Forschende verunsichert

El Niño immer schwerer einzuschätzen: Warnung vor neuen Wetterfolgen

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Wie der Deutsche Wetterdienst das Wetter berechnet

Videoclip • 01:15 Min • Ab 12


Der aktuelle El Niño könnte besonders stark ausfallen. Forschende warnen, dass der Klimawandel die weltweiten Auswirkungen des Wetterphänomens schwerer vorhersehbar macht. Was das für Europa bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der aktuelle El Niño könnte besonders intensiv ausfallen und wegen des Klimawandels neue, schwer vorhersehbare Wettermuster auslösen.

  • Die Erwärmung von Indischem Ozean und Atlantik könnte weitreichende Klimaverbindungen beeinflussen, die El Niño bislang berechenbarer machten.

  • Für Europa sind die Folgen unsicher.

Das Wetterphänomen El Niño wird durch den Klimawandel offenbar immer schwieriger vorherzusagen. Forschende des National Center for Atmospheric Research (NCAR) im US-Bundesstaat Colorado warnen, dass das aktuelle Ereignis zu Wettermustern führen könnte, die sich kaum mit früheren El-Niño-Phasen vergleichen lassen, wie heise.de berichtet.

El Niño bezeichnet eine wiederkehrende Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik. Das Phänomen tritt etwa alle drei bis zehn Jahre auf und beeinflusst Wetter und Klima weit über den Pazifik hinaus. Dazu gehören etwa Niederschlagsmuster in Nord- und Südamerika oder die Hurrikansaison im Atlantik.

Satellitenbilder des europäischen Copernicus-Programms zeigten bereits im Frühsommer 2026 eine starke Erwärmung des äquatorialen Pazifiks. Der aktuelle El Niño könnte nach bisherigen Messungen besonders intensiv werden.

Auch in den News:

El Niño: Frühere Wetterregeln funktionieren nicht mehr zuverlässig

Grundlage der neuen Berechnungen ist der El Niño der Jahre 2023 und 2024. Damals blieben in den USA Folgen aus, die bei einem El Niño üblicherweise erwartet werden. Normalerweise ist der Süden des Landes feuchter, während der Norden trockener ausfällt.

Stattdessen kam es im Amazonasgebiet zu außergewöhnlichen Dürren. Sie galten als die schlimmsten seit 120 Jahren.

Die Forschenden sehen einen möglichen Grund in der Erwärmung des Indischen Ozeans und des Atlantiks. Diese Veränderungen könnten sogenannte Teleconnections stören. Damit sind weit entfernte, miteinander gekoppelte Klimamuster gemeint, die über Wochen, Monate oder sogar Jahre wirken können.

Wenn sich solche Verbindungen verändern, können klassische El-Niño-Prognosen weniger zuverlässig werden.

Kaum Vergleichsdaten für das aktuelle Ereignis

Der derzeitige El Niño unterscheidet sich laut den Forschenden zudem von vielen Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte. Er wird vor allem durch ungewöhnlich warme Wassertemperaturen im östlichen Pazifik ausgelöst.

Seit den späten 1990er-Jahren lagen die Ausgangspunkte vieler El-Niño-Ereignisse eher im zentralen Pazifik. Für die aktuelle Konstellation gibt es deshalb nur wenige Vergleichsdaten aus den vergangenen rund 30 Jahren.

Die Wissenschaftler:innen warnten in der Fachzeitschrift Nature, dass sich daraus neue und bisher nicht bekannte Wetterfolgen ergeben könnten.


Was bedeutet das für Europa?

Für Europa liefert die Studie laut dem Heise-Bericht widersprüchliche Hinweise. In Klimamodellen zeigte sich für Mitteleuropa ein Trend zu überdurchschnittlichen Niederschlägen. Für Nord- und Südeuropa könnten sich die klassischen El-Niño-Effekte und die Folgen der allgemeinen Erwärmung dagegen gegenseitig abschwächen.

Die tatsächlichen Beobachtungsdaten aus den Jahren 2023 und 2024 ergaben für Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal allerdings eher eine leicht trockenere Tendenz. Modell und Messdaten stimmen damit nicht vollständig überein.

Das ist laut dem Bericht ein weiteres Zeichen dafür, wie unsicher langfristige El-Niño-Prognosen für Europa derzeit sind. Mögliche Auswirkungen könnten auch indirekt spürbar werden, etwa über Rohstoffpreise und den Welthandel.



Verwendete Quellen:

Heise.de: "Warum das Wetterphänomen El Niño immer unberechenbarer wird"

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken