Nach langer Pause

Block-Prozess wird fortgesetzt: Weitere Zeugenaussagen angekündigt

Veröffentlicht:

von dpa

Bis Dezember 2026 soll das Block-Verfahren voraussichtlich dauern.

Bild: Georg Wendt/dpa


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Der Prozess in Hamburg im Zusammenhang mit der Entführung der Block-Kinder wird fortgesetzt. An bislang 36 Verhandlungstagen wurden zahlreiche Details zu den Hintergründen des Falls, zur Rolle der Mutter Christina Block sowie zu den mutmaßlichen Entführern bekannt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zum Jahreswechsel 2025/2026 kam es zur Entführung der Kinder der Unternehmer Christina und Hensel Block.

  • Mitarbeiter:innen eines israelisches Sicherheitsunternehmens sollen sie im Auftrag der Mutter vom Vater entfernt haben sollen.

  • Der Prozess dauert an.

Knapp acht Monate Prozess, Dutzende Zeugen, unzählige Anträge - doch ein Ende des Hamburger Verfahrens um die Entführung der Block-Kinder ist noch lange nicht absehbar. Nach dreiwöchiger Pause geht es am Montag (13 Uhr) mit dem bereits 37. Verhandlungstag weiter. Dann soll eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamtes als Zeugin aussagen, die die Kinder nach ihrer Rückkehr zur Mutter sprach.

Die Unternehmerin Christina Block steht vor Gericht, weil sie während eines erbitterten Sorgerechtsstreits der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupola den Auftrag gegeben haben soll, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark zu entführen. Es gibt sechs Mitangeklagte.

Nach wie vor zieht der Mammut-Prozess zahlreiche Zuschauer:innen in das Landgericht - wenn auch nicht mehr ganz so viele wie zu Anfang. Mehrmals ermahnte die Vorsitzende Richterin nach Zwischenrufen oder Applaus, dass es sich hier nicht um ein Theaterspektakel handele. Der Medienrummel ist groß: Der Fall füllt Live-Ticker und Podcasts.

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Christina Block: Was hat sie im Prozess ausgesagt?

Christina Block erklärte zu Beginn des Prozesses, dass sich die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur um die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée kümmern sollte. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien. Eine Mitarbeiterin dieser Firma habe sie am Neujahrsmorgen 2024 angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle zu einem Treffen mit ihren Kindern nach Süddeutschland fahren. Das habe sie damals völlig überrascht.

Die Anklage gegen Block lautet unter anderem gemeinschaftliche schwere Entziehung von Minderjährigen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Chef der mutmaßlichen Entführer wurde nicht angeklagt

Mitten im laufenden Prozess meldete sich der gesuchte Chef des Sicherheitsunternehmens aus Israel, David Barkay, bei den deutschen Ermittlungsbehörden. Er soll die Rückholung organisiert und durchgeführt haben. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. Für seine Zeugenaussage bekam der 68-Jährige wie drei weitere Israelis sicheres Geleit. Sie müssen jetzt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.

Das sagt der mutmaßliche Drahtzieher zur Entführung

Barkay sagte, er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes in Dänemark auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als das nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer größer geworden. Die Cybersicherheit bei der Block-Gruppe sei auch Thema gewesen - allerdings nicht zu Anfang.

Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt Andreas Costard sei sein wichtigster Ansprechpartner gewesen, berichtete der Zeuge. Der habe ihm immer wieder erklärt, dass eine Rückholung nach Deutschland legal sei. Auch der Vater von Christina Block, der Gründer der Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, sei informiert gewesen. Ihn nannte der Zeuge immer nur "Patriarch".

Was geschah beim angebliches Treffen Ende 2023?

Barkay sagte aus, die angeklagte Mutter habe von der geplanten Rückholaktion gewusst. Sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée mit Christina Block getroffen. Die Männer seien maskiert gewesen. Block habe dem Team dafür gedankt, dass es gekommen sei, um die Kinder zu retten, berichtet der 68-Jährige. Er habe es so verstanden, dass er im Namen der Familie handele.

Ein anderer mutmaßlicher Entführer aus Israel, der als einziger Angeklagter in Untersuchungshaft sitzt, hatte in seiner Aussage vor Gericht dieses Treffen zunächst nicht erwähnt. Erst nach der Zeugenaussage des anderen Israelis gab der 36-Jährige an, er habe das Treffen weggelassen, um Christina Block zu schützen.

Wie verläuft die Aussage des Chefs der mutmaßlichen Entführer?

An sieben Prozesstagen erschien Barkay unter hohen Sicherheitsauflagen vor Gericht. Die genauen Gründe sind unklar - eine Gerichtssprecherin sagte lediglich, das habe nichts mit dem aktuellen Verfahren, sondern mit der Biografie des Zeugen zu tun.

Richter:innen, Staatsanwält:innen und Nebenklage befragten ihn bereits stundenlang. Das verlief zäh, in vielen Punkten blieb der Mann vage oder gab Erinnerungslücken an. Es warten noch eine ganze Reihe von Prozessbeteiligten auf ihr Fragerecht - er wird also noch mehrmals wiederkommen müssen.

Welche Zeugenaussage steht noch aus?

"Olga" nannte sich die Frau in Hamburg, die als "rechte Hand" des Chefs des israelischen Sicherheitsunternehmens arbeitete. Sie wurde zu einer engen Vertrauten von Christina Block. Auch sie bekam sicheres Geleit und wird bald als Zeugin am Landgericht aussagen. Zudem werden zwei weitere beschuldigte Israelis aus dem Team auf dem Zeugenstuhl Platz nehmen.

Was in der Silvesternacht 2023/2024 passiert sein soll

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lauerten mindestens fünf Männer dem Vater und den Kindern in Süddänemark auf. Die Täter sollen Hensel zusammengeschlagen und den Jungen (10) und das Mädchen (13) in ein Auto gezerrt haben. Die Täter seien in zwei Wagen mit deutschen Kennzeichen geflohen.

Nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft sollen die Entführer die Fahrzeuge in der Nähe der Grenze gewechselt haben. Dabei verschlossen sie den Kindern mit Klebeband den Mund. Die Tochter sei an den Händen gefesselt worden. Mit einem Wohnmobil fuhr die Gruppe demnach weiter nach Baden-Württemberg. Dort blieben die Kinder bis zum Eintreffen der Mutter am 1. Januar 2024, dann ging es weiter nach Hamburg.

Was sagen die Angeklagten bisher zu den Vorwürfen?

Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe, so wie sie die Staatsanwaltschaft formuliert, zurück. Der 36-jährige Israeli hat zwar zugegeben, an der Rückholaktion beteiligt gewesen zu sein. Allerdings seien seine Motive edel gewesen. Er habe sich als Superman gefühlt, der Kinder aus den Händen ihres gefährlichen Vaters rette und zu ihrer verzweifelten Mutter zurückbringe. Ihm sei vom mutmaßlichen Chef der Entführer versichert worden, dass die Aktion nach deutschem Recht legal sei.

Christina Block und der 36-jährige Israeli sind ebenso wie der Familienanwalt Costard die Hauptangeklagten. Die vier anderen Angeklagten müssen sich wegen Beihilfe verantworten - darunter auch der Lebensgefährte von Christina Block, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling (66).

Die Rolle des Vater der Kinder im Prozess

Weil Hensel bei der Tat verletzt wurde, ist er Nebenkläger und an den meisten Prozessterminen im Gerichtssaal. Am 5. Januar 2024 hatte das Hanseatische Oberlandesgericht aufgrund seines Eilantrags entschieden, dass ihm die Kinder zurückgegeben werden müssen. Das geschah noch am selben Tag.

Hensel hat mit Block vier gemeinsame Kinder. Die beiden jüngsten brachte er im August 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück. Er machte der Mutter Gewaltvorwürfe. Die 52-Jährige bestreitet das und beschuldigt den Vater, die Kinder manipuliert zu haben. Seit 2021 hatte Block eigenen Angaben zufolge keinen Kontakt zu ihrer Tochter und ihrem Sohn.

Wie lange könnte der Prozess noch dauern?

Das Landgericht Hamburg hat mehrmals neue Termine angesetzt. Für das am 11. Juli 2025 gestartete Verfahren sind nun Daten bis Ende 2026 vereinbart. Sollte man die wirklich alle brauchen, wären das 107 Verhandlungstermine. Das Landgericht stellte klar: "Damit ist keine verbindliche Aussage über die tatsächliche Verfahrensdauer getroffen." Es könne durchaus auch kürzer oder länger dauern.

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Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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