Klimaerwärmung
Vorteile der Klimaerwärmung: Guter Wein durch Hitze
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Klimakrise in Deutschland: Hier ist es besonders trocken
Videoclip • 01:41 Min • Ab 12
Auch die Winzer:innen wünschen sich für die letzten Wochen vor der Lese etwas Regen und moderatere Temperaturen. Allerdings hat die Hitze für den Wein aber auch ihr Gutes.
Das Wichtigste in Kürze:
Weinreben kommen mit den hohen Temperaturen besser zurecht als hiesige Kulturpflanzen.
Die anhaltende hochsommerliche Hitze lässt manchen Wein sogar besser schmecken und die Reben sind besonders gesund.
Es gibt aber auch Schattenseiten.
Während die Landwirtschaft in einigen Gebieten sehr unter der Hitze und Trockenheit leidet, bleibt eine Branche entspannt: Viele Winzer:innen schauen positiv auf die anhaltend hohen Temperaturen. "Im Großen und Ganzen überwiegen die positiven Auswirkungen der Klimaerwärmung hierzulande noch die Nachteile für den Weinbau", stellt der Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI), Ernst Büscher, fest.
"Im Vergleich zu früheren Jahren erreichen die Trauben heute sehr viel höhere Reifegrade, was letztendlich zu besseren Weinqualitäten geführt hat." Vor allem Rotweine hätten dank einer höheren Farbintensität und besseren Reifegraden einen deutlichen Qualitätsschub gemacht.
Reben kommen mit Hitze zurecht
Natürlich wäre ein flächendeckender Landregen für die noch rund drei Wochen bis zum Beginn der Hauptlese jetzt wünschenswert, sagt Büscher. Aufgrund ihres mediterranen Ursprungs kommen die Reben allerdings von Natur aus besser mit der Hitze zurecht als hiesige Kulturpflanzen. Das Wurzelwerk reiche viele Meter tief und ältere Reben hätten sich im Laufe der zunehmend heißen letzten Jahre an die Trockenheit angepasst und wurzelten noch tiefer.
Und: Zu viel Regen auf einmal darf jetzt auch nicht fallen, sonst könnten sich die Beeren zu schnell mit Wasser füllen und aufplatzen, warnt Büscher. "Dann müsste sofort gelesen werden und man könnte nicht den optimalen Erntezeitpunkt abpassen."
Weniger Hitze wäre jetzt für den Wein insgesamt auch besser: Temperaturen von 20 bis 25 Grad und kühle Nächte seien für die Ausreifung aromatischer Trauben ideal.
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Ausblick auf den Jahrgang 2026
Noch ein Vorteil des Wetters in diesem Jahr: "Dank der trockenen Witterung sind die Trauben im Weinberg in diesem Jahr super gesund", sagt Büscher. Weder der echte noch der falsche Mehltau, der die Winzer:innen in feuchteren Jahren vor große Herausforderungen stellt, spielten eine Rolle.
Die Voraussetzungen für einen fruchtbaren Jahrgang seien somit gegeben. Bis zur Lese könne aber noch einiges passieren. Die rückt im Kalender weiter nach vorne: Der erste Federweißer soll schon nächste Woche geerntet werden. Noch ein paar Tage früher waren die Winzer 2018 und 2020 dran.
Hitze ist vor allem für Riesling ein Problem
In Jahren wie diesem sei die Erwärmung auch für den Wein "schon fast zu stark", sagt Büscher. Da ist die Gefahr zu reifer Trauben: Weißweine, vor allem der Riesling, könnten dann ihre typische Frische verlieren.
Mit bestimmten Maßnahmen versuchen Winzer:innen, die Reife zu verzögern. So halten sie etwa die Laubwände in den Weinbergen kürzer, um die Zahl der Blätter zu minimieren, die den Zucker für die Trauben produzieren. So können sie verhindern, dass die Trauben zu schnell zu süß und die Weine zu schwer werden. Oder sie versuchen mit Bäumen zwischen Rebzeilen Schatten herzustellen.
Trockenstress für junge und alte Rebstöcke
Insbesondere junge Reben, deren Wurzelsystem noch nicht so ausgebildet ist, leiden unter der Trockenheit. Bewässerung und die Entfernung noch unreifer Trauben können helfen - sind aber aufwendig, wie Büscher sagt.
Ältere Weinberge, die auf leichteren Böden mit geringer Wasserspeicherkraft wachsen, zeigten mittlerweile aber auch zunehmend Anzeichen von Trockenstress. Dazu gehören schlaff herabhängende oder vergilbte Blätter.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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