Investor und Unternehmer
Carsten Maschmeyer im Porträt: Wer ist der Milliardär – und wie wurde er so reich?
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Interview mit Carsten Maschmeyer (9. Mai 2025)
Videoclip • 02:18 Min • Ab 12
Er kommt aus einfachen Verhältnissen und ist heute Milliardär: Carsten Maschmeyer gilt als einer der einflussreichsten Unternehmer und Investoren Deutschlands. Alles über seinen Werdegang, seine Unternehmen – und die Kritik an einigen seiner Aktivitäten.
Das Wichtigste in Kürze
Carsten Maschmeyer macht den Finanzvertrieb AWD erfolgreich, bringt ihn an die Börse und verkauft ihn 2008. Die Firma gerät wegen ihrer Methoden vielfach in die Kritik.
Seit über 15 Jahren investiert Maschmeyer in Start-ups und hat inzwischen rund 150 Unternehmen finanziert. Als Investor ist er auch in "Die Höhle der Löwen" zu sehen.
Der Milliardär ist mit der Schauspielerin Veronika Ferres verheiratet.
Wer ist Carsten Maschmeyer?
Selfmade-Milliardär, Investor, TV-Persönlichkeit: Carsten Maschmeyer ist einer der bekanntesten Unternehmer in Deutschland – und einer der reichsten Deutschen. Das Finanzmagazin "Forbes" schätzt sein Vermögen Ende März 2026 auf zwei Milliarden US-Dollar, umgerechnet knapp 1,7 Milliarden Euro.
Sein Name ist eng mit dem Finanzvertrieb AWD verknüpft: Als Vorstandsvorsitzender verhilft Maschmeyer ihm Anfang der 2000er-Jahre zu großem Erfolg – und wird damit reich.
Sein Unternehmen Maschmeyer Group investiert weltweit in Start-ups unterschiedlicher Branchen. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher über Unternehmertum und Investments und seit 2016 TV-Investor bei 'Die Höhle der Löwen'. Zudem ist er als Ehemann von Schauspielerin Veronika Ferres bekannt.
Carsten Maschmeyer ist als Unternehmer, Investor und TV-Persönlichkeit bekannt.
Bild: Klaus W. Schmidt
Wie sieht der Werdegang von Carsten Maschmeyer aus?
Carsten Maschmeyer kam am 8. Mai 1959 in Bremen zur Welt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf: Mit seiner alleinerziehenden Mutter lebte er in den ersten Jahren in einem Mutter-Kind-Heim in Hildesheim. Seinen leiblichen Vater lernte Maschmeyer nie kennen, wie der Unternehmer in einem Interview mit "Focus Online" erzählte. Später heiratete die Mutter und zog mit ihrem Kind in eine Arbeitersiedlung der Stadt. Der Stiefvater sei streng gewesen und haben den Jungen körperlich gezüchtigt.
Während der Schulzeit jobbte Maschmeyer als Plakatkleber und Kassierer im Supermarkt. 1978 legte er sein Abitur in Hildesheim ab. Danach verpflichtete er sich als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr. Während der zwei Jahre machte er eine Ausbildung zum Reserveoffizier im Sanitätsdienst.
Anschließend begann Maschmeyer ein Medizinstudium in Hannover – vor allem auf Wunsch der Mutter, die gewollt habe, dass ihr Sohn abgesichert sei. Zur selben Zeit studierte übrigens auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an der Uni Medizin: Die beiden besuchten denselben Anatomiekurs.
Um sein Studium zu finanzieren, arbeitete Maschmeyer 1978 nebenbei bei der OVB Vermögensberatung. Den Job habe er durch Zufall gefunden: Im Urlaub habe er eine Führungskraft der Firma kennengelernt.
Als Verkäufer von Bausparverträgen und anderen Finanzprodukten war Maschmeyer so erfolgreich, dass sein Studium darunter gelitten habe. 1982 exmatrikulierte ihn die Uni, weil er zu häufig gefehlt habe. 1983 stieg er mit nur 24 Jahren zum Landesdirektor der OVB auf.
Carsten Maschmeyer spricht 2005 auf der Bilanz-Pressekonferenz vor dem AWD-Logo.
Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb | Wolfgang Weihs
Wie wurde Carsten Maschmeyer so reich?
1987 verließ Maschmeyer die OVB, um sich selbstständig zu machen. Er erhielt eine Millionenabfindung für den Kundenstamm, den er aufgebaut hatte.
1988 stieg der Unternehmer beim Finanzvertrieb AWD (Allgemeiner Wirtschaftsdienst) ein. Diese Firma hatte sein späterer Schwager Kai Lange kurz vorher gegründet. Maschmeyer investierte 900.000 Deutsche Mark (DM) und übernahm dadurch die Mehrheit. Dann führte er ein damals ungewöhnliches Konzept ein: AWD bot eine unabhängige Finanzberatung, die nicht an bestimmte Banken oder Versicherungen gebunden ist. Berater:innen und Kund:innen hatten dadurch mehr Auswahl.
AWD expandierte schnell in mehrere europäische Länder und übernahm mehrere Konkurrenten. Im Jahr 2000 ging das Unternehmen an die Börse. Mit einem Ausgabekurs von 54 Euro pro Aktie lag die Marktkapitalisierung bei rund zwei Milliarden Euro. Nach dem Börsengang behielt die Familie Maschmeyer die Mehrheit von 53,2 Prozent der Anteile.
Ab 2005 verkaufte Maschmeyer seine Anteile nach und nach an den Schweizer Lebensversicherer Swiss Life. Dabei strich er mindestens 500 Millionen Euro ein. 2008 übernahm Swiss Life den AWD endgültig – für knapp 1,2 Milliarden Euro.
In welche Firmen hat der Unternehmer investiert?
2010 gründete Maschmeyer sein Venture-Capital-Unternehmen Maschmeyer Group, das seine Investment- und Beteiligungsaktivitäten bündelt. Der Konzern hat bereits in mehr als 150 Start-ups investiert. Das sind zum Beispiel:
der Zahlungsanbieter Klarna (Schweden)
die Finanz-App Finanzguru (Deutschland)
der Premium-Fahr- und Chauffeurdienst Blacklane (Deutschland)
das iPad-basierte Kassensystem für die Gastronomie, orderbird (Deutschland)
die digitale Plattform zur Förderung der psychischen Gesundheit von Angestellten, Modern Health (USA)
Bei einigen Beteiligungen ist die Maschmeyer Group weiterhin aktiv, bei anderen erfolgt ein erfolgreicher Exit. Seit 2016 gehört der Unternehmer außerdem zum Investorenteam der TV-Sendung "Die Höhle der Löwen", wo er ebenfalls in Start-ups investiert.
Neben seinen Investments gründet Maschmeyer gelegentlich eigene Firmen. Dazu gehört seit 2010 HMNC Brain Health. Das Biotech-Unternehmen entwickelt Medikamente gegen Depression und Angststörungen. Zwischen 2010 und 2013 führte der Unternehmer mit dem Ökonomen Bert Rürup eine Firma. Die MaschmeyerRürup AG beriet Banken, Versicherungen und Regierungen zu Alters- und Gesundheitsvorsorge.
Seit 2012 hat der Investor zudem vier Bücher veröffentlicht, darunter den Bestseller-Ratgeber "Selfmade".
Wofür wird Maschmeyer kritisiert?
Vor allem die Aktivitäten rund um seine frühere Firma AWD brachten Maschmeyer Kritik ein. Der Finanzvertrieb soll Kund:innen teilweise überteuerte oder ungeeignete Produkte verkauft haben, während das Management hohe Gewinne erzeilt habe. Tausende Kleinanleger:innen sollen durch von AWD vermittelte Fonds viel Geld verloren haben. Die Stiftung Warentest warnte darum bis 2006 vor dem Finanzvertrieb.
2011 erstattete der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien Anzeige gegen Maschmeyer und 19 AWD-Manager. Mehrere Sammelklagen von 2.500 Anleger:innen folgten. Der Verdacht: gewerbsmäßiger Betrug. 2013 zahlten AWD/Swiss Life bei einer einvernehmlichen Einigung knapp elf Millionen Euro.
Die Vertriebspraktiken von AWD wurden auch in ARD-Berichten 2010 und 2011 kritisch beleuchtet. Maschmeyer wurde dabei unter anderem als "Drückerkönig" bezeichnet.
Bereits 2008 geriet der Unternehmer unter Druck, als der AWD versuchte, den Konkurrenten MLP zu übernehmen. Die Staatsanwaltschaft Hannover und die Finanzaufsicht BaFin prüften, ob dabei Aktienkurse beeinflusst und Anleger:innen getäuscht wurden. Um einen Strafprozess zu vermeiden, zahlte Maschmeyer 2013 eine Geldauflage von 2,9 Millionen Euro, aber ohne eine Schuld anzuerkennen.
Der Investor versuchte früher gelegentlich auch, politisch Einfluss zu nehmen. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 1998 erschienen Anzeigen, die für Gerhard Schröders Kandidatur warben. Dieser gewann die Wahl und wurde kurz danach SDP-Kanzlerkandidat.
Später gab Maschmeyer zu, die anonym geschalteten Anzeigen mit 650.000 DM finanziert zu haben. Während des Wahlkampfs in Niedersachsen 2007 finanzierte Maschmeyer Anzeigen für ein Buch, das Interviews mit CDU-Kandidat Christian Wulff enthält. Das kam erst 2011 ans Tageslicht.
Carsten Maschmeyer ist seit 2014 mit der Schauspielerin Veronika Ferres verheiratet.
Bild: Future Image
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Was macht Carsten Maschmeyer privat?
Seit 2014 ist Carsten Maschmeyer mit der Schauspielerin Veronica Ferres verheiratet. Ein Paar sind die beiden bereits seit 2009. Die Familie lebt in München, hat aber weitere Wohnsitze, etwa in Kalifornien und Frankreich.
Seine erste Ehefrau Bettina lernte der Investor bereits während seiner Zeit bei OVB kennen. Sie ist die Schwester des AWD-Gründers Kai Lange. Die Ehe dauerte von 1989 bis 2009. Aus dieser Verbindung hat Maschmeyer zwei Söhne. Zudem ist er der Stiefvater von Veronica Ferres' Tochter Lily Krug, die ebenfalls Schauspielerin ist.
Der Investor spricht auch offen über persönliche Themen, etwa seine jahrelange Tablettensucht. Wegen Schlafstörungen habe er die Einnahme des Mittels "Stilnox"' zeitweise auf bis zu 50 Tabletten täglich erhöht. 2010 begab er sich zum Entzug in eine psychiatrische Klinik und ist seitdem clean.
FAQ: Carsten Maschmeyer
Carsten Maschmeyer kommt am 8. Mai 1959 in Bremen zur Welt. Er feiert also im Mai 2026 seinen 67. Geburtstag.
Carsten Maschmeyer und seine Frau Veronika Ferres wohnen in München. Die beiden haben zudem einen Wohnsitz in Kalifornien und leben zeitweilig an der Côte d’Azur in Frankreich. Geboren wurde Maschmeyer in Bremen, später war er unter anderem in Hildesheim und Hannover zu Hause.
Wie reich Carsten Maschmeyer ist, ist offiziell nicht bekannt. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen aktuell auf zwei Milliarden US-Dollar, das entspricht rund 1,7 Milliarden Euro. In der Forbes-Liste liegt Maschmeyer damit auf Platz 2.052 der vermögendsten Menschen weltweit (Stand: 25. März 2026).
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
FOCUS Online: "Carsten Maschmeyer: 'Ich habe meinen lieblichen Vater nie gesehen'"
T-Online: "'Höhle der Löwen': So wurde Carsten Maschmeyer zum Milliardär"
Hamburger Abendblatt: "Der AWD-Gründer und sein Erfolgsgeheimnis"
ARD-Dokumentation "Der Drückerkönig und die Politik"
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