Verkehrspolitische Wende

Flotte soll krisenfester werden: Hamburg kauft wieder Verbrennerbusse

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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Jahrelang war der Wechsel auf E-Busse das oberste Ziel für die Hamburger Hochbahn – jetzt aber geht es auch um Krisenfestigkeit.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Hamburger Hochbahn will bis 2029 bis zu 150 neue Verbrennerbusse kaufen.

  • Sie sollen mit dem synthetischen Kraftstoff HVO100 betankt werden können.

  • Seit 2020 hatten die Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb angeschafft.

Nach einem Volksentscheid muss Hamburg sein Klimaziel um fünf Jahre vorziehen. 2040 soll die Stadt klimaneutral sein. Doch nun gibt es eine Wende in der Verkehrspolitik, die dabei kaum hilft: Erstmals seit 2020 will die Hamburger Hochbahn wieder Verbrennerbusse anschaffen. Die neuen Fahrzeuge, bis zu 150 Stück, sollen bis 2029 ausgeliefert werden. Seit 2020 hatten die Hochbahn und die ebenfalls mehrheitlich städtischen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb angeschafft.

"Die Busflotten von Hochbahn und VHH sollen bis 2030 vollständig auf Busse mit emissionsfreien Antrieben umgestellt werden", hieß es in einem Beschluss der Bürgerschaft vom 11. September 2019. Das Ziel wurde bereits vor zwei Jahren auf "Anfang der 2030er Jahre" verschoben. Die Hochbahn selbst bekräftigt weiter auf ihrer Internetseite: "Wir tauschen bis Anfang der 2030er Jahre alle rund 1.100 Dieselbusse gegen E-Busse aus." Alle Fahrzeuge würden emissionsfrei sein. Doch dieses Ziel dürfte mit den neuen Verbrennerbussen auf absehbare Zeit nicht erreicht werden.

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Neue Busse sollen deutlich klimafreundlicher sein

Bei den nun bestellten Fahrzeugen handele es sich um Busse, die mit dem synthetischen Kraftstoff HVO100 betankt werden können, erklärte der Sprecher des städtischen Unternehmens, Andreas Ernst. HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oils, also mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle. Diese Art von Dieselkraftstoff gilt als klimafreundlich, weil er im Wesentlichen aus Altfetten stammt. Jedoch setzt das voraus, dass auch der verwendete Wasserstoff "grün" ist, also mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird.

Der Hochbahn-Sprecher begründete die Anschaffung der 150 modernen Dieselbusse so: "Ziel ist die Stärkung der Resilienz-Fähigkeit und der kritischen Infrastruktur, wozu auch die Aufrechterhaltung einer ÖPNV-Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten gehört." Zugleich blieben die Elektrifizierung der Busflotte sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Modernisierung der Betriebshöfe zentrale Bausteine der Unternehmensstrategie.

Auch in den News:

VHH hält an E-Bus-Strategie für Hamburg fest

Die VHH bekräftigten, dass sie auch in Zukunft für Hamburg batteriebetriebene E-Busse beschaffen werden. Mit HVO betankbare Dieselbusse sollen dort nicht eingesetzt werden. Allerdings sind die fünf angrenzenden Landkreise in Schleswig-Holstein Miteigentümer des Unternehmens. Dort sind die VHH-Busse ebenfalls im Einsatz – und im Umland gilt das Hamburger Klimaziel nicht.

Aus der Hamburger Verkehrsbehörde hieß es: "Mit 432 E-Bussen im Einsatz – rund 39 Prozent der gesamten Flotte – nimmt die Hochbahn bereits heute eine bundesweite Vorreiterrolle bei der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs ein." Bis 2031 sei die Anschaffung von weiteren 240 E-Bussen geplant, sofern die notwendige Bundesförderung bereitstehe. Sollte dies so kommen und keiner der vorhandenen E-Busse ausgemustert werden, läge die Elektrifizierungsquote der Hochbahn dann bei rund 60 Prozent.



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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