Zwischenfall auf der Ostsee

Brisante Lage auf der Ostsee: Öltanker vor Rügen in Schwierigkeiten

Veröffentlicht:

von Nadine von Parseval

:newstime

Havarierter Tanker vor Oman wird geborgen

Videoclip • 33 Sek • Ab 12


Plötzlich geht nichts mehr! Ein mit russischem Rohöl beladener Tanker bleibt mitten auf der Ostsee liegen. Während ein deutscher Notfallschlepper ausrückt, sorgen russische Kriegsschiffe in der Nähe für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein mit russischem Rohöl beladener Tanker ist zwischen Rügen und der dänischen Insel Møn wegen Antriebsproblemen liegen geblieben.

  • Deutsche und dänische Behörden beobachteten den Zwischenfall, während sich auch russische Marineeinheiten in der Nähe aufhielten.

  • Nach einem vorübergehenden Stillstand setzte der Tanker seine Fahrt am frühen Montagmorgen offenbar wieder fort.

Ein mit russischem Rohöl beladener Tanker ist zwischen Rügen und Dänemark liegen geblieben.

Bild: Stefan Sauer/dpa


Der Öltanker "Sled" war vom russischen Hafen Primorsk auf dem Weg nach Skagen in Dänemark, als es in der Nacht zu Sonntag, den 18. Oktober, zu Problemen mit dem Antrieb kam. Nach Informationen der "Kieler Nachrichten" zeigen Daten des Automatischen Identifikations-Systems (AIS), dass das Schiff gegen 1:30 Uhr in der Kadetrinne zwischen Rügen und der dänischen Insel Møn deutlich langsamer wurde und schließlich stoppte. Der starke Ostwind trieb den Tanker daraufhin von der deutschen Küste weg in Richtung Dänemark.

Notfallschlepper rückt aus – dänische Marine beobachtet Lage

Die Verkehrszentrale Warnemünde reagierte auf den Zwischenfall und entsandte den Notfallschlepper "VB Bremen Fighter". Dieser machte sich vom Hafen Mukran bei Sassnitz auf Rügen auf den Weg zum Tanker.

Die dänische Marine übernahm die Beobachtung des Schiffes, das rund eine halbe Seemeile außerhalb der dänischen Hoheitsgewässer vor Anker lag. "Wir beobachten die Lage", erklärte das dänische Marinekommando in Karup. Über die Seefunkstation Lyngby Radio bestand weiterhin Kontakt zur Besatzung.


Russische Kriegsschiffe in der Nähe des Tankers

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Vorfall durch die Anwesenheit russischer Marineeinheiten. Am Sonntagmorgen hielt sich das russische Landungsschiff "Aleksandr Shabalin" in der Nähe der "Sled" auf. Das Kriegsschiff wird unter anderem zur Begleitung russischer Handelsschiffe eingesetzt.

Auch bei Fehmarn wurde ein weiteres russisches Marineschiff beobachtet. Die Bundespolizei war ebenfalls im Einsatz. Dabei geriet ein weiterer Tanker ins Blickfeld der Einsatzkräfte: Die aus Russland kommende "Myra" hatte während ihrer Fahrt die Flagge gewechselt – von Madagaskar nach Kamerun. Das Einsatzschiff "Bamberg" der Bundespolizei verfolgte ihre Bewegungen.

Öltanker setzt Fahrt offenbar wieder fort

Nach dem zwischenzeitlichen Stillstand gibt es inzwischen laut "Bild" Hinweise auf eine Entspannung der Situation. Schiffspositionsdaten zufolge war die "Sled" am frühen Montagmorgen wieder in Bewegung. Der Tanker fuhr demnach durch die Kadetrinne in westliche Richtung. Ob die technischen Probleme vollständig behoben werden konnten, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.


Nicht der erste Zwischenfall mit russischem Öl vor Rügen

Bereits im Januar 2025 hatte ein anderer Öltanker vor der Ostseeinsel für einen Großeinsatz gesorgt. Die 274 Meter lange "Eventin", die der sogenannten russischen Schattenflotte zugerechnet wird, war mit rund 99.000 Tonnen Rohöl an Bord manövrierunfähig geworden.

Das unter der Flagge Panamas fahrende Schiff befand sich auf dem Weg von Russland nach Ägypten. Nach einem Stromausfall fiel die Technik aus, sodass der Tanker zeitweise unkontrolliert auf der Ostsee trieb. Einsatzkräfte konnten das Schiff schließlich sichern und vor Sassnitz schleppen. Nach Angaben des Havariekommandos trat kein Öl aus. Eine unmittelbare Gefahr für die Umwelt bestand demnach nicht.

Auch in den News:

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace warnen dennoch seit Langem vor den Risiken der russischen Schattenflotte. Viele der eingesetzten Tanker gelten als veraltet und können bei technischen Defekten eine erhebliche Gefahr für die Ostsee darstellen.


Verwendete Quellen:

Bild: "Tanker mit Öl aus Russland treibt auf der Ostsee"

Der Spiegel: "Öltanker treibt manövrierunfähig vor Rügen"

Mehr entdecken