Nationale Gasreserve sinnvoll?

Gasspeicher in Deutschland fast leer: Wie geht es weiter?

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

Die deutschen Gasspeicher sind derzeit deutlich geringer gefüllt als in den Vorjahren (Archivbild)

Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa


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Deutschlands Gasspeicher sind nur noch zu rund 20 Prozent gefüllt, in Bayern sogar unter 17 Prozent. Eine Gasmangellage droht laut Expert:innen nicht, doch für den nächsten Winter braucht es klare Strategien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschlands Gasspeicher sind nur noch zu etwa 20 Prozent gefüllt, in Bayern unter 17 Prozent.

  • Strategien wie eine Gasreserve oder neue Marktanreize werden diskutiert.

  • Langfristig soll Erdgas durch Wasserstoff und andere nachhaltige Lösungen ersetzt werden.

Die Erdgasspeicher in Deutschland sind stark geleert: Der aktuelle Füllstand beträgt nur noch rund 20 Prozent, und in Bayern ist er mit unter 17 Prozent noch niedriger. Dennoch sehen die Bundesnetzagentur und die meisten Expert:innen keine unmittelbare Gefahr einer Gasmangellage in diesem Winter. Die Herausforderung liegt vielmehr in der Planung für den kommenden Winter. Welche Strategien helfen könnten, die Gasversorgung zu sichern, wird derzeit intensiv diskutiert.

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Warum sind die Speicher so leer?

Einer der Gründe für den niedrigen Füllstand ist eine politische Entscheidung der Vorgängerregierung. Um Kosten zu senken, wurden die Mindestvorgaben für gefüllte Speicher gesenkt: Zum Beginn des Winters mussten die Speicher nur noch zu 70 Prozent gefüllt sein, zuvor lag die Vorgabe bei 90 Prozent. Diese Änderung wurde kurz vor dem Regierungswechsel im April beschlossen.

Ein weiterer Faktor ist der hohe Gasverbrauch in den Wintermonaten. Etwa drei Viertel des Gasbedarfs werden durch Importe gedeckt, nur ein Viertel stammt aus den Gasspeichern. Das zeigt, dass die Speicher nicht allein entscheidend für die Versorgung sind – ebenso wichtig sind stabile Importe und ein moderater Gasverbrauch.

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Herausforderungen in Bayern

Besonders betroffen ist Bayern, wo der Füllstand der Erdgasspeicher unterdurchschnittlich ist. Das liegt an der Bauweise der dortigen Porenspeicher, die frühere Erdgaslagerstätten nutzen. Jochen Linßen vom Forschungszentrum Jülich erklärt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass diese Speicher deutlich länger zum Wiederbefüllen benötigen als Kavernenspeicher im Norden Deutschlands. Daher ist eine frühzeitige Planung essenziell.

Strategische Gasreserve als Lösung?

Um die Versorgung besser abzusichern, schlagen Politiker:innen wie Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine strategische Gasreserve vor – ähnlich der bereits existierenden Ölreserve. Diese würde für Notfälle zurückgehalten und nicht auf dem freien Markt verfügbar sein. Doch die Umsetzung ist schwierig: Die gesamte Speicherkapazität Deutschlands reicht ohne Importe nur für zweieinhalb Wintermonate, und die Kosten für eine solche Reserve wären immens.

Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt auf marktwirtschaftliche Lösungen. Eine Möglichkeit wäre, Gaslieferanten zu verpflichten, einen Teil ihrer Gasmengen vor dem Winter einzulagern. Solche Maßnahmen sind in Ländern wie Frankreich bereits üblich.

Langfristige Lösungen

Langfristig kann Deutschland seine Abhängigkeit von Erdgas durch Fortschritte bei der Klimaneutralität reduzieren. Dazu gehören bessere Gebäudedämmung, der Umstieg von Gasheizungen auf Wärmepumpen sowie der Einsatz von Wasserstoff in der Industrie und in Kraftwerken. Einige Erdgasspeicher, vor allem Kavernenspeicher im Norden, könnten nach 2030 auf Wasserstoff umgestellt werden.


Verwendete Quellen:

br.de: "Leere Gasspeicher: Wie sinnvoll wäre eine nationale Gasreserve?"

Nachrichtenagentur dpa

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