"Moralisch verwerflich"
Starbucks eröffnet neue Filialen in China – und wird massiv kritisiert
Veröffentlicht:
von Sven Hauberg:newstime
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Videoclip • 01:46 Min • Ab 12
Starbucks hat seine ersten Filialen in Xinjiang eröffnet – in einer Region, in der China die Minderheit der Uiguren unterdrückt. US-Politiker und Exilorganisationen reagieren empört und fordern den sofortigen Rückzug.
Das Wichtigste in Kürze
Die Kaffeehaus-Kette Starbucks hat bereits 8.000 Filialen in China – und nun erstmals auch in der Region Xinjiang.
Dort verletzt China Menschenrechtler:innen zufolge die Rechte der Minderheiten der Uiguren massiv.
Kritiker:innen fordern Starbucks deshalb auf, sich aus Xinjiang zurückzuziehen.
Chines:innen lieben Kaffee. Und sie lieben Starbucks. Im Jahr 1999 eröffnete die amerikanische Kaffeehaus-Kette ihre erste Filiale in der Volksrepublik, mittlerweile gibt es laut Firmenangaben 8.000 Starbucks-Cafés im ganzen Land. Eine Erfolgsgeschichte.
Doch zwei jüngst eröffnete Filialen ziehen jetzt massive Kritik auf sich. Denn sie befinden sich in der Region Xinjiang, in der China Menschenrechtlern zufolge die muslimische Minderheit der Uiguren seit Jahren massiv unterdrückt.
Der Weltkongress der Uiguren (WUC), eine in München ansässige Exilorganisation, forderte Starbucks nun auf, "diese Filialen zu schließen und sich aus der Region zurückzuziehen". In einer Stellungnahme schreibt der WUC: "Unternehmen sollten nicht zu einer Wirtschaft beitragen, in der staatlich verordnete Zwangsarbeit nach wie vor ein ernstes Problem darstellt."
Kritik kommt auch aus der US-Politik. John Moolenaar, Vorsitzender des Sonderausschusses für China des US-Repräsentantenhauses, nannte die Entscheidung des Unternehmens, Filialen in Xinjiang zu eröffnen, "moralisch verwerflich".
Der Abgeordnete forderte Starbucks auf, "sofort einen Kurswechsel vorzunehmen und seine Filialen zu schließen". In einer Stellungnahme schreibt Moolenaar weiter: "Es gibt keinen Grund, der es rechtfertigt, dass ein amerikanisches Unternehmen in einer Region Geschäfte betreibt, in der die Kommunistische Partei Chinas mehr als eine Million Uiguren inhaftiert hat und ihnen ihren Glauben, ihre Sprache und ihre Kultur nimmt."
Auch in den News:
Chinas Staatsmedien feiern die neuen Filialen
Die beiden neuen Filialen sind die ersten von Starbucks in Xinjiang. Eine Filiale eröffnete am Flughafen der Hauptstadt Ürümqi, die zweite Filiale befindet sich am sogenannten "Großen Basar" der Stadt, einem Einkaufszentrum, dessen Architektur an traditionelle islamische Basare erinnern soll.
Auf einem Video der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua ist zu sehen, dass die Filiale am "Großen Basar" in einem Stil eingerichtet ist, der angeblich lokale Architektur aufgreift. Zu sehen sind in dem Video zudem tanzende Menschen in traditionellen uigurischen Kostümen. Zu erkennen ist außerdem, dass sämtliche Schilder in dem Starbucks-Café offenbar nur auf Chinesisch und Englisch geschrieben sind – nicht aber in der uigurischen Schrift.
Laut der chinesischen Regierung wird das Uigurische in Xinjiang gleichberechtigt mit dem Chinesischen verwendet. Menschenrechtler kritisieren allerdings seit Langem, dass die Anwendung der uigurischen Sprache sowie das Ausleben der lokalen Kultur in der Region massiv unterdrückt würden. Auch die freie Ausübung des Islam wird demnach behindert. Es gibt zudem Berichte über Zwangsarbeit, massive Überwachung, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sowie über erzwungene Sterilisationen.
Angestellte der neuen Starbucks-Filiale am Flughafen in Ürümqi.
Bild: Xinhua/Imago
Starbucks will weiter in Xinjiang investieren
Seit 2017 wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen außerdem bis zu einer Million Uiguren sowie Mitglieder anderer ethnischer Minderheiten in sogenannten "Umerziehungslagern" festgehalten. Auch nach der Schließung vieler dieser Lager sitzen viele Betroffene den Berichten zufolge weiterhin in Gefängnissen. Das UN-Menschenrechtsbüro kam 2022 zu dem Schluss, dass die großflächige willkürliche und diskriminierende Inhaftierung möglicherweise internationale Verbrechen, insbesondere Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darstellen könnte.
Die chinesische Regierung weist die Vorwürfe zurück, sie bezeichnet die Maßnahmen als legitime Terrorismus- und Extremismusbekämpfung sowie als Berufsbildung und Armutsbekämpfung. In der Vergangenheit war es in Xinjiang immer wieder zu blutigen Anschlägen uigurischer Separatisten gekommen.
Das Außenministerium in Peking erklärte nun anlässlich der Eröffnung der beiden Starbucks-Filialen, Xinjiang zeichne sich "durch soziale Stabilität, wirtschaftlichen Wohlstand, ethnische Einheit und religiöse Harmonie aus". China wolle ausländischen Unternehmen "mehr Möglichkeiten bieten, in China zu investieren und erfolgreich zu sein". Laut der Nachrichtenagentur Reuters erklärte der Chef von Starbucks in China, das Unternehmen wolle in Xinjiang weiter investieren. In ganz China will die Kaffeehaus-Kette Angaben vom vergangenen Jahr zufolge in den nächsten Jahren 12.000 neue Filialen eröffnen.
Verwendete Quellen:
Reuters: "US congressman demands Starbucks close its first stores in China's Xinjiang"
World Uyhgur Congress: "Weekly Brief, 02 October 2026"
Starbucks: "Starbucks and Boyu Announce Joint Venture for the Next Chapter of Growth in China"
Chinesisches Außenministerium: "2026年10月3日外交部发言人郭嘉昆答记者问"
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