Tiere verhungern
"Es ist eine Tragödie": Delfinsterben im Schwarzen Meer - Russischer Angriffskrieg verantwortlich?
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Russland überzieht Ukraine mit Großangriff (2. Juni)
Videoclip • 01:53 Min • Ab 12
An der Küste des Schwarzen Meeres zeichnet sich ein Massensterben ab: Die rekordhohen Delfin-Totfunde sind eine massive Bedrohung für das Ökosystem – und laut Expert:innen Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Das Wichtigste in Kürze
Immer mehr Delfin- und Schweinswalkadaver werden im Süden der Ukraine sowie auf der gegenüberliegenden Meerseite der Türkei an Land gespült.
Der Biologe Ivan Rusev sieht hier einen direkten Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
Russische Sonare sowie Minen- und Drohnenexplosionen sollen das Gehör der Tiere zerstören und sie orientierungslos im Meer verhungern lassen.
Ivan Rusev läuft an der Küste des ukrainischen Tuzly-Nationalparks entlang, als er im goldgelben Sand einen Delfinkadaver entdeckt. Das Tier liegt auf der Seite, das Maul aufgerissen, die seitlichen Flipper in der Luft.
In einem ZDF-"heute"-Beitrag betont Rusev, dies sei einer von hunderttausenden Delfinen, die an der Küste des Schwarzen Meeres verenden. Der 67-jährige Biologe führt dieses Massensterben auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zurück.
Auch in den News:
Tiere verlieren Gehör und verhungern im Meer
Allein im Mai 2026 sei eine Rekordzahl toter und verletzter Delfine registriert worden, so Rusev gegenüber der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD). In nur zwei Tagen seien es allein im Tuzly-Nationalpark bei Odessa 40 Kadaver gewesen. In der Türkei sollen Forscher:innen für Meeresleben an der Universität Sinop (Türkei) angegeben haben, dass auch an der türkischen Küste immer mehr tote Delfine sowie Schweinswale angespült worden seien.
Expert:innen der Turkish Marine Research Foundation (TÜDAV) vermuten laut GRD, dass die Orientierung der Tiere stark beeinträchtigt werde, etwa durch Sonare an Kriegsschiffen, eine Technik zur Schallortung, die auch Russland im Angriffskrieg auf die Ukraine einsetzen soll. Die Tiere bekommen Panik und könnten so beispielsweise gegen Felsen schwimmen. Auch Explosionen von Drohnen oder Wasserminen sollen das innere Ohr der Delfine zerstören. Die Tiere seien dann völlig orientierungslos und unfähig, Nahrung zu finden – sie verhungern im offenen Meer. Ivan Rusev sei sich sicher: "Das beweist, welchen Einfluss der Krieg hatte."
Der Zusammenhang zwischen den vermehrt auftretenden Delfinstrandungen und dem Beginn der russischen Offensive sei laut Rusev definitiv überzufällig. Auch das Argument, der Tod der Tiere sei vor allem auf Beifang zurückzuführen, entkräftet der Biologe laut GRD: Mit Ausbruch des Krieges im nordwestlichen Teil des Schwarzen Meeres seien kaum noch Fischerboote rausgefahren, weshalb es ohnehin zu wenigen Beifängen kommen müsse.
Delfinsterben – das Ende eines ganzen Ökosystems?
Auch die Zerstörung des Kachowka-Staudamms 2023 durch Russland habe dazu beigetragen, dass Massen an Schadstoffen und Abfällen ins Schwarze Meer gelangen und das gesamte Ökosystem angreifen. Der Lebensraum der Delfine sei Rusev zufolge im Bericht der GRD zu einer menschengemachten Krisenzone für die Umwelt geworden.
Mit Kriegsbeginn 2022 habe ein Massensterben an Delfinen eingesetzt, so Rusev im ZDF. "Es ist eine Tragödie", so der Biologe, und er erklärt auch warum: Die Delfine stünden an der Spitze der Nahrungskette. "Verschwinden sie, sind viele Fischarten betroffen, ihre Fortpflanzung wird sich verändern, kleine Fische werden nach und nach verschwinden, und früher oder später wird das gesamte Ökosystem des Schwarzen Meeres zusammenbrechen."
Verwendete Quellen:
zdf heute: "Delfinsterben an der Schwarzmeerküste"
GRD: "Schwarzes Meer: Lösen Kriegsschiffe das Delfinsterben aus?"
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Analyse: Ökozid: Die katastrophalen Folgen der Zerstörung des Kachowka-Staudamms
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