Tödlicher Brand
"Charlie Hebdo"-Karikatur zu Crans-Montana sorgt im Netz für Entrüstung
Veröffentlicht:
von Christopher Schmitt:newstime
Crans-Montana: Bar-Betreiber in U-Haft (9. Januar)
Videoclip • 01:43 Min • Ab 12
Schwarzer Humor, der wehtut, oder geschmacklose Verhöhnung der Opfer? Eine Karikatur des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" zum tödlichen Brand von Crans-Montana schlägt hohe Wellen.
Das Wichtigste in Kürze
Im Netz sorgt eine Karikatur des französischen Satiremagazins zur tödlichen Tragödie von Crans-Montana für Empörung.
Der Zeichner "Salch" bezieht sich auf die französische Komödie "Les Broncés font du Ski" und zeigt verbrannte Skifahrer.
Die Schweizer Schriftstellerin Riand hat Anzeige erstattet, der Chefredakteur von "Charlie Hebdo" verteidigt die Zeichnung.
Eine Karikatur des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" zur verheerenden Brandkatastrophe im schweizerischen Skiort Crans-Montana hat im Internet für große Empörung gesorgt. Die Zeichnung mit dem Titel "Die Verbrannten fahren Ski" ("Les Brulés font du Ski"), die am 9. Januar gepostet wurde, bezieht sich auf den Brand, bei dem 40 Menschen starben und 119 Personen verletzt wurden.
Tausende Nutzer:innen reagierten auf Facebook mit wütenden Emojis auf die Zeichnung. "Das ist echt miserabel", schrieb ein Nutzer. Ein anderer warf dem Satiremagazin Empathielosigkeit vor, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Was zeigt die kontroverse Karikatur?
Das umstrittene Bild des Zeichners "Salch" zeigt zwei verkohlte Menschen mit Verbänden, die einen Abhang hinunterfahren, mit einem Schild "Crans-Montana" und der Unterschrift "Die Komödie des Jahres". Damit spielt die Karikatur auf die französische Komödie "Les Broncés font du Ski" (auf Deutsch: "Die Sonnengebräunten fahren Ski") aus den 1970er-Jahren an.
Chefredakteur: "Satire soll schockieren"
Der Chefredakteur von "Charlie Hebdo", Gérard Biard, räumte ein, dass der Karikaturist sehr weit gegangen sei, verteidigte die Zeichnung aber als schwarzen Humor. "Natürlich kann das schockieren, aber Satire soll ja auch schockieren", sagte er. Das Magazin mache sich nicht über die Opfer lustig, sondern zeige die Absurdität der Tragödie.
Schriftstellerin reicht Strafanzeige ein
Die Schweizer Schriftstellerin Béatrice Riand hat zusammen mit ihrem Mann, einem Juristen, Strafanzeige wegen der Karikatur eingereicht. "Ich finde das zutiefst abscheulich", sagte Riand im Schweizer Fernsehen RTS. Sie stellt die grundsätzliche Frage: "Hat die Menschenwürde Vorrang vor der Meinungsfreiheit oder nicht?"
Der Fall entfacht erneut eine grundsätzliche Debatte über die Grenzen der Satirefreiheit. Während Kritiker:innen die Menschenwürde der Opfer verletzt sehen, verweisen Verteidiger des Satiremagazins auf die Bedeutung der Meinungs- und Pressefreiheit. Für diese steht "Charlie Hebdo" seit dem islamistischen Terroranschlag 2015, bei dem zwölf Menschen getötet wurden, und der folgenden Solidaritätswelle ("Je suis Charlie") auch symbolisch.
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana
Bei der Brandkatastrophe in der Silvesternacht 2025/2026 kamen in der Bar "Le Constellation" 40 Menschen ums Leben, die meisten davon jung, zwischen 16 und 26 Jahre alt. 119 weitere Personen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Nach ersten Erkenntnissen wurde der Brand durch funkensprühende Partyfontänen ausgelöst, die Schaumstoff an der Decke in Brand setzten.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
Facebook: Charlie Hebdo
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