Nächtliche Hingucker
Sternenhimmel im Oktober: Spektakel zwischen Herbstviereck, Andromeda und Zeitumstellung
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Schnellster Stern der Milchstraße entdeckt (22. August)
Videoclip • 01:17 Min • Ab 12
Ich seh' den Sternenhimmel: Auch im Oktober hat der nächtliche Horizont so einiges zu bieten. Was uns zwischen Herbstviereck, Planeten-Wanderung und Zeitumstellung erwartet.
Das Wichtigste in Kürze
Das Sommerdreieck verliert so langsam seine Leuchtkraft – passend zum Oktober erstrahlt dafür das Herbstviereck und schließt an die Sternenkette Andromeda an.
Hinter dem herbstlichen Sternbild steckt ein Abenteuer aus der griechischen Mythologie, bei dem die Tochter der Kassiopeia (bekannt im Zusammenhang mit dem Himmels-W) von Perseus vor einem Ungeheuer gerettet wird.
Während der Merkur versteckt bleibt, bietet der Jupiter im Zusammenspiel mit dem Mond Anfang Oktober ein ganz besonderes Bild.
Vorbei ist die sommerliche Hochsaison der Perseiden – doch der Herbsthimmel hält ein neues Spektakel bereit. Im Oktober nimmt etwa Pegasus, eine der größten und auffälligsten Sternkonstellationen, seine Stellung ein.
Auch die Planeten mischen mit: Venus und Saturn kommen der Erde nah, während Jupiter zusammen mit der Mondsichel glänzt. Was passionierte Sternengucker:innen sonst am großen Himmelszelt erwartet.
Auch in den News:
Herbstviereck, Andromeda und Himmels-W
Das sogenannte Herbstviereck, auch Pegasusquadrat, läutet nun auch am Sternhimmel die neue Jahreszeit ein. Am abendlichen Westhimmel leuchten zwar nach wie vor die das Sommerdreieck bildenden Sterne Wega, Deneb und Atair – der markante Pegasus dürfte ihnen in den Herbstmonaten aber die Show stehlen.
Mit dem Pegasusquadrat beginnt die bekannte Sternenkette der Andromeda. Zieht man diese imaginär in Richtung Nordosten weiter, stößt man dort auf Perseus in der Form einer Wünschelrute. Wer den Blick weiter wandern lässt, gelangt schließlich zum Sternbild Fuhrmann, mit dem hellen Capella ganz oben in der Mitte.
An der Spitze der Andromeda rückt das Kassiopeia-W als weiterer prominenter Vertreter in den Fokus – im Oktober steht es fast am Zenit. Die mittlere Spitze des Himmels-W deutet auf den Polarstern und führt weiter zum Großen Wagen. Dieser steht mittlerweile knapp über dem Nordhorizont und ist an Herbstabenden nicht mehr ganz so leicht zu finden. Zwischen Polarstern und Zenit stößt man auf den Gemahl der Königin Kassiopeia, Kepheus. Doch auch der aus fünf Hauptsternen bestehende König ist nicht so leicht zu erkennen wie das berühmte Sternen-W.
Medusa hält ihren Kopf für Andromeda hin
Die am Herbsthimmel leuchtenden Sterne sind Teil einer dramatischen Szenerie aus der griechischen Mythologie. Antagonist spielt der im Südosten auftretende Walfisch. Der Stern Menkar formt dabei den Kopf, während Diphda den Schwanz des Fabelwesens formt. Der lateinische Name des Walfisches lautet "Cetus": das Ungeheuer der Andromedagruppe.
Cetus will laut Sage nämlich vor allem eins: die an einen Felsen geschmiedete Andromeda, Tochter von Kassiopeia und Kepheus, verschlingen. Die Königstochter sollte zur Strafe für ihre eitle Mutter dem Cetus geopfert werden. So hat es das Orakel von Delphi dem König mitgeteilt.
Kurz bevor das Ungeheuer Andromeda verschlingen kann, naht der Prinzessin Rettung: Auf Flügelschuhen schwingt der Held Perseus durch die Lüfte. Er präsentiert Cetus das abgeschlagene Haupt der Gorgo Medusa. Der Anblick des Medusenkopfes lässt Cetus zu Stein erstarren. Für die Rettung der Andromeda wird diese zur Frau des Perseus, der obendrein das halbe Königreich Äthiopien erhält.
Anders als sein Name vermuten lässt: Cetus ist ein Fabelwesen - und kein Fisch.
Bild: sokabe/Adobe Stock, gojalia/Adobe Stock
Und was machen Venus, Merkur, Jupiter und Saturn?
Auch die Planeten liefern im Herbst ein himmlisches Spektakel. Mit Beginn des Oktobers passiert Mars den Sternhaufen Praesepe, auch Krippe genannt, im Sternbild Krebs. Am 6. Oktober glänzt Jupiter, der gegen fünf Uhr morgens von der abnehmenden Mondsichel gestreift wird.
Zwei Tage zuvor, am 4. Oktober, steht Saturn im Sternbild Cetus von der Erde aus gesehen genau gegenüber der Sonne. Damit geht der Ringplanet abends im Osten auf und erreicht seine Höchststellung um Mitternacht im Süden. Mit Sonnenaufgang geht Saturn dann im Westen unter. Zur Opposition erreicht er dann seine geringste Entfernung von der Erde: Dann sind es "nur" noch 1.260 Millionen Kilometer von uns.
Die Venus schafft es sogar noch näher: Mit nur 41 Millionen Kilometern steht sie der Erde am 24. Oktober so nah wie kein anderer Planet. Bereits Anfang Oktober verschwindet sie allerdings wieder aus unserer Sicht. Damit beendet die Venus ihre Abendsternperiode und wandert von Ost nach West durch den Tierkreis auf die ihr entgegenkommende Sonne zu. Mitte November taucht sie dann wieder am Morgenhimmel auf und bleibt das ganze Winterhalbjahr bis Juni Morgenstern.
Weniger als die Venus glänzt Merkur: Er hält sich aufgrund seiner recht flachen Lage am Horizont versteckt. Lediglich in den Mittelmeerländern und in Afrika kann der graubraune Körper kurz am westlichen Abendhimmel erspäht werden.
Sonne, Mond und: Zeitumstellung!
Und wie steht es um Sonne und Mond? Letzterer glänzt erst Ende Oktober, am 26. um 5:12 Uhr, in voller Pracht. Zur Neumondposition am 10. Oktober steht er um 17:50 Uhr exakt zwischen Erde und Sonne. Direkt am 1. Oktober kommt uns der Mond kurz vor Mitternacht mit 369.334 Kilometern Entfernung recht nahe, ebenso wie am 28. Oktober mit 364.407 Kilometern.
Indessen nimmt die Mittagshöhe der Sonne um elf Grad ab. Damit steht der Feuerball deutlich flacher am Horizont als zuvor: Die Tageslänge schrumpft um eineinhalb Stunden.
Passend dazu endet am 25. Oktober die Sommerzeit. Um 3 Uhr sind die Zeiger damit auf 2 Uhr (mitteleuropäische Zeit) zurückzustellen. Die Zeitumstellung ist aufgrund ihrer weit verbreiteten Begleiterscheinungen wie Müdigkeit und Schlafprobleme nicht gerade beliebt. Ein Vorteil allerdings bleibt: Würde man die Uhren nicht auf MEZ zurückstellen, ginge die Sonne in der letzten Dezemberwoche in München erst um 9:12 Uhr und in Hamburg sogar erst um 9:37 Uhr auf.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Deutschlandfunk: "Der Wagenlenker und das rätselhafte Zicklein"
ARD Alpha: "Rund um das Herbstviereck mit Pegasus"
ARD Alpha: "Venus und Saturn abends, Jupiter und Mars morgens"
ARD Alpha: "Von der Sichel zum Vollmond"
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