Gefährdete Art

Erstmalige Aufnahmen: Robert Marc Lehmann äußert sich zu Weißem Hai im Mittelmeer

Aktualisiert:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

Deutschland will helfen, die Meere zu retten (3. Dezember 2025)

Videoclip • 01:41 Min • Ab 12


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Erstmals sollen Unterwasseraufnahmen einen Weißen Hai im Mittelmeer zeigen. Eine Seltenheit – und Zeichen eines ökonomischen Desasters. Laut Meeresbiologe Robert Marc Lehmann könne man sogar mit Weißen Haien in der Nordsee rechnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Mission zur Entfernung von Geisternetzen im Mittelmeer wurde eine Tauch-Crew von einem seltenen Weißen Hai überrascht, der Taucher Derk Remmers hielt den Moment per Video fest.

  • Die in dem Netz gefangenen Meerestiere seien gefundenes Fressen für den Hai – für den das Netz aber schnell selbst zur Gefahr werden könnte.

  • Auch Robert Marc Lehmann äußerte sich zu der Entdeckung – zuvor hatte er mit seinen Statements zu Buckelwal Timmy mediale Aufmerksamkeit auf sich gelenkt.

Erst sieht man nur ein tiefes Blau – und dann die Sensation: einen weißen Hai. Er schwimmt auf die Kamera zu, bevor er, umgeben von zahlreichen kleineren Fischen, direkt am Bild vorbeigleitet.

Die Videoaufnahmen sollen vom Taucher Derk Remmers stammen. Er war mit einer Gruppe anderer freiwilliger Taucher:innen unterwegs, als sie wie aus dem Nichts Zeugen eines seltenen Anblicks wurden. "Meine Finger zitterten, das ist sicher – es war ein riesiges Tier, und wir hatten das überhaupt nicht erwartet", berichtet Remmers gegenüber "Euronews".

Es sind vermutlich die ersten Unterwasseraufnahmen eines ausgewachsenen Hais im Mittelmeer – und ein Warnruf für den marinen Lebensraum.

Auch in den News:

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Hai zu Besuch: "Als hätte er das Gefühl, dort unten der Boss zu sein"

Die Tauchcrew habe sich dem "Euronews"-Bericht zufolge auf einer Mission zur Beseitigung von sogenannten Geisternetzen, im Meer verlorene oder zurückgelassene Fischereiausrüstung, befunden. Geisternetze hören nicht auf zu fischen, nur weil niemand sie einholt. Sie verfangen sich in Riffen oder, wie in diesem Fall, in Schiffswracks und töten weiter zahlreiche Unterwasserbewohner.

Remmers gehört zu den technischen, sogenannten Tec-Tauchern. Gemeinsam mit dem Rest der Gruppe sei er etwa 40 Meter unter der Wasseroberfläche des Mittelmeers zwischen Sizilien und Tunesien gewesen, als es zur Begegnung mit dem Weißen Hai gekommen sein soll.

"Er schwamm vorbei, drehte sich dann um, wandte sich uns zu und kam zurück. Es schien ganz klar, dass er neugierig und nicht aggressiv war – er war wirklich ganz entspannt, als hätte er das Gefühl, dort unten der Boss zu sein", so der Taucher gegenüber "Euronews".

Remmers habe instinktiv zur Kamera gegriffen und damit die vermutlich ersten Unterwasseraufnahmen eines erwachsenen Weißen Hais in seinem natürlichen Lebensraum im Mittelmeer festgehalten, zitieren Medien wie "Euronews" oder die BBC – doch der deutsche Meeresbiologe Robert Marc Lehmann sieht das anders.

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Lehmann: Video sei nicht die erste Hai-Aufzeichnung

"Da muss ich leider enttäuschen", sagt Lehmann, "aber es ist definitiv nicht das erste Mal, dass ein adultes weißes-Hai-Tierchen im Mittelmeer gefilmt wurde". Der auch aufgrund zahlreicher Äußerungen zu Buckelwahl Timmy bekannte Meeresbiologe hat sich nach dem Wal-Fiasko den Haien zugewandt. In einem auf YouTube veröffentlichten Video reagiert er auf die Entdeckung, die seinen Angaben nach zwar selten, aber nicht erstmalig sei. Er kenne sich aus, schließlich habe er sich "eingehend mit Weißen Haien im Mittelmeer beschäftigt, schon mehrere Jahrzehnte".

In dem Video scheint es, als sei Lehmann ein wahrer Hai-Fanatiker. Er berichtet von einem eigenen Hai-Forschungs-Projekt, seinen Hai-Tattoos, einer Hai-Bücher-Sammlung (die er sogar gelesen habe), er habe Haie gefangen, Haie gehalten, der Haie wegen studiert. Um es in Lehmanns wiederholten Worten auszudrücken: "Ich mag Haie sehr."

Eigens einen Weißen Hai gesehen habe der Meeresbiologe bislang nicht. Die Enttäuschung darüber ist groß. Er gönne es seinem wohl altbekannten Kollegen Derk Remmers ("der zweitbeste Tauchausbilder") zwar sehr, "aber ich kotze auch", sagt Lehmann auf YouTube. "Da fummelt er einfach im Mittelmeer herum und filmt einfach einen weißen Hai ohne mich."

Statt Robert Marc Lehmann sollten den Zuschauer:innen aber eher der Hai und viele seiner Artgenossen leidtun. Denn aufgrund der Nahrungsverknappung und Jagd auf die bedrohten Tiere sei das Mittelmeer "wirklich beschissen", so Lehmann, "eines der schlechtesten Meere der Welt, wenn du Fisch oder Meeressäuger bist."

Geisternetze: eine Gefahr für viele Meeresbewohner

Die Hai-Sichtung sei tatsächlich ein Hinweis auf die miserable Lage für die Tiere im Mittelmeer. Laut "Euronews" sei der Bereich in Sizilien, in dem auch Remmers und sein Team unterwegs waren, eines der am stärksten befischten Gebiete im Mittelmeer. "Jahr für Jahr wird die Menge an Netzen, die sich an diesem Wrack verfangen, immer größer", berichtet Derk Remmers über die Mission.

Doch das Geisternetz, das im Auftrag der Healthy Seas Foundation gemeinsam mit Ghost Diving und der Society for Documentation of Submerged Sites (SDSS) beseitigt werden sollte, ist wohl nur eines von vielen. "Zwischen einem und zehn Prozent der Ausrüstung aller Fischereifahrzeuge weltweit gehen jedes Jahr verloren", so der Taucher. "Das könnte sich auf mehr als eine halbe Million Tonnen pro Jahr summieren."

So spektakulär die Sichtung des Weißen Hais im Mittelmeer auch ist, so besorgniserregend ist sie auch. "Wenn ein Raubtier wie dieses in der Nähe dieses Wracks auf Beutejagd ist, bedeutet das auch, dass es dort eine große Menge an Fischen und Tieren gibt, die es jagen könnte. Und wenn diese gefangen sind, besteht auch die Möglichkeit, dass wir einige dieser Raubtiere fangen." Der Weiße Hai ist eine seltene, gefährdete Art. Wenn ein solches Tier sich verfange, "wäre das eine große Katastrophe", so Remmers im Bericht von "Euronews".

Die Geisternetze zu entfernen, sei das Mindeste, was Menschen tun könnten. Dennoch wollten Taucher:innen wie Remmers vor allem an die Öffentlichkeit appellieren. Kleine Familienbetriebe seien weniger das Problem, diese wären darauf bedacht, ihre Ausrüstung nicht zu verlieren, so Remmers. Insbesondere groß angelegten industriellen Fischereien solle entgegengetreten werden, sowie politischen Akteuren. "Wir sollten als Menschen und als Europäer versuchen, unsere Politiker in die Lage zu versetzen, gegen diese Bedrohung vorzugehen und mehr Rücksicht auf unsere Unterwasserwelt zu nehmen", fordert der Tec-Taucher.


Gibt es den Weißen Hai bald in der Nordsee?

Der Hai stellt ein Alarmsignal für das Ökosystem dar, aus wissenschaftlicher Sicht ist er dennoch wertvoll. "Der Großteil unseres Wissens über Weiße Haie im Mittelmeer stammt aus Aufzeichnungen über tote Exemplare, die bei Fischereieinsätzen gefangen wurden", so Carlo Cattano, Forscher am Sizilianischen Meereszentrum, in einer von Healthy Seas veröffentlichten Erklärung. Beobachtungen wie diese gäben einen besonderen Einblick in die Verbreitung, die Lebensgewohnheiten und das Verhalten der gefährdeten Hai-Art.

Auch Robert Marc Lehmann hat Hoffnung. Es gebe "super viele Haie" im Mittelmeer, er werde "irgendwann im Leben einen der drei bis 5.000 weißen Haie weltweit sehen". Doch vielleicht muss er dafür nicht mal ans Mittelmeer reisen.

Auf die Frage eines Zuschauenden in den Video-Kommentaren, ob Weiße Haie bis in die Nordsee schwimmen könnten, hat Lehmann eine klare Antwort: "Auf jeden Fall. Es ist jetzt nicht super unwahrscheinlich. Also, ich meine, es gibt weiße Haie vor England. Warum sollte es dann keinen Weißen Hai in der Nordsee geben?"


Verwendete Quellen:

Euronews: "Divers made the first video ever of this shark in the Med - then got back to work on the real threat"

YouTube Robert Marc Lehmann – Mission Erde: "Erster Weißer Hai im Mittelmeer gesichtet?! Robert Marc Lehmann reagiert"

Healthy Seas: "Divers Removing Ghost Nets Capture First Underwater Footage of Great White Shark in the Mediterranean"

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