Schon zum dritten Mal
Brigitte Küchen pleite: Was den Hersteller aus NRW in die Insolvenz trieb
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Insolvenz: Was bedeutet das für Unternehmen?
Videoclip • 01:15 Min • Ab 12
Der ostwestfälische Küchenhersteller Brigitte Küchen hat erneut Insolvenz angemeldet. Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem den Iran-Krieg und den Einbruch wichtiger Absatzmärkte im Nahen Osten.
Das Wichtigste in Kürze
Brigitte Küchen aus Hiddenhausen hat zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet.
Der Iran-Krieg und gestoppte Bauprojekte im Nahen Osten belasten wichtige Absatzmärkte.
Wieso die Produktion ab dem heutigen Mittwoch (12. August) dennoch wieder aufgenommen werden soll.
Der Küchen- und Möbelhersteller Brigitte Küchen aus Hiddenhausen in Nordrhein-Westfalen hat zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet. Die H. Frickemeier Möbelwerk GmbH, zu der die Marke gehört, beantragte am 27. Juli ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Rund 120 Arbeitsplätze sind derzeit unsicher.
Die Belegschaft wurde ausgerechnet während der laufenden Betriebsferien von den schlechten Nachrichten eiskalt erwischt, wie die "Bild" berichtet. Die Zukunft der Beschäftigten ist offen. Wie viele Stellen konkret betroffen sein könnten, wurde zunächst nicht beziffert.
Auch in den News:
Krieg im Nahen Osten belastet das Geschäft von Brigitte Küchen
Als wichtigen Auslöser für die erneute Schieflage nennt das Unternehmen den Iran-Krieg. Firmenchef Steffen Liebich erklärte gegenüber der Fachzeitschrift "Möbel Kultur", der Einbruch wirtschaftlicher Aktivitäten im Nahen Osten habe es "zwingend notwendig gemacht, die Kapazitäten der Firma an die Wirklichkeit anzupassen".
Laut Sachwalter Frank Kebekus sind wichtige Absatzmärkte betroffen. Zur "Bild" sagte er: "Das ist ein Riesenproblem, da es sehr wichtige Absatzmärkte für das Unternehmen sind. Wir haben dort unten allein vier Vertretungen, deren Geschäft aktuell komplett zum Erliegen gekommen ist."
Mehrere Bauprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain und Saudi-Arabien seien laut den Berichten gestoppt worden. Dadurch sei auch die Nachfrage nach Küchen aus Hiddenhausen deutlich zurückgegangen.
Schwache Baukonjunktur in Deutschland
Nicht nur die Lage im Nahen Osten macht dem Unternehmen zu schaffen. Kebekus verweist außerdem auf die schwache Baukonjunktur in Deutschland, fehlende Bauprojekte und die Zurückhaltung von Verbraucher:innen bei größeren Anschaffungen.
Brigitte Küchen war bereits 2020 während der Corona-Pandemie in die Insolvenz geraten. Nach der Übernahme durch Investor Liebich folgte 2024 das zweite Verfahren, nachdem der Küchenboom aus der Pandemiezeit nachgelassen hatte. Nun ist es die dritte Insolvenz unter seiner Führung.
Liebich betont laut "Merkur", dass Brigitte Küchen keine Bankverbindlichkeiten habe. Lieferant:innen würden die Zahlungsunfähigkeit im Zuge des Verfahrens "nicht spüren".
Produktion soll am 12. August wieder starten
Trotz der Insolvenz will der Investor am Standort festhalten. Nach den Betriebsferien soll die Produktion in Hiddenhausen am 12. August planmäßig wieder aufgenommen werden. Auch die Teilnahme an den Herbstmessen im September bleibt vorgesehen. Dort sollen Brigitte Küchen und die zur Unternehmensgruppe gehörende Marke RWK Kuhlmann vertreten sein.
Liebich sieht weiterhin Chancen für das Unternehmen. Große Aufträge aus Großbritannien und Asien stünden kurz vor dem Abschluss. "Das Unternehmen besitzt einen Nukleus, der wirtschaftlich erfolgreich sein kann, daran glauben wir", zitiert "Merkur" Liebich.
Zahl der Insolvenzen außergewöhnlich hoch
Brigitte Küchen ist beileibe kein Einzelfall. Auch eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie zeigt: Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland bleibt zu Beginn der zweiten Jahreshälfte auf sehr hohem Niveau. Im Juli wurden insgesamt 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte. Gegenüber Juni ging die Zahl der Pleiten leicht um 1,0 Prozent zurück. Doch im Vergleich zum Juli 2025 waren es sieben Prozent mehr.
Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt die aktuelle Zahl der Pleiten sogar um 75 Prozent höher: Die Zahl der Insolvenzen bleibe damit auf einem "außergewöhnlich hohen Niveau", erläuterten die Forscher:innen.
Verwendete Quellen:
Bild: "Deutscher Küchen-Hersteller meldet Insolvenz an"
Merkur: "Küchenhersteller mit dritter Insolvenz binnen sechs Jahren – 120 Jobs in Gefahr"
Nachrichtenagentur Reuters
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