Künstliche Intelligenz
Microsoft investiert massiv in KI-Serverstandort in NRW
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Spatenstich für größtes Rechenzentrum
Videoclip • 01:26 Min • Ab 12
In Grevenbroich am Niederrhein will Microsoft einen weiteren Serverstandort für KI-Anwendungen errichten. Es wäre nach Bedburg, Bergheim und Elsdorf das vierte Rechenzentrum im Rheinischen Revier.
Das Wichtigste in Kürze
Microsoft hat eine weitere Millionen-Investition in Nordrhein-Westfalen angekündigt.
In Grevenbroich soll ein neuer Serverstandort des US-Konzerns entstehen.
Kritik an dem Projekt gibt es wegen des hohen Energiebedarfs, den Rechenzentren haben.
Der US-Technologiekonzern Microsoft erhöht seine milliardenschweren Investitionen in KI-Rechenzentren in NRW. Wie das Unternehmen mitteilte, möchte es einen weiteren Server-Standort in Grevenbroich am Niederrhein bauen. Es wäre das vierte Rechenzentrum des Technologieriesen im Rheinischen Revier, schon 2024 wurden entsprechende Vorhaben für Rechenzentren in Bedburg, Bergheim und Elsdorf bekannt. Bis sie den Betrieb aufnehmen, dauert es aber noch länger, meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) weiter.
Microsoft unterzeichnete dpa zufolge einen Kaufvertrag für ein Grundstück, das bislang landwirtschaftlich genutzt wird. Es ist nach Angaben der Stadt 23 Hektar groß. Der Kaufvertrag steht allerdings unter dem Vorbehalt der Baugenehmigung. Das Rheinische Revier ist die Kohle-Abbauregion westlich von Köln, die wegen des Kohle-Ausstiegs im Umbruch ist und vor einer ungewissen Zukunft steht. Die Microsoft-Investitionen stärken nun die Hoffnung auf Arbeitsplätze vor Ort.
Auch in den News:
Milliarden-Investition von Microsoft in Grevenbroich
Die Investitionssumme wurde laut dpa nicht mitgeteilt, es könnte ein hoher dreistelliger Millionen-Euro-Betrag sein oder vielleicht sogar etwa eine Milliarde Euro. Für die drei anderen, 2024 eingeleiteten Vorhaben für Rechenzentren investiert Microsoft 3,2 Milliarden Euro. Von diesem Betrag fließt aber noch Geld ab für eine Kapazitätserweiterung eines bereits bestehenden Frankfurter Microsoft-Standorts und für Schulungsprogramme, um den Umgang der Öffentlichkeit mit Künstlicher Intelligenz zu verbessern.
Wie es weiter heißt, wurden für die Standorte in Bedburg und Bergheim bereits Baugenehmigungen erteilt, in Elsdorf wird die Erlaubnis noch erwartet. In Bedburg und Bergheim könnte ein Teilbetrieb 2028 starten. Die drei ersten Standorte sollen sich gegenseitig absichern: Fällt einer aus, so kann auf einen Standort zurückgegriffen werden. Die genaue Funktion des Grevenbroicher Standorts ist noch unklar. Sollte bei dem Vorhaben alles planmäßig laufen, könnte das Rechenzentrum in den frühen 2030er-Jahren in Betrieb gehen.
NRW hofft auf Tausende neue Jobs
Im Digitalzeitalter werden externe Server immer wichtiger, die Datenmengen steigen rapide. Anwendungen der Künstlichen Intelligenz steigern die Nachfrage nach schneller Datenverarbeitung zusätzlich. Als potenzielle Kunden hat Microsoft Industriekonzerne aus NRW im Blick. Die Entscheidung für den vierten Standort begründet der US-Konzern mit einer hohen Nachfrage.
"Nordrhein-Westfalen ist für Microsoft eine strategisch wichtige Cloud- und KI-Region", sagt Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger. Mit Blick auf Grevenbroich sagt sie: "Diese Erweiterung bedeutet zusätzliche Investitionen in die lokale Infrastruktur und in die Menschen, die dort leben und arbeiten."
An zwei der drei bisher bekannten Standorten wird damit gerechnet, dass jeweils mehrere Hundert Arbeitsplätze für den Betrieb entstehen und jeweils circa 2.500 Jobs anderer Firmen, die sich rund um die Rechenzentren ansiedeln. Einen ähnlichen Job-Booster könnte es in der 69.000-Einwohner-Stadt Grevenbroich geben. Am dritten Standort in Elsdorf wird ebenfalls mit einem Jobmotor gerechnet, die Kommune hält sich mit einer konkreten Schätzung aber zurück.
Von der Kohle zur KI: Politik sieht Strukturwandel
Die Investition sende ein wichtiges Signal für das gesamte Rheinische Revier, sagte Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen (SPD). Der Strukturwandel brauche konkrete Projekte, Investitionen und Zukunftsperspektiven. Der Sozialdemokrat hofft auf mehr: "Solche Investitionen können weit über den Standort hinaus Wirkung entfalten und die Aufmerksamkeit neuer Unternehmen auf unsere Stadt lenken."
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) wertet die Investitionsankündigung als überaus positiv für den Wirtschafts- und Digitalstandort Nordrhein-Westfalen. Dies zeige, dass der Strukturwandel im Rheinischen Revier gelinge. "Von der Kohle zur KI – dieser Wandel wird konkret.", sagt die Grüne. Leistungsfähige digitale Infrastruktur sei heute ein entscheidender Standortfaktor.
KI-Rechenzentren sollen nicht nur im Rheinischen Revier entstehen. Im Januar hatte der US-Investor Blackstone einen Server-Standort im westfälischen Lippetal angekündigt. Finanzkreisen zufolge beläuft sich die Projektgröße auf etwa vier Milliarden Euro; mit einer Fertigstellung der Anlage wird in den frühen 2030er-Jahren gerechnet. Ein Blackstone-Sprecher sagt, es gehe voran. Man sei in der Planungs- und Genehmigungsphase des Projekts. Im brandenburgischen Lübbenau möchte die Schwarz-Gruppe einen sogar elf Milliarden Euro teuren KI-Serverstandort bauen.
Hoher Strombedarf des Serverparks in der Kritik
Während solche Vorhaben in der Politik weitgehend positiv aufgenommen werden, gibt es in Teilen der Zivilgesellschaft Skepsis, etwa wegen des hohen Strombedarfs. "Rechenzentren sind nicht per se gut oder schlecht", sagt Kilian Vieth-Ditlmann von der Nichtregierungsorganisation (NGO) Algorithm Watch. "Entscheidend ist: Wo kommt die Energie für den zusätzlichen Bedarf her, wie effizient und nachhaltig sind die Rechenzentren?" Mit Blick auf die bislang bekannten Vorhaben sagt er: "So wie es jetzt läuft, gefährdet der Bau von immer mehr Rechenzentren die Klimaziele in Deutschland."
"Neue Rechenzentren sollten nur noch dann genehmigt werden, wenn sie in jeder Stunde – und nicht nur im Jahresdurchschnitt – mit erneuerbaren Energien betrieben werden, die für diesen Zweck zusätzlich erzeugt worden sind", sagt Vieth-Ditlmann. Die Profiteure der Politik der Bundesregierung seien keineswegs europäische Betreiber, sondern die großen US-Tech-Konzerne.
Microsoft betont, dass man auf nachhaltige Lösungen setze. Die Rechenzentren der nächsten Generation nutzten etwa ein neues Kühlkonzept, das ohne Wasserverdunstung auskomme. Ist der Kühlkreislauf befüllt, so müsse fast kein Kühlwasser mehr nachgefüllt werden.
Verwendete Quelle:
Nachrichtenagentur dpa
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