Spurlos verschwunden

"Aktenzeichen XY" bringt neue Hinweise zum Fall Inga: Lebt das seit 2015 vermisste Mädchen?

Aktualisiert:

von Joachim Vonderthann

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Mehr Kindesmissbrauch: BKA schlägt Alarm

Videoclip • 01:54 Min • Ab 12


Im Mai 2015 verschwand die fünfjährige Inga Gehricke spurlos bei einem Familienausflug in Sachsen-Anhalt. Elf Jahre später wurde der Fall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" vorgestellt. Nun gebe es zahlreiche neue Hinweise.

Es ist einer der bekanntesten Vermisstenfälle Deutschlands – und einer, der bis heute ungelöst ist. Von der damals fünfjährigen Inga Gehricke aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt fehlt seit dem 2. Mai 2015 jede Spur. Jetzt unternahmen die Ermittler:innen einen neuen Anlauf: Am Mittwochabend wurde der Fall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" gezeigt. Nun seien neue Hinweise zum Verschwinden des Mädchens eingegangen.

Auch in den News:

Der Tag des Verschwindens von Inga

Am 2. Mai 2015 war die damals fünfjährige Inga mit ihrer Familie zu Besuch auf dem Wilhelmshof im Landkreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt. Der Hof ist laut dpa eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankungen. Dort lebten Freunde der Familie Gehricke. Bei der Vorbereitung eines Grillfestes wurde das im August 2009 geborene Mädchen am Abend gegen 18:40 Uhr zum letzten Mal gesehen.

Die Polizei beschreibt Inga als schlank und zart. Sie habe 2015 blaue Augen und mittelblonde, zu Zöpfen geflochtene Haare gehabt. Ihre oberen vorderen Schneidezähne fehlten. Außerdem hatte das Mädchen eine Narbe am Hinterkopf. Am Tag ihres Verschwindens war Inga laut Polizei knapp 1,20 Meter groß und trug rosafarbene Haarspangen, neongelbe Haargummis, ein geringeltes Unterhemd mit Pferdemotiv, ein mintgrünes Langarmshirt mit aufgedrucktem Schmetterling und Rüschen, einen lilafarbenen Slip, eine weiße oder graue Strumpfhose und eine blaue Jeans mit Auswaschungen. Ihre Klettverschluss-Schuhe aus Wildleder waren pink, violett und beerenfarbig.

Jahrelange Suche ohne Ergebnis

In den Jahren nach Ingas Verschwinden suchten die Ermittler:innen immer wieder intensiv nach dem Mädchen. Mehrfach wurden Waldstücke durchsucht, Hunderte Spuren und Hinweise ausgewertet und Teiche abgepumpt – ohne Ergebnis. Im Zuge einer privaten Initiative wurde laut dpa auch über eine Foto-Aktion auf Smoothie-Flaschen nach dem Mädchen gefahndet.

Für eine breitere Öffentlichkeitsfahndung hatten sich die Ermittler:innen laut dpa an das Bundeskriminalamt gewandt. Der Fall wurde daraufhin Teil der BKA-Kampagne "Spurlos verschwunden" – was schließlich dazu führte, dass er nun auch in der ZDF-Sendung vorgestellt wurde.


Diese Fragen an die Bevölkerung im Cold Case "Inga"

Die Polizeiinspektion Halle beschäftigt sich seit Frühjahr 2023 mit dem Fall – unter dem Namen "Cold Case Wald". Beamt:innen vom Fachkommissariat für Straftaten gegen das Leben und die Gesundheit hatten den Fall von der Polizei in Stendal übernommen, um ihn mit neuem Blick noch einmal aufzurollen. Diese Möglichkeit sollte am Mittwochabend auch der Bevölkerung gegeben werden.

Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) richteten sich die Ermittelnden mit konkreten Fragen an die Öffentlichkeit:

  • Wer hat Inga am Tag ihres Verschwindens oder danach gesehen?

  • Wer hat Fahrzeuge oder Personen bemerkt, die mit dem Verschwinden in Zusammenhang stehen könnten?

  • Wer war 2015 im Bereich des Wilhelmshofs oder des umliegenden Waldgebietes und wurde bislang nicht von der Polizei befragt?

  • Wurden nach dem 2. Mai 2015 irgendwo die Kleidungsstücke oder Schuhe gefunden, die Inga an dem Tag trug?

  • Tauchte ab Mai 2015 andernorts ein blondes Mädchen auf, das zuvor nicht dort lebte?

  • Sind jemandem Ungereimtheiten in Erzählungen von Personen aufgefallen, die Bezüge zu Inga oder dem Wilhelmshof haben?

  • Hat jemand Gespräche oder Chatnachrichten mitbekommen, in denen sich Personen über Inga austauschten und dabei möglicherweise Insiderwissen preisgaben?

... und das mit Erfolg. "Wir haben tatsächlich sehr viele neue Informationen erhalten und erhoffen uns, dass da der entscheidende Hinweis dabei ist", so Polizeihauptkommissar Michael Ripke in der ZDF-Sendung. Die neu eingegangenen Indizien gingen in verschiedene Richtungen. Zu weiteren Details wollen die Beamt:innen aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Die Hoffnung, dass Inga noch lebt, gibt die Polizei nicht auf: Es gebe keine Beweise, die das Gegenteil zeigen, betonte Ripke.


Details zu aktuellen Ermittlungen

Weiter gab der Hauptkommissar in der Sendung Details zur laufenden Ermittlung preis. Die Polizei habe Unterstützung von Archäologen und Geologen erhalten. Außerdem suche das Team nach Personen, die sich zum Zeitpunkt von Ingas Verschwinden auf der Straße aufhielten, die zu besagtem Hof führt. Dabei hofften die Ermittler:innen etwa auf in Autos verbaute Kameras oder auf Aufnahmen von Spaziergänger:innen, die neue Hinweise bringen könnten. "Auch wenn sie für den Besitzer keine Bedeutung mehr haben, für uns könnten sie von Bedeutung sein", so Ripke.

Auch nach der ZDF-Ausstrahlung nimmt die Polizei Hinweise unter 0345/224-1291 oder per E-Mail an cold-case-wald@polizei.sachsen-anhalt.de entgegen. Für Hinweise, die zum Auffinden von Inga oder zur Bekanntgabe ihres Aufenthaltsortes führen, hat die Polizei in Halle 25.000 Euro ausgelobt. Der Smoothie-Hersteller hatte weitere 25.000 Euro ausgeschrieben.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

MDR: "Der Fall Inga: Ermittler hoffen auf Hinweise bei "Aktenzeichen XY"

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