Gefahr aus dem Blumentopf

Ausbreitung nach Schleswig-Holstein: Aggressive Ameisenart in Wedel und Wulfsdorf entdeckt

Veröffentlicht:

von dpa

Die aggressive Drüsenameise ist auf dem Vormarsch gen Norden.

Bild: Uli Deck/dpa


- Anzeige -
- Anzeige -

Die invasive Ameise Tapinoma magnum hat Schleswig-Holstein erreicht. Erste Kolonien wurden jetzt in Wedel und Scharbeutz gemeldet. Die Drüsenameise gilt als aggressiv und kann sogar Stromausfälle verursachen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Schleswig-Holstein laufen erste Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Drüsenameise.

  • Superkolonien bestehen aus Hunderttausenden bis Millionen Tieren.

  • Expert:innen raten Privatleuten von Insektiziden ab.

Ursprünglich kommt sie aus dem Mittelmeerraum: die Ameisenart Tapinoma magnum, auf Deutsch Große Drüsenameise. 2009 wurde sie erstmals in Deutschland nachgewiesen. Insbesondere in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen kommen die Ameisen Experten zufolge vor. Doch nun ist die invasive Art auch im Norden angekommen.

Tapinoma magnum erreicht den Norden

Die Ameisenart dringt in Häuser ein und bedroht technische Infrastruktur. So kam es im badischen Kehl bereits zu Stromausfällen, weil sie ihre Nester auf elektrische Anlagen ausbreitete. Die Krabbeltiere gelten zudem als bissig und aggressiv. Ihre Superkolonien haben Hunderttausende bis Millionen Tiere.

- Anzeige -
- Anzeige -

Zwei bestätigte Vorkommen in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein gibt es mittlerweile zwei bestätigte Vorkommen – eines in Wedel und eines in Wulfsdorf (Scharbeutz), wie das Landesamt für Umwelt (LfU) in Flintbek mitteilte. Sie wurden 2024 (Wedel) und 2025 (Wulfsdorf) verifiziert. In Mecklenburg-Vorpommern ist nach Angaben eines Sprechers des dortigen Umweltministeriums bisher noch kein Fund angezeigt worden. In Niedersachsen war zuletzt ein Vorkommen bekannt.

Behörden bekämpfen die Kolonien

In beiden bekannten Fällen in Schleswig-Holstein laufen nach LfU-Angaben Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung und damit auch die Ausbildung von Superkolonien zu verhindern. Doch: „Die Bekämpfung der Art Tapinoma magnum erweist sich als sehr schwierig." Insbesondere ein Austausch mit den bereits seit Längerem betroffenen Regionen in Süddeutschland sei wichtig, um die Anwendung von Bekämpfungsmaßnahmen zu verbessern und neue Methoden zu testen.

LfU erwartet weitere Ausbreitung

„Wir gehen zukünftig von einer weiteren Ausbreitung der Art Tapinoma magnum aus", sagte eine LfU-Sprecherin. Diese werde durch den Pflanzenhandel und den Transport von Boden verbreitet. Die Art steht stellvertretend für eine ganze Reihe invasiver Arten, auch weiterer Ameisenarten. Sie werden vor allem durch den internationalen Pflanzenhandel und den Transport von Boden eingeschleppt.

Was Bürger tun können

„Wir brauchen ein verstärktes Bewusstsein darüber, dass jeder Bürger mit jedem Blumentopf invasive Arten verbreiten und so eine Besiedlung seines Grundstücks erfolgen kann", sagte die LfU-Sprecherin. Neu erworbene Pflanzen sollten daher vor dem Auspflanzen in den Garten sorgfältig auf Tierarten kontrolliert werden. Auch nach Entfernen des Topfes sollten die Wurzelballen noch einmal begutachtet werden.

Keine weiteren invasiven Ameisen im Norden

Weitere invasive Ameisenarten sind im Norden bislang nicht bekannt. „Es sind uns keine Vorkommen von weiteren invasiven, also sich selbstständig ausbreitenden und mit negativen Auswirkungen verbundenen, gebietsfremden Ameisenarten bekannt", sagte die LfU-Sprecherin.

Anders sieht es im Süden der Republik aus. Dort wurde unter anderem die Lasius neglectus (Vergessene Wegameise) an mehreren Orten nachgewiesen. „Diese Art kann ähnlich große Superkolonien wie Tapinoma magnum bilden, ist ebenso lästig, belastend und schwer zu bekämpfen", teilte das baden-württembergische Umweltministerium im vergangenen Jahr mit.

Woran man Tapinoma magnum erkennt

Ganz einfach ist die Bestimmung nicht, denn in Deutschland gibt es mehr als 120 Ameisenarten. Hinweise hat die Stadt Kehl in einem Flyer zusammengefasst, auf den das LfU verweist. Insbesondere der Geruch der Ameisen sowie ihr Verhalten und das Aussehen der Puppen sind wichtige Merkmale zur Unterscheidung von einheimischen Arten. So verströmen zerdrückte Tapinoma-Ameisen einen chemisch-süßlichen Geruch, der an Aceton erinnert.

Bei Tapinoma magnum unterscheiden sich die Arbeiterinnen häufig in ihrer Größe. Sind die Ameisen auf der Ameisenstraße alle etwa gleich groß, handelt es sich wahrscheinlich um eine heimische Art. Auch die Breite der Ameisenstraße kann ein Indiz sein: Die einheimische Schwarze Wegameise bildet meist einspurige Straßen, Tapinoma magnum bewegt sich hingegen auf mehrspurigen „Ameisen-Autobahnen".


Bekämpfung: Info statt Insektizide

Besteht weiterhin der Verdacht auf Tapinoma magnum, sollte man sich zur sicheren Artbestimmung und zum weiteren Vorgehen an die Behörden wenden – in Schleswig-Holstein etwa an das LfU (Mail: invasive.arten@lfu.landsh.de). Da es sich bei der Entdeckung neuer gebietsfremder Arten meist um Zufallsfunde handelt, sind Meldungen von Bürger, etwa im Rahmen von Citizen Science, von besonderer Bedeutung.

Experten raten Privatleuten davon ab, Insektizide einzusetzen, da sich ganze Kolonien damit meist nicht dauerhaft beseitigen lassen und die Mittel in Innenräumen gesundheitsschädlich sein können. Forscher empfehlen, bei einem Befall die Kommune zu informieren. Einige Orte setzen etwa Heißwassergeräte ein, um die Ameisenart gezielt zu bekämpfen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken