Logistikzentrum

Zalando macht Standort in Erfurt dicht – zahlreiche Beschäftigte betroffen

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von Michael Reimers

Knapp 3.000 Beschäftigte in Erfurt sind von der Entscheidung des Unternehmens betroffen. (Symbolbild)

Bild: Marc Tirl/dpa


Zalando zieht sich aus Erfurt zurück: Das Logistikzentrum schließt 2026, 2.700 Jobs stehen auf dem Spiel. Der Konzern spricht von Neuausrichtung, Verdi erhebt schwere Vorwürfe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zalando schließt Ende September 2026 sein Logistikzentrum in Erfurt.

  • Rund 2.700 Beschäftigte sind von der Entscheidung betroffen, die der Konzern mit einer strategischen Neuausrichtung nach der About-You-Übernahme begründet.

  • Die Gewerkschaft Verdi erhebt schwere Vorwürfe und kritisiert das Vorgehen des Unternehmens scharf.

Der Online-Mode-Riese Zalando wird Ende September 2026 sein Logistikzentrum in Erfurt komplett schließen. Von dieser Entscheidung sind rund 2.700 Beschäftigte betroffen, die derzeit über die Schließungspläne informiert werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Ursache: Neuausrichtung nach About You-Übernahme

Als Hauptgrund für die Schließung nennt der Berliner Dax-Konzern eine strategische Neuausrichtung seines europaweiten Logistiknetzwerks. Diese folgt auf die Übernahme des Konkurrenten About You im vergangenen Jahr. Der Zukauf von About You war Ende 2024 bekanntgegeben worden. Mit der Übernahme wollte Zalando-Co-Chef Robert Gentz einen "größeren Anteil des europäischen Online-Marktes für Mode und Lifestyle abdecken".

Die Erfurter Betreibergesellschaft des Standorts, eine Konzerntochter von Zalando, wird zum Jahresende den Betrieb einstellen. Bis dahin soll die Arbeit jedoch unverändert weiterlaufen.

Gespräche mit Betriebsrat und Unterstützung für Mitarbeiter

Laut Pressesprecher Christian Schmidt beginnt das Unternehmen nun Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, um den betroffenen Mitarbeiter:innen eine Perspektive zu bieten.

Zalando-Co-Chef David Schröter kündigte in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten an und erklärte, der Konzern habe sich auf einen "signifikanten Beitrag" eingestellt. Das Ziel sei es, dass möglichst viele Mitarbeiter:innen einen neuen Job finden – beispielsweise am Zalando-Standort in Gießen im benachbarten Hessen, der sich noch im Aufbau befindet.

Verdi sieht "perfides Vorgehen"

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Vorgehen von Zalando scharf und spricht von einem "perfiden Vorgehen". Matthias Adorf, Verdi-Gewerkschaftssekretär für Handel in Thüringen, vermutet: "Das war sicherlich vor dem Weihnachtsgeschäft schon bekannt. Das haben die sich wahrscheinlich nicht in der Neujahrsnacht ausgedacht."

Aus Sicht der Gewerkschaft hat der Konzern die Beschäftigten bewusst im Dunkeln gehalten, um das wichtige Weihnachtsgeschäft abzusichern. Noch im Dezember hatte Verdi an den Standorten Erfurt und Mönchengladbach zum Streik aufgerufen, ohne dass es Hinweise auf eine mögliche Schließung gab.

Bedeutung des Standorts Erfurt

Das Logistikzentrum Erfurt wurde 2012 eröffnet und ist der einzige konzerneigene Logistikstandort dieser Größe in Ostdeutschland. Zalando betreibt weitere große Logistikzentren in Gießen, Lahr im Schwarzwald und Mönchengladbach. Nach dem geplanten Umbau sollen insgesamt 14 Logistikzentren in sieben Ländern verbleiben.

Zwischen Zalando und Verdi bestand bereits seit längerem ein Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft forderte die Anerkennung der Flächentarifverträge für den Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, was für die Lagerarbeiter:innen ein Lohnplus von mehr als 10 Prozent sowie höhere Zuschläge, Sonderzahlungen und weitere Verbesserungen bedeutet hätte.

Im Laufe des Jahres 2025 kam es mehrfach zu Warnstreiks in Erfurt, unter anderem im Mai, Juli und Dezember. Zalando verwies stets auf betriebliche Regelungen und Gehaltserhöhungen am Standort Erfurt von insgesamt 14,5 Prozent seit 2024 sowie einen auf bis zu 30 Tage erhöhten Urlaubsanspruch.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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