Schreiben aus Moskau
Wegen Kaliningrad: Russland droht NATO mit Atomwaffen
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Polen warnt: Russland wird NATO angreifen
Videoclip • 31 Sek • Ab 12
Russland hat der NATO vorgeworfen, die Lage rund um die Exklave Kaliningrad zu verschärfen, und mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Das Verteidigungsbündnis seinerseits reagiert scharf.
Das Wichtigste in Kürze
Russland wirft der NATO eine Eskalation rund um Kaliningrad vor.
Bei einer möglichen Isolation der russischen Exklave wird sogar mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht.
Die scharfe russische Reaktion geht auf ein Ereignis im August zurück.
Russland hat die NATO wegen ihrer Aktivitäten im Ostseeraum scharf kritisiert und erneut mit militärischer Eskalation gedroht. In einem Schreiben an das Bündnis wirft Moskau der NATO eine "beispiellose Eskalation der militärisch-politischen Lage rund um die russische Region Kaliningrad" vor. Der Text des über die russische Botschaft in Belgien übermittelten Schreibens liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor.
Kaliningrad ist eine russische Exklave an der Ostsee. Das Gebiet liegt zwischen den NATO-Staaten Polen und Litauen und ist vom russischen Kernland getrennt. Die Armee von Russlands Machthaber Wladimir Putin hat in Kaliningrad Kampfflugzeuge und Iskander-Marschflugkörper stationiert, die Atomwaffen transportieren können.
Die russische Regierung erklärte in dem Schreiben, der eingeschlagene Kurs berge ein hohes Risiko für einen direkten bewaffneten Konflikt. Dabei seien bereits zu Beginn eines solchen Konflikts russische Angriffe auf "Entscheidungszentren" in NATO-Mitgliedstaaten möglich, wird unverhohlen gedroht.
Auch in den News:
Kaliningrad: Moskau droht der NATO mit "gesamtem Arsenal"
Besonders deutlich wird Russland bei der Frage einer möglichen Isolation Kaliningrads. In dem Schreiben heißt es: "Russland wird bereit sein, das gesamte ihm zur Verfügung stehende Arsenal an Streitkräften und Fähigkeiten, einschließlich Atomwaffen, einzusetzen, um sein Territorium zu verteidigen."
Dies gelte für den Fall, dass NATO-Staaten versuchten, Kaliningrad vom Rest Russlands abzuschneiden. Moskau forderte die Mitgliedstaaten des Bündnisses zugleich auf, von weiteren "destabilisierenden und eskalierenden Maßnahmen" abzusehen, um eine groß angelegte Konfrontation zu vermeiden.
NATO weist Putins Drohungen scharf zurück
Die NATO wies die russischen Vorwürfe aufs Schärfste zurück. Sprecherin Allison Hart erklärte, das Bündnis sei ein Verteidigungsbündnis. Keine NATO-Aktivität und keine Übung stellten eine Gefahr für irgendeinen Teil Russlands dar.
Mit Blick auf die russische Drohung sagte Hart: "Wir verurteilen die Androhung von Gewalt aufs Schärfste, einschließlich jeglicher unverantwortlicher nuklearer Rhetorik."
Sie forderte Russland auf, seinen "unprovozierten Krieg" gegen die Ukraine zu beenden. Die von Moskau eingesetzten hybriden Taktiken seien ein "Zeichen der Verzweiflung". Die NATO werde sich dadurch aber nicht von der Unterstützung der Ukraine abbringen lassen. "Wir verfügen über alle erforderlichen Mittel, um jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen", erklärte Hart.
NATO-Manöver im August als Auslöser
In der NATO wird laut dpa davon ausgegangen, dass Moskaus Schreiben vor allem eine Reaktion auf ein Luftmanöver von Mitte August ist. Nach Angaben aus Militärkreisen sollte die Übung zeigen, dass das Bündnis im Fall einer russischen Aggression gegen NATO-Gebiet in der Lage wäre, Kaliningrad zu kontrollieren. Das polnische Verteidigungsministerium hatte die Übung als Demonstration der Fähigkeiten der NATO zu einer schnellen Reaktion beschrieben.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Welt: "Russland verschickt Schreiben – Nato weist Atomwaffen-Drohung als unverantwortlich zurück"
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