Debatte um alte Bausubstanz
Historisches Gebäude abgerissen: Negativpreis geht nach Prien am Chiemsee
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von Magdalena FürstDas historische Lechnerhaus in Prien am Chiemsee.
Bild: Anton Hötzelsperger/Bayerischer Landesverein für Heimatpflege/dpa
Ein Wohnhaus, ein Gasthaus und ein Fachwerkbau - Der Negativpreis für Abrisse historischer Gebäude in Bayern sorgt für Debatten um den Umgang mit alter Bausubstanz. Eine betroffene Gemeinde reagiert.
Negativpreis für bedauerliche Abrisse
Ein historisches Wohnhaus und ein Traditionswirtshaus in Oberbayern sowie ein 400 Jahre altes Fachwerkgebäude in Mittelfranken sind zu "Abrissen des Jahres" 2025 gekürt worden. Für den Negativpreis sammelt der bayerische Landesverein für Heimatpflege besonders bedauerliche Abrisse von historischen Gebäuden, die das Ortsbild prägen. Anschließend können Interessierte dann über die Platzierung abstimmen. Die Aktion versteht sich als Appell für mehr Wertschätzung, Erhalt und Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz, so der Verein.
"Historische Gebäude weichen zunehmend der maximalen Grundstücksverwertung", kritisierte Vereinsgeschäftsführer Rudolf Neumaier bei der Bekanntgabe.
Zeichen örtlicher Industriekultur
Auf den ersten Platz kam das Lechnerhaus im oberbayerischen Prien am Chiemsee (Landkreis Rosenheim). Das Gebäude sei Ende des 19. Jahrhunderts für eine Unternehmerfamilie errichtet worden und habe die örtliche Industriekultur symbolisiert, begründete der Verein. Nach wechselnder Nutzung sei es seit 2006 leer gestanden und verfallen.
Der Markt Prien hatte jedoch Gründe für die Entscheidung. So seien aus der Fassade Elemente herausgebrochen und hätten Fußgänger und Straßenverkehr gefährdet, sagte Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) auf Anfrage. Eine Sanierung zu Wohnzwecken habe man geprüft, aber wegen der technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen verworfen.
Eine Idee sei auch eine Nutzung als Künstlerhof gewesen. Wegen der schlechten Bausubstanz seien diese Konzepte nicht verwirklicht worden, auch seien Interessenten schnell wieder abgesprungen. Der Markt Prien sei sich seiner Vorbildfunktion beim Erhalt alter Bausubstanz aber bewusst, betonte Friedrich und nannte als Beispiel die Alte Post und das ehemalige Amtsgericht. Anders als der Lechnerhof stünden die Gebäude unter Denkmalschutz und würden vom Markt Prien unterhalten und genutzt.
Traditionsgasthaus weicht Neubauten
Auf Platz zwei landete das traditionsreiche Gasthaus "Alter Wirt" in Aising (Landkreis Rosenheim). Der Gasthof mit Wurzeln im frühen 19. Jahrhundert sei Treffpunkt für Vereine, Feste und das gesellschaftliche Leben gewesen, heißt es in der Begründung. 2025 sei es aber nach zehn Jahren Leerstand abgerissen worden, um dort unter anderem einen Veranstaltungssaal mit Biergarten sowie Wohnungen zu errichten.
Zeugnis fränkischer Baukultur
Das drittplatzierte Gebäude ist ein rund 400 Jahre altes Fachwerkhaus in Winkelhaid im Nürnberger Land. Das Wohnstallhaus aus der Zeit um 1600 sei ein seltenes noch erhaltenes Zeugnis fränkischer Baukultur gewesen, so der Landesverein. Wegen einer offenbar mutwilligen Zerstörung im Inneren habe es aber seine Denkmaleigenschaft verloren und sei zum Abriss freigegeben worden. Nach Veräußerung an einen Bauträger seien hier nun moderne Wohnhäuser errichtet worden.
Vom Fischerhäusl bis zum Kasernengebäude
Auf weiteren Platzierungen des Negativpreises finden sich der Mitteilung zufolge auch Wohnhäuser in Würzburg und Bayreuth, ein evangelisches Vereinshaus in Weiden, ein Fischerhäusl in Neumarkt-Sankt Veit, ein Bauernhaus in Ellingen, zwei Gasthöfe in Augsburg-Göggingen ("Zum Ochsen") und Grabenstätt ("Alte Post") sowie ein Kasernengebäude in Augsburg.
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