Süddeutsches Familienunternehmen
Lebensmittelhändler Feneberg in Schieflage: Insolvenzverfahren eröffnet
Veröffentlicht:
17:30 SAT.1 Bayern
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Das Familienunternehmen Feneberg ist erneut in die Schieflage geraten. Nun wird das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet.
Das Wichtigste in Kürze
Der süddeutsche Lebensmittelhändler Feneberg geriet Anfang des Jahres erneut in finanzielle Schwierigkeiten.
Das Amtsgericht Kempten hat nun die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung bekannt gegeben.
Die Schuldenlast der Feneberg GmbH wird auf rund 200 Millionen Euro beziffert.
Die Nachricht über die Insolvenz des süddeutschen Lebensmittelhändlers Feneberg schlug ein wie eine Hiobsbotschaft. Nun hat das Amtsgericht Kempten in einem nächsten Schritt das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung offiziell eröffnet. Der Geschäftsbetrieb in den 72 Filialen sowie die angeschlossenen Tankstellen läuft aber nach Angaben von Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold uneingeschränkt weiter. Die Geschäftsführung - Amelie und Christof Feneberg - bleibt im Amt und wird von einem Sachverwalter überwacht.
"Sämtliche Lieferanten, Produzenten und Geschäftspartner stehen weiterhin zur Feneberg Lebensmittel GmbH und gewährleisten die kontinuierliche Warenversorgung. Auch alle Tankstellen bleiben regulär geöffnet", geht es aus einer Pressemitteilung der Kanzlei Grub Brugger hervor, die das Unternehmen berät. Nach Angaben des Unternehmens zählen zu den Gründen für die aktuelle Krise unter anderem strukturelle Defizite im Filialnetz sowie die Nachwirkungen der Insolvenz der Tochtergesellschaft Allgäu Fresh Foods.
Die Supermarktkette aus dem Allgäu hatte im Januar einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Kempten gestellt. Im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens sollte das Unternehmen nachhaltig neu aufgestellt werden. Ziel war es, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhlaten, hieß es damals. "In den letzten Jahren wurde bei Feneberg vieles angestoßen, allerdings nicht alles konsequent zu Ende gebracht.", sagte Seibold bei Eröffnung des Schutzschirmverfahrens.
Bei dem sogenannten Schutzschirmverfahren können Unternehmen, die in finanziellen Schwierigkeiten aber nicht zahlungsunfähig sind saniert werden. Es ermöglicht, dass die Kontrolle weiterhin bei der Geschäftsführung bleibt, jedoch unter Aufsicht von Insolvenzgericht und Sachwalter. Für drei Monate ist es auf diese Weise vor dem Eingriff der Gläubiger geschützt. Nach Ablauf der drei Monate wird das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet.
Feneberg seit Jahren in wirtschaftlich Not
Die Feneberg Lebensmittel GmbH geriet bereits Jahre zuvor in eine wirstchaftliche Schieflage. 2019 fand eine erste Sanierungsrunde statt. Damals befand sich die Supermarktkette in einer Ergebnis- und Liquiditätskrise, was darin mündete, dass Feneberg eine Kooperation mit EDEKA Südbayern einging. Die Supermarktkette blieb allerdings weiterhin als GmbH eigenständig und in Entscheidungen unabhängig. Das Sanierungsverfahren wurde 2024 beendet.
Verantwortlich für die Schieflage seien damals Pensionsrückstellungen, Fehlschläge im Onlinehandel und hohe Investitionen gewesen. Das Sanierungskonzept beinhaltete unter anderem eine Auslagerung unternehmensinterner Leistungen, Stellenabbau sowie der teilweise Verzicht auf Vergütungen. Die Inflation und gestiegene Energiekosten hätten außerdem hat Einkaufverhalten der Kund:innen verändert, was sich auch nominal im Umsatz abbildete.
Im Frühjahr 2025 dann der nächste Schlag: Wegen der Allgäu Fresh Foods GmbH & Co. KG mit 450 Beschäftigten wurde ein Antrag auf Insolvenz gestellt. Eine Mehrheit von 51 Prozent wurde im Zuge des Insolvenzplans an den Wursthersteller Kupfer verkauft.
"Falsche Investitionsentscheidungen": Mitarbeiter:innen kritisieren Ex-Feneberg-CEO
Die Belegschaft sieht die Schuld für die missliche Lage des Unternehmens allerdings bei der Geschäftsführung. Nach Aussagen von Mitarbeiter:innen mit Führungsaufgaben hat ein wirtschaftlicher Kurs, der operative Realität und strukturelle Risiken zu lange ausgeblendet hat, für eine Verschlechterung der Situation im Hause Feneberg gesorgt, so Berichte der "Lebensmittelpraxis".
Vor allem dem ehemaligen Geschäftsführer Hannes Feneberg wird fehlerhaftes Verhalten in der strategischen Ausrichtungen vorgeworfen. Der Ex-Chef habe falsche Investitionsentscheidungen getroffen und dabei weniger auf Sparlösungen zurückgegriffen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Aussagen der Mitarbeiter:innen die auf Verluste durch den Lieferservice Freshfoods, die Premium-Preisstrategie sowie den die "Allgäu Fresh Foods“ verwiesen.
Gläubigerausschuss soll über Insolvenzplan abstimmen
Wie es mit der Sanierung weitergeht, wird künftig der Gläubigerausschuss mitentscheiden. Am 10. Juli soll bei einer Gläubigerversammlung über einen Insolvenzplan abgestimmt werden. Dieser liegt aber noch nicht vor. Aus früheren Sanierungsrunden bestehe demnach noch ein Nachrangdarlehen in Höhe von 20 Millionen Euro. Ein solches Darlehen regelt, dass der Darlehensgeber im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Darlehensnehmers erst seine Zahlung zurückbekommt, wenn alle anderen Gläubiger bezahlt sind.
Unterdessen werden Gespräche mit Investoren weiter geführt. Für die Übernahme kommen nach Angaben des Sanierungsgeschäftsführers EDEKA und Rewe infrage. Es liefen bereits Gespräche darüber, wer welche Filiale übernehmen könnte. Leibolds erklärte weiter, dass eine komplette Übernahme durch einen der beiden Bieter aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich wäre, schreibt der BR.
Das Familienunternehmen Feneberg Lebensmittel GmbH beschäftigt etwa 3.000 Mitarbeiter:innen mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro. Die Schuldenlast wird auf etwa 200 Millionen Euro beziffert. Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro fallen demnach besonders schwer ins Gewicht.
Verwendete Quellen:
chip.de: "Zahlungsunfähigkeit droht: Gericht eröffnet Insolvenzverfahren über Edeka-Händler Feneberg"
Nachrichtenagentur dpa
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