Flugsicherheit

Sitze in Boeing-Fliegern könnten sich lösen: Hunderte 737 MAX betroffen

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Lose Sitze: Sicherheitsrisiko bei Boeing 737 Max

Videoclip • 01:32 Min • Ab 12


Neuer Rückschlag für Boeing: Die US-Luftfahrtbehörde FAA warnt davor, dass sich in Hunderten 737-MAX-Jets die Sitze bei einer Notlandung oder starken Turbulenzen aus der Verankerung lösen könnten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die US-Luftfahrtbehörde FAA warnt vor falsch montierten Sitzen in Hunderten Boeing 737 MAX.

  • Bei Turbulenzen oder einer Notlandung könnten sie sich lösen.

  • Für den krisengeplagten US-Flugzeugbauer Boeing ist das ein neuer Rückschritt - gerade auch im Konkurrenzkampf mit Airbus.

Warnung vor losen Sitzen in Boeing-Maschinen

Dieses Sicherheitsproblem dürfte bei vielen Flugpassagier:innen für Unbehagen sorgen: In Hunderten Maschinen des Typs Boeing 737 MAX könnten Sitze falsch montiert sein. Davor warnt die US-Luftfahrtbehörde FAA in einer jetzt veröffentlichten Direktive und fordert die Inspektion der Jets. Im Ernstfall – bei einer Notlandung oder starken Turbulenzen – könnten sich die betroffenen Sitze aus ihrer Verankerung lösen, Passagier:innen verletzen und Fluchtwege blockieren.

Die Anordnung betrifft 453 in den USA registrierte Flugzeuge, die inspiziert werden müssen. Ein Sprecher von Boeing erklärte, der Konzern habe die Fluggesellschaften bereits im Dezember 2025 über das Problem informiert und unterstütze die Anordnung der FAA.

Auch in den News:

Nächster Boeing-Rückschlag in einer langen Reihe

Die Anordnung trifft Boeing in einem empfindlichen Moment. Der Flugzeugbauer steht seit einer Reihe von Produktionspannen unter verschärfter Beobachtung der Behörden. Der Ausgangspunkt: Anfang 2024 brach bei einer 737 MAX im Flug ein Rumpfteil heraus – ein Vorfall, der weitreichende Sicherheits- und Qualitätsmängel in der Fertigung ans Licht brachte.

In der Folge verhängte die FAA eine beispiellose Produktionsobergrenze gegen Boeing. Diese wurde erst schrittweise gelockert. Im Mai 2026 erhielt der Konzern die Genehmigung, die Fertigung der 737 MAX auf 47 Maschinen pro Monat zu steigern – zuvor lag die Obergrenze bei 42. Stephanie Pope, Chefin der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, erklärte Mitte Juli auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough, das Team konzentriere sich darauf, dieses Niveau zunächst zu stabilisieren. Danach solle die Produktion auf 52 Flugzeuge pro Monat gesteigert werden.

Boeing liefert mehr aus – liegt aber weiter hinter Airbus

Trotz der Probleme zeigen die jüngsten Auslieferungszahlen nach oben. Im ersten Halbjahr 2026 übergab Boeing 314 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden – zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und so viele wie seit 2018 nicht mehr. Allein im Juni waren es 64 Maschinen.

Allerdings hinkt Boeing damit weiter deutlich hinter dem europäischen Rivalen Airbus her, der kürzlich auch Probleme wegen Rissen in seinen Flugzeugen hatte. Der französisch-deutsche Konzern lieferte im ersten Halbjahr 351 Flugzeuge aus – ein Plus von 15 Prozent. Im Juni übergab Airbus 89 Maschinen an die Kunden, also ein Drittel mehr als Boeing.

Auch bei den Bestellungen liegt Airbus vorne: Boeing verbuchte im ersten Halbjahr netto 408 Aufträge, Airbus kam auf 822. Für die 737 MAX hat Boeing insgesamt 7.206 Bestellungen erhalten – mehr als für den Vorgänger 737 Next Generation, der von 1997 bis 2020 gebaut wurde.


Kundenvertrauen hat gelitten

Boeing-Managerin Pope hatte im Vorfeld der Messe in Farnborough betont, die Nachfrage sei nicht das Problem: Die Auftragsbücher seien extrem voll. Das vorrangige Ziel auf der Luftfahrtmesse sei es nicht, neue Aufträge zu verkünden, sondern Kunden und Zulieferern zuzuhören, um deren Herausforderungen zu verstehen. Der Fokus des Konzerns liege auf der Steigerung und Verbesserung der Flugzeugproduktion. Die neuen Sitzprobleme dürften dieses Ziel nicht erleichtern.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur Reuters

Mehr entdecken