Entschädigung über App
Italien erstattet jetzt bei Staus auf Autobahnen Mautgebühren
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Stau in Italien? Nun gibt es Geld zurück
Videoclip • 01:11 Min • Ab 12
Wer sich auf dem Weg in den Urlaub auf einer italienischen Autobahn über einen langen Stau ärgert, bekommt nun ein Trostpflaster. Bei langen Staus infolge von Baustellen gibt es die Mautgebühren zurück.
Das Wichtigste in Kürze:
Wer in Italien auf einer Autobahn wegen einer Baustelle im Stau steht, kann die Autobahngebühren teilweise oder ganz zurückfordern.
Die Entschädigung kann über eine App beantragt werden.
Für Ausländer:innen ist das etwas komplizierter, da eine italienische Steuernummer benötigt wird.
Besonders in der großen Sommer-Reisewelle sind jedes Jahr auch viele Deutsche auf Italiens Autobahnen unterwegs. Auf dem Weg nach Südtirol, in die Toskana oder noch weiter in den Süden wird wieder reger Betrieb erwartet. Wer dabei wegen einer Baustelle lange im Stau steht, kann ab sofort die Autobahngebühren teilweise oder sogar komplett zurückfordern. Die neue Regelung ist seit diesem Montag (1. Juni) in Kraft.
Die Entschädigung kann über eine App beantragt werden, in der alle Betreiber von Italiens privaten Autobahnen zusammengeschlossen sind. Autofahrer:innen sollen bereits Geld zurückbekommen, wenn die Fahrt auf einer Strecke von knapp 100 Kilometern zehn Minuten länger dauert als üblich. Bei längeren Strecken muss die Verspätung größer sein. Bei mehr als zwei Stunden gibt es nach den Vorgaben der Verkehrsbehörde in der Regel die gesamte Maut zurück.
Ausländer:innen brauchen italienische Steuernummer
Die Regelung gilt grundsätzlich auch für Autofahrer:innen aus dem Ausland. Allerdings braucht man eine italienische Steuernummer, um sich in der App registrieren zu können. Dies ist auch für Nicht-Italiener möglich, aber umständlich. Helfen kann beispielsweise die deutsche Botschaft in Rom oder die italienische Botschaft in Berlin.
Gezahlt werden muss erst, wenn der Erstattungsbetrag mehr als einen Euro beträgt. Die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia rechnete beispielsweise vor, dass es 75 Prozent zurückgibt, wenn man auf einer 90 Kilometer langen Strecke 40 Minuten länger braucht als üblich. Bei einer Stunde wird dann alles erstattet. Kein Geld gibt es zurück, wenn es sich um sogenannte Notfall-Baustellen handelt, bei Unfällen oder bei wetterbedingten Störungen. Das neue System soll bis Dezember komplett einsatzbereit sein.
Auch in den News:
Verbraucherschützer sind skeptisch
Die Neuregelung wurde von der Rechts-Regierung in Rom vorangetrieben. Verkehrsminister Matteo Salvini bezeichnet den Beschluss als "Wendepunkt" für die Umsetzung von Rechten von Autofahrern. Hingegen zweifelt Italiens Verbraucherschutzverband, dass alles funktioniert. Sie warnen außerdem davor, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen durch eine Erhöhung der Gebühren ausgleichen.
Im Unterschied zu Deutschland, wo die Benutzung der Autobahn gratis ist, muss in Italien für den allergrößten Teil Maut gezahlt werden. Europaweit sind die Gebühren in Italien und Frankreich am höchsten: Pro gefahrenem Kilometer werden nach Angaben von Verbraucherschutzverbänden im Durchschnitt zwischen sieben und neun Cent fällig.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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