclip • 01:45 Min • Ab 12


Ausverkauf des Fußballs? FIFA-Boss Infantino will Investoren die Tür weiter öffnen, die UEFA protestiert. Ein Fanforscher erklärt, warum kein Ende der Kommerz-Spirale in Sicht ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • FIFA-Präsident Gianni Infantino verteidigt seine Investorenpläne.

  • Für den Fanforscher Harald Lange ist kein Ende der Kommerzialisierung in Sicht.

  • Seiner Ansicht nach ist auch die UEFA kein Verbündeter der kritischen Fans, sondern selbst auf Gewinnmaximierung aus.

Trotz massiver Kritik hält FIFA-Präsident Gianni Infantino an seinen Investorenplänen fest. Fanforscher Harald Lange schockieren solche Nachrichten schon lange nicht mehr. Nach dieser Weltmeisterschaft sei man "nicht wirklich überrascht, sondern dieser Vorschlag passt absolut ins Bild", so der Experte gegenüber :newstime.

Es gehe "ganz offensichtlich nur noch darum, den Profit noch weiter zu maximieren, und ein Rekord im Profitstreben toppt den nächsten Rekord", so der Professor, der die Fan- und Fußballforschung an der Universität Würzburg leitet. Für ihn zeichnet sich ein klares Bild ab: "Das ganze System wirkt aus der Sicht der Fans, aus der Sicht der Fußballer und Zuschauer absolut irrsinnig."

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UEFA ist der "Wolf im Schafspelz"

Die Meinung der Fans scheint recht eindeutig zu sein, doch ist die UEFA in diesem Kampf ein Verbündeter? Schließlich positioniert sich der europäische Verband klar gegen Infantinos Pläne. Für Lange ist jedoch klar: "Im Grunde können wir alle Stimmen, die wir jetzt so aus dem organisierten professionellen Fußball heraus vernehmen, als unglaubwürdig einstufen." Im organisierten professionellen Fußball gehe es seit Jahrzehnten zuallererst um Gewinnmaximierung und "erst an zweiter, dritter, vierter Stelle so die Entwicklung des Sports".

Dabei verweist der Fanforscher vor allem auf die Reform der Champions League, welche die UEFA zu verantworten hat. Für ihn ist der Verband "der Wolf im Schafspelz". Auch dort sei man stets auf Gewinnmaximierung und Optimierung bedacht.

In den kommenden Wochen glaubt Lange zudem nicht daran, dass ein Boykott beschlossen werden könnte. "Man wird damit drohen, man wird dieses Säbelrasseln fortsetzen. Aber die Verstrickungen der einzelnen Verbände in Sponsorenverträge, in Ausrüstungsverträge und so weiter, die sind so komplex und so bindend, dass ein Boykott der europäischen Fußballverbände relativ unwahrscheinlich sein wird."

Investoreneinstieg für Infantino "einmalige Chance"

In einer Videobotschaft hatte Infantino den geplanten Einstieg privater Geldgeber als "einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen" bezeichnet.

Die Pläne seien Teil eines "demokratischen Prozesses", betonte Infantino. Schließlich müssten sowohl das FIFA Council als auch die 211 Mitgliedsverbände zustimmen. Außerdem versprach er den Fans: "Der Sport, den sie verfolgen und lieben, wird sich nicht verändern."

Geplant ist, dass private Investoren rund 20 Prozent an einer neuen FIFA-Tochter namens FIFA Forward Enterprise (FFE) übernehmen. Dort sollen künftig die kommerziellen Rechte an Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie der Club-WM gebündelt werden.

Kritiker:innen warnen vor mehr Kommerz

Vor allem aus Europa kommt deutlicher Widerstand gegen die Pläne. Kritiker:innen werfen der FIFA vor, ihre Mitgliedsverbände mit finanziellen Anreizen unter Druck zu setzen. Teilweise ist sogar von Bestechung, Erpressung und einem Ausverkauf des Fußballs die Rede. Sie befürchten, dass Investoren künftig noch größeren Einfluss auf den Weltfußball nehmen könnten. Die Sorge: Um Umsätze und Gewinne weiter zu steigern, könnten künftig noch mehr Turniere, Teams und Spiele geschaffen werden.

Infantino weist diese Vorwürfe zurück. Aus seiner Sicht komme bislang zu wenig vom wirtschaftlichen Erfolg des Fußballs dort an, "wo er am dringendsten benötigt" werde. Mit zusätzlichem Know-how und frischem Kapital könne der Weltverband die Einnahmen seiner Mitgliedsverbände langfristig steigern.


Lange: Infantino "ganz sicher im Sattel"

Gegen Infantino scheint jedenfalls aktuell kein Kraut gewachsen zu sein. "Die Machtkonstellation sieht so aus, dass Infantino ganz sicher im Sattel sitzt, auch wenn wir Europäer das so nicht wahrhaben wollen", erklärt Lange im :newstime-Interview. Auch mit Blick auf die weiter fortschreitende Kommerzialisierung kann er kritischen Fans kaum Hoffnung machen: "Es gibt überhaupt kein Ende dieser Spirale", hält der Experte fest.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.

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