Klimakrise

Deutschlands Landschaft verschwindet – der Klimawandel hinterlässt immer tiefere Spuren

Veröffentlicht:

von Damian Rausch

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Brantner: Merz bremst Klimaschutz

Videoclip • 10:33 Min • Ab 12


Deutschlands Landschaft verändert sich durch den Klimawandel zunehmend sichtbar. Gletscher verschwinden, Flüsse führen weniger Wasser und die Waldbrandgefahr steigt. Langzeitaufnahmen zeigen, wie weit der Wandel bereits fortgeschritten ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschlands vier verbliebene Gletscher haben zwischen 2023 und 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren.

  • Dürren und Starkregen können durch die Erderwärmung gleichermaßen begünstigt werden, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Die

  • Waldbrandgefahr in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen und betrifft inzwischen fast alle Bundesländer.

Klimawandel verändert Deutschland sichtbar

Hitze, ausgetrocknete Flüsse, Waldbrände und schwindende Gletscher: Die Folgen des Klimawandels werden in Deutschland zunehmend sichtbar. Dabei sind es nicht nur einzelne Extremereignisse, die auf die Veränderungen hinweisen. Auch langfristige Entwicklungen verändern Landschaften und Ökosysteme.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) dokumentiert diesen Wandel seit mehreren Jahren mit einer besonderen Fotoserie. Fotografinnen und Fotografen nehmen dafür ausgewählte Orte möglichst jedes Jahr im Spätsommer aus derselben Position und Perspektive auf. Die Aufnahmen zeigen, wie sich Gletscher, Wälder, Seen und Flusslandschaften mit der Zeit verändern.

Dabei ergibt sich nicht überall eine gleichmäßige Entwicklung. Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung weist darauf hin, dass die globale Erwärmung nicht bedeutet, dass es an jedem einzelnen Ort von Jahr zu Jahr kontinuierlich wärmer oder trockener wird. Natürliche Schwankungen bleiben bestehen. Der Klimawandel beeinflusst jedoch die Bedingungen, unter denen solche Schwankungen auftreten, und kann Extreme verstärken.

Auch in den News:

Deutschlands Gletscher verschwinden

Besonders deutlich lässt sich die langfristige Entwicklung in den Alpen beobachten. Deutschland besitzt nur noch vier Gletscher: den Höllentalferner und den Nördlichen Schneeferner im Zugspitzgebiet sowie den Blaueis- und den Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen.

Zwischen 2023 und 2025 verloren die vier Eisflächen zusammen mehr als ein Viertel ihrer Fläche. Besonders stark betroffen sind Blaueis- und Watzmanngletscher. Der Watzmanngletscher könnte schon bald nicht mehr die Kriterien erfüllen, um überhaupt noch als Gletscher zu gelten. Vergleichsweise länger dürfte sich der Höllentalferner halten.

Levermann zufolge ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Zwar könne eine wärmere Atmosphäre grundsätzlich mehr Feuchtigkeit transportieren und damit in höheren Lagen auch für Schneefall sorgen. Dieser Effekt reiche jedoch bei weitem nicht aus, um die durch höhere Temperaturen verursachte Schmelze auszugleichen. Weltweit verlieren deshalb fast alle Gebirgsgletscher an Masse.

Der Verlust betrifft dabei weit mehr als den Wintersport. Gebirgsgletscher fungieren als natürliche Wasserspeicher. Im Winter sammeln sie Schnee und Eis, während sie in den wärmeren Monaten Schmelzwasser an Flüsse und Seen abgeben. Verschwinden die Gletscher, geht langfristig auch diese Pufferfunktion verloren – gerade in trockenen Sommern kann das von Bedeutung sein.

Welche Folgen hat das große Schmelzen?

Besonders deutlich lässt sich die langfristige Entwicklung in den Alpen beobachten. Deutschland besitzt nur noch vier Gletscher: den Höllentalferner und den Nördlichen Schneeferner im Zugspitzgebiet sowie den Blaueis- und den Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen.

Zwischen 2023 und 2025 verloren die vier Eisflächen zusammen mehr als ein Viertel ihrer Fläche. Besonders stark betroffen sind Blaueis- und Watzmanngletscher. Der Watzmanngletscher könnte schon bald nicht mehr die Kriterien erfüllen, um überhaupt noch als Gletscher zu gelten. Vergleichsweise länger dürfte sich der Höllentalferner halten.

Levermann zufolge ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Zwar könne eine wärmere Atmosphäre grundsätzlich mehr Feuchtigkeit transportieren und damit in höheren Lagen auch für Schneefall sorgen. Dieser Effekt reiche jedoch bei weitem nicht aus, um die durch höhere Temperaturen verursachte Schmelze auszugleichen. Weltweit verlieren deshalb fast alle Gebirgsgletscher an Masse.

Der Verlust betrifft dabei weit mehr als den Wintersport. Gebirgsgletscher fungieren als natürliche Wasserspeicher. Im Winter sammeln sie Schnee und Eis, während sie in den wärmeren Monaten Schmelzwasser an Flüsse und Seen abgeben. Verschwinden die Gletscher, geht langfristig auch diese Pufferfunktion verloren – gerade in trockenen Sommern kann das von Bedeutung sein.


Dürren und Starkregen sind kein Widerspruch

Niedrige Wasserstände gehören ebenfalls zu den sichtbaren Folgen veränderter klimatischer Bedingungen. Rhein und Donau erreichten in diesem Sommer teilweise außergewöhnlich niedrige Pegelstände. Am Arendsee in Sachsen-Anhalt zeigen die dpa-Vergleichsbilder wiederum, wie stark sich die Uferlinie zwischen trockenen und niederschlagsreichen Jahren verschieben kann.

Dass mit der Erderwärmung sowohl Dürren als auch heftige Niederschläge wahrscheinlicher werden können, erscheint zunächst widersprüchlich. Physikalisch hängen beide Entwicklungen jedoch zusammen. Wärmere Luft kann pro Grad Erwärmung rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Bei trockenen Bedingungen kann dadurch mehr Wasser aus Böden, Pflanzen und Gewässern verdunsten. Kommt es anschließend zu geeigneten Bedingungen für Niederschläge, steht gleichzeitig mehr Feuchtigkeit für besonders intensive Regenfälle zur Verfügung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder trockene Sommer oder jedes einzelne Starkregenereignis unmittelbar auf den Klimawandel zurückgeführt werden kann. Entscheidend ist die langfristige Verschiebung der Wahrscheinlichkeiten und Intensitäten.


Deutschlands Wälder geraten unter Druck

Auch in den Wäldern lässt sich der Wandel beobachten. In der Eifel stehen beispielsweise junge Buchen zwischen abgestorbenen Fichten. Der Umbau hin zu widerstandsfähigeren Mischwäldern soll dazu beitragen, die Wälder besser an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen.

Das Problem: Wälder benötigen Jahrzehnte, um sich zu entwickeln, können durch Dürren, Feuer oder Schädlinge aber innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit schwer geschädigt werden. Gerade längere Trockenperioden machen die Vegetation anfälliger für Brände.

Wie groß das Problem inzwischen ist, zeigen aktuelle Daten des Thünen-Instituts für Waldökosysteme. Das Institut berichtete Ende Juni 2026, dass die Waldbrandgefahr in Deutschland während der vergangenen 30 Jahre durch den Klimawandel kontinuierlich gestiegen sei. Die Zahl der Tage mit mittlerer bis hoher Waldbrandgefahr habe signifikant zugenommen. Selbst im als vergleichsweise niederschlagsreich geltenden Jahr 2025 wurde demnach so viel Wald durch Feuer zerstört wie nie zuvor. Allein im August gingen rund 5.400 Hektar verloren. Eine witterungsbedingte Zunahme der Waldbrandgefahr lässt sich laut Thünen-Institut inzwischen in fast allen Bundesländern feststellen; eine Ausnahme bildet bislang Schleswig-Holstein.

Die Entwicklung deckt sich mit langfristigen Daten des Deutschen Wetterdienstes. Nach Angaben des Forstwissenschaftlers Jürgen Bauhus von der Universität Freiburg stieg die durchschnittliche Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr von sechs Tagen jährlich im Zeitraum 1961 bis 1990 auf 11,3 Tage zwischen 1991 und 2020.

Deutschland erwärmt sich besonders stark

Die Veränderungen treffen Deutschland vor dem Hintergrund einer bereits erheblichen Erwärmung. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes liegt die Temperatur hierzulande inzwischen rund 2,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Deutschland hat sich damit stärker erwärmt als die Erde im globalen Durchschnitt.

Wie schnell langfristige Veränderungen ablaufen können, zeigen insbesondere die Gletscher. Ihre Entwicklung ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass ihr Verschwinden in Deutschland kaum noch verhindert werden kann. Bei Wäldern, Flüssen und Seen ist das Bild komplexer: Natürliche Schwankungen bleiben sichtbar, gleichzeitig verändern steigende Temperaturen die Ausgangsbedingungen.

Für Klimaforscher Levermann sind die grundlegenden physikalischen Zusammenhänge deshalb nicht mehr Gegenstand einer offenen wissenschaftlichen Debatte. Diskutiert werden könne darüber, mit welchen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen darauf reagiert wird. Technologien für eine klimaneutrale Energieversorgung seien bereits vorhanden – darunter Wind- und Solarenergie, Batteriespeicher und Elektromobilität.

Die Vergleichsbilder aus Deutschland machen währenddessen sichtbar, was Temperaturkurven und Klimamodelle abstrakt beschreiben: Der Klimawandel ist kein ausschließlich zukünftiges Szenario. Er verändert Landschaften bereits heute – teilweise von einem Jahr zum nächsten, an anderen Orten langsam über Jahrzehnte.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa: "Brände, Rekordhitze und so wenig Wasser in den Flüssen wie noch nie"

Thünen-Institut für Waldökosysteme: "Es brennt im Wald! Was tun?"

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