Glasfaser-Ausbau

Vorschlag der Bundesnetzagentur: Wird mein DSL-Anschluss der Telekom jetzt abgeschaltet?

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

Es gibt längst besseres Internet, doch Millionen Haushalte setzen in Deutschland weiter auf DSL-Verbindungen.

Bild: Fabian Sommer/dpa


Was den Glasfaserausbau angeht, hinkt Deutschland seit Jahren hinterher. Die Bundesnetzagentur will das jetzt ändern - und der Telekom eine Frist setzen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Bundesnetzagentur fordert, dass ab 2030 die DSL-Anschlüsse der Telekom in bestimmten Regionen abgeschaltet werden, um den Glasfaserausbau zu fördern.

  • Noch ist der Vorschlag nicht Gesetz, er gilt als Empfehlung für das Digitalministerium – sollte es zu Abschaltungen kommen, werden Kund:innen weit im Voraus informiert.

  • Die Telekom selbst kritisiert den Vorschlag und will auf freiwillige Abschaltungen setzen.

Die Bundesnetzagentur hat ein Konzeptpapier vorgestellt, das eine lokale Abschaltpflicht für DSL-Anschlüsse der Deutschen Telekom vorschlägt. Warum die Behörde diesen Schritt gehen will, wie die Telekom reagiert und wann der Vorschlag Gesetz werden könnte, erfährst du hier.

Warum will die Bundesnetzagentur DSL abschalten?

Die Bundesnetzagentur ist eine Bundesbehörde, die in Deutschland die Infrastruktur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn beaufsichtigt. Mit dem Verbot will sie erreichen, dass Glasfaserkabel stärker genutzt werden.

Glasfaser ermöglicht stabileres und schnelleres Internet als die dünnen Telefonleitungen aus Kupfer. Schrittweise sollen die Abschaltungen dazu führen, dass die veraltete Technologie abgelöst wird. Investitionen in zukunftsträchtige Glasfaseranschlüsse will die  Bundesnetzagentur damit fördern. Geplant ist, dass die Abschaltungen in bestimmten Gebieten ab 2030 erfolgen.

"Der Wechsel auf Glasfaser ist ein zukunftsorientiertes Internet-Upgrade für Deutschland", sagt Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur. Verbraucher:innen sollten früh und ausführlich über alle Schritte des Übergangs informiert werden. "Sie sollen auch in der Glasfaserwelt zwischen verschiedenen Anbietern und fairen Preisen wählen können."

Was genau sieht das Konzeptpapier vor?

Das Konzeptpapier zielt darauf ab, dass in mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen Glasfaser verlegt wird. Gemeint sind sogenannte "Fiber to the Home"-Anschlüsse (FTTH), die bis in die Wohnung oder ins Büro reichen. Bundesweit liegt deren Anteil laut Bundesnetzagentur erst bei 21 Prozent.

Auch die Wettbewerber der Telekom sind von den Vorschlägen betroffen: Die Behörde will, dass das Glasfasernetz für alle nutzbar wird ("Open Access"). Das bedeutet, nicht nur die Telekom müsste Wettbewerbern ihr Netz öffnen, sondern umgekehrt die Wettbewerber auch der Telekom. Es gibt bereits jetzt Kooperationen verschiedener Anbieter, sie beruhen aber bislang auf Freiwilligkeit.

Was passiert nach dem Vorschlag der Bundesnetzagentur?

Das Konzeptpapier ist eine Empfehlung der Bundesnetzagentur an das Digitalministerium, auf dessen Grundlage ein Gesetz zu erarbeiten. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde die Umsetzung noch Jahre dauern. Im Konzept sind umfangreiche Fristen vorgesehen: Kund:innen würden drei Jahre vor der Abschaltung informiert werden, zwei Jahre vorher dürften dort keine DSL-Verträge mehr neu abgeschlossen werden. Sollte das Gesetz etwa 2027 kommen, würden die ersten lokalen Abschaltungen erst 2030 passieren.

Wie äußert sich die Telekom dazu?

Die Telekom äußert sich skeptisch zu dem Vorhaben der Bundesnetzagentur. Ein Sprecher sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Netzagentur blende aus, dass nicht Zwang, sondern der Wettbewerb um die Kund:innen entscheidend sei. Bei der Abkehr von Kupfer sollten seiner Meinung nach auch Kabelnetze in den Blick zu nehmen – also das Internet über Fernseh-Kupferkabel, die der Konkurrent Vodafone nutzt. Auch diese sollten in eine Abschaltpflicht einbezogen werden.

Die Telekom möchte also selbst entscheiden, wann und wo das DSL abgeschaltet wird. Es wird befürchtet, langjährige Kund:innen zu verlieren. Das Konzeptpapier sei ein Debattenbeitrag, das man nun im Detail prüfen werde, so der Telekom-Sprecher.

Wie steht es um den Glasfaserausbau in Deutschland?

Die Mehrheit der Deutschen nutzt zum Surfen noch die guten alten Telefonleitungen aus Kupfer. Laut Branchenverband VATM hatten zum Jahreswechsel 23 Millionen Haushalte und Unternehmen in Deutschland noch DSL/VDSL-Internet, das waren 0,7 Millionen weniger als im Vorjahr.

Eigentlich plant die EU, die Kupfernetze bis 2030 abzuschalten. So, wie es in Deutschland mit dem Glasfaserausbau vorangeht, schätzt der VATM, dass selbst in einem "optimistischen Szenario" bis dahin erst 15 Millionen Glasfaser-Anschlüsse genutzt werden. DSL würde bis zum Ende des Jahrzehnts die am weitesten verbreitete Technologie bleiben.

Andere Länder sind viel weiter: Im Vergleich der 38 OECD-Staaten belegte Deutschland im Sommer 2024 den viertletzten Platz. Während in Spanien, Rumänien oder Litauen mehr als 80 Prozent der Anschlüsse Glasfaseranschlüsse waren, waren es in Deutschland nur rund zwölf Prozent.

Auch in den News:

Warum läuft der Glasfaserausbau langsam?

Der größte Teil des Kupfernetzes gehört der Deutschen Telekom. Für sie gelten aber keine klaren Regeln, wann und wie die Kupferkabel abgeschaltet werden sollen. Die  Monopolkommission zum Glasfaserausbau moniert gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), dass diese ein Interesse habe, zuerst dort Glasfaser auszubauen, wo Wettbewerber am Start sind, um ihre Marktstellung zu behaupten.

Hinzu kommt: Kund:innen scheuen den Umstieg auf Glasfaser. Vielen Menschen genügt offenbar ihr alter DSL-Vertrag. Laut Branchenverband BREKO könnten die Hälfte aller Haushalte bereits ans Glasfasernetz angeschlossen werden, tatsächlich nutzen würden ihn aber nur 27 Prozent, so die "Tagesschau". Zudem würden sie höhere Kosten fürchten oder seien schlecht informiert.

Wieso gilt Glasfaser als wichtig?

Das benötigte Datenvolumen in Breitbandnetzen steigt rasant, wie Daten der Bundesnetzagentur zeigen. Waren es 2011 noch sechs Milliarden Gigabyte, so stieg das Volumen 2024 bereits auf 149 Milliarden. Die verwendeten Kupferkabel werden den Anforderungen in Zukunft nicht mehr genügen können.

Wie die "Tagesschau" berichtet, sei der Glasfaserausbau der Grundstein für die Internetversorgung in Deutschland für die kommenden Jahrzehnte. Nicht nur ruckelfreies Streaming für Zuhause, sondern auch Industrie, digitale Verwaltung oder Telemedizin hängen davon ab.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

SZ: "Deutschland vertrödelt die Zukunft des Netzes"

Tagesschau: "Warum viele Deutsche am Kupferkabel festhalten"

Statista: Anteil von Glasfaseranschlüssen an allen stationären Breitbandanschlüssen in den Ländern der OECD im Juni 2024

Bundesnetzagentur: "Datenvolumen in Festnetzen"

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