"Kein finanzieller Spielraum"
Trigema-Chefin Bonita Grupp skeptisch: 1.000-Euro-Prämie überfordert Firmen
Veröffentlicht:
von Max Strumberger:newstime
Grupp gibt 1. Interview nach Suizidversuch
Videoclip • 01:03 Min • Ab 12
Die steuerfreie 1.000-Euro-Prämie gilt als politisches Signal der Entlastung – doch wer soll sie bezahlen? Textilunternehmerin Bonita Grupp zeichnet ein nüchternes Bild. Erfahre hier mehr zu dem Thema.
Das Wichtigste in Kürze
Mit einer 1.000-Euro-Prämie will die Bundesregierung die Folgen internationaler Krisen für Beschäftigte abfedern.
Doch aus dem Mittelstand kommt Widerspruch.
Trigema-Co-Chefin Bonita Grupp hält das Modell für unausgewogen und warnt vor falschen Erwartungen.
Die Co-Chefin des Textilherstellers Trigema, Bonita Grupp, bremst die Erwartungen der Bundesregierung an Unternehmen, ihre Beschäftigten mit einer steuer- und abgabenfreien Prämie von bis zu 1.000 Euro zu entlasten. Im Gespräch am Rande eines Kamingesprächs der Stiftung Niedersächsische Wirtschaftsforschung in Hannover und in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" machte sie deutlich, dass viele Firmen dafür schlicht keinen finanziellen Spielraum hätten.
"Ich bin da skeptisch", sagte Grupp zur geplanten Entlastung über Arbeitgeberprämien. Die schwarz-rote Koalition wolle mit der steuerfreien Einmalzahlung die Folgen des Iran-Kriegs für Beschäftigte abmildern. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Arbeitgeber freiwillig bis zu 1.000 Euro auszahlen können, ohne dass Steuern oder Sozialabgaben fällig werden.
Grupp: Bundesregierung verlagert die Verantwortung
"Es ist für Arbeitgeber momentan eine schwierige Gratwanderung", sagt Grupp. Hohe Lohnnebenkosten und Energiepreise belasteten gerade produzierende Firmen wie Trigema erheblich. Gleichzeitig entstehe durch die Prämienpläne der Eindruck, die Wirtschaft verfüge über ausreichende Spielräume, um Beschäftigte zusätzlich zu entlasten. "Mit dieser Verlagerung von Verantwortung verlangt die Bundesregierung den Firmen einiges ab", so Grupp. Auch Trigema müsse die Kosten im Blick behalten.
Trotz dieser Kritik betont die Co-Chefin, dass bei Trigema kein Arbeitsplatzabbau geplant sei. Im Gegenteil: In den kommenden fünf bis sechs Jahren gehen rund 30 Prozent der Belegschaft in den Ruhestand, diese Stellen sollen nach Möglichkeit nachbesetzt werden. Digitalisierung und der Einsatz von KI, etwa beim mittlerweile digital erzeugten Werbemaskottchen Schimpanse Charly, könnten zwar die Personalstruktur verändern, doch das Unternehmen setzt weiterhin auf Produktion "Made in Germany".
Auch in den News:
Grupp fordert strukturelle Reformen
Grundsätzlich fordert Grupp von der Politik strukturelle Reformen statt punktueller Entlastungsaktionen wie der 1.000-Euro-Prämie. Viele Mittelständler sehnten sich nach tiefgreifenden Veränderungen ähnlich der Agenda 2010, um Sozial- und Wirtschaftssysteme zukunftsfest zu machen. Dazu gehört für sie auch die Debatte über Einschnitte im Krankheitsfall, etwa durch Karenztage, um die hohen Krankenstände zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Zugleich mahnt die Unternehmerin, die Lebensrealität im ländlichen Raum stärker zu berücksichtigen: Viele Beschäftigte seien auf das Auto angewiesen, während hohe Benzinpreise zusätzlich drückten. Trigema versuche, mit eigenen Tankstellen und Tankgutscheinen gegenzusteuern. Eine einmalige 1000-Euro-Prämie könne diese strukturellen Probleme nicht lösen, so Grupp – notwendig sei ein verlässlicher, reformorientierter Kurs, der sowohl Unternehmen als auch Beschäftigten Planungssicherheit gibt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
NOZ: 1000 Euro Entlastungsprämie für Beschäftigte: Macht Trigema da mit, Frau Grupp?
NOZ: Entlastungsprämie: Trigema-Co-Chefin kritisiert staatliche Verantwortungsverschiebung Bonita Grupp: "Hohe Energie- und Lohnnebenkosten engen Spielräume für Unternehmen ein"
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